Drei Stunden, kein Ergebnis: Die erste Tarifrunde im Gebäudereiniger-Handwerk ist ohne Einigung beendet worden. Der Bundesinnungsverband hält die Forderung der IG BAU – zwei Euro mehr pro Stunde – für wirtschaftlich unrealistisch. Wann die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen werden sollen.

Die erste Tarifrunde im Gebäudereiniger-Handwerk ist am Mittwoch in Düsseldorf nach rund drei Stunden ohne Ergebnis beendet worden. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) hat die Lohnforderung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) ein zweites Mal abgelehnt. Die zweite Tarifrunde findet am 22. Oktober in Köln statt.
Gewerkschaft fordert zwei Euro mehr pro Stunde
Die IG BAU hatte ihre Forderung bereits im Juni 2026 vorgestellt: zwei Euro mehr pro Stunde für alle Beschäftigten, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Das entspricht für die beschäftigungsstärkste Lohngruppe – die Einstiegsgruppe für Ungelernte (LG 1) – einer Erhöhung von mehr als 13 Prozent. Der BIV wies diese Forderung schon damals zurück. Bei der ersten Tarifrunde legte die Gewerkschaft dieselbe Forderung erneut vor.
Arbeitgeber: "Wirtschaftliche Realität wird ausgeblendet"
Christian Kloevekorn, Vorsitzender der BIV-Tarifkommission, kritisiert die Haltung der Gewerkschaft scharf: "Was im Juni galt, gilt auch im September. Deshalb war die heutige Tarifrunde rasch beendet. Unsererseits herrscht Unverständnis über die starre Haltung der IG BAU und darüber, wie konsequent sie die wirtschaftliche Realität ausblendet."
Kloevekorn verweist auf die schwierige Lage des industrienahen Dienstleistungshandwerks: steigende Kosten, schwache Kundennachfrage und wirtschaftliche Unsicherheit. Laut einer halbjährlichen Konjunkturumfrage des BIV ist die Stimmung in den Unternehmen so schlecht wie nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2019.
BIV: Minijob-Reform könnte Lohnnebenkosten um mehr als 30 Prozent erhöhen
Als weitere Belastung führt der BIV geplante Reformen der Bundesregierung bei Minijobs an. Laut BIV könnten die Änderungen die Lohnnebenkosten für Betriebe um mehr als 30 Prozent steigen lassen. Minijobs machen laut BIV in der Gebäudereinigung knapp die Hälfte der Beschäftigung aus.
Kloevekorn fordert deshalb für die nächste Verhandlungsrunde "eine erste realistische Gesprächsgrundlage" von der IG BAU: "Wer die wirtschaftliche Lage ignoriert, erreicht nur eins: weniger Spielraum für Beschäftigung und Investitionen."
Aktuelle Löhne und Tarifstruktur
Die Branche hat insgesamt neun Lohngruppen. Zwei davon sind allgemeinverbindlich – das heißt, sie gelten für alle gewerblichen Reinigungskräfte in Deutschland, unabhängig davon, ob ihr Betrieb tarifgebunden ist. Der aktuelle Branchenmindestlohn in der Einstiegsgruppe (LG 1) liegt bei 15 Euro pro Stunde. Fachkräfte in Lohngruppe sechs (LG 6) verdienen 18,40 Euro pro Stunde.
Der laufende Tarifvertrag für 2025 und 2026 hatte für die Einstiegsgruppe eine Lohnerhöhung von insgesamt 11,1 Prozent über 24 Monate vorgesehen – von 13,50 auf 15 Euro. Für Fachkräfte (LG 6) stieg der Lohn um 10,2 Prozent über denselben Zeitraum – von 16,70 auf 18,40 Euro.
Langfristig betrachtet: Zwischen 2016 und 2026 ist der Branchenmindestlohn für Ungelernte in Ostdeutschland um mehr als 72 Prozent gestiegen (von 8,70 auf 15 Euro), in Westdeutschland um 53 Prozent (von 9,80 auf 15 Euro). Der allgemeine Verbraucherpreisanstieg lag von 2016 bis einschließlich 2025 laut BIV bei rund 28 Prozent. fre