Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex im August 2026 Aufschwung? – Selbstständige bleiben weiter im Minus

Erstmals seit Juni 2024 bewertet die Gesamtwirtschaft ihre aktuelle Lage wieder positiv. Zwar handelt es sich nur um ein kleines Plus von 1,7 Punkten. Dieses spiegelt aber deutlich mehr Optimismus wider als bei den Selbstständigen. Sie bleiben weiter deutlich im Minus. Der Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex kann im August 2026 hier keine Trendwende erkennen.

Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex im August 2026
Der Jimdo-ifo Index für Selbständige steigt zum vierten Mal in Folge, von minus 22,6 auf minus 19,7 Punkte. Vier kleine Schritte nach oben machen aber noch keine Trendwende. - © Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex

Die Kurven gehen etwas nach oben – sowohl in der Gesamtwirtschaft als auch wenn man explizit auf die kleinen Firmen schaut. Jeden Monat befragen die Wirtschaftsforscher des Münchner ifo Instituts im Auftrag des Internetdienstleisters Jimdo über 1.700 Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen zu ihrer aktuellen Lage und den Erwartungen für die nächsten Monate. Daraus errechnen sie den Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex. Er soll ein Abbild dessen darstellen, wie es den kleinen Firmen geht, die in der Statistik der Gesamtwirtschaft meistens unterrepräsentiert sind.

Aufschwung nur in kleinen Schritten

Ihr Geschäftsklima ist zwar teilweise abhängig von dem der großen Unternehmen, aber dennoch von anderen Entwicklungen und oftmals von einer anderen Geschwindigkeit geprägt. Auch das, was sich politisch tut, wirkt sich auf sie in anderem Maße aus. So stellt sich auch der derzeitige leichte Aufwärtstrend der Wirtschaft etwas anders dar. Denn die Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen bleiben, trotz leichten Anstiegs der Kurven, weiterhin im Minusbereich – und das deutlich.

So zeigen die aktuellen Daten des Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex vom August 2026 einen Anstieg von minus 22,6 auf minus 19,7 Punkte. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen haben die Befragten etwas weniger pessimistisch bewertet. Die Selbstständigen und kleinen Betriebe bleiben mit ihrer Einschätzung aber deutlich im negativen Bereich. Deshalb sprechen die Wirtschaftsforscher auch trotz der kleinen Schritte nach oben nicht von einer Trendwende.

Das zeigt sich auch in Bezug auf die verschiedenen Wirtschaftssektoren: Baugewerbe, Dienstleistung, Einzelhandel und Verarbeitendes Gewerbe. Überall zeigt sich entweder eine Stagnation oder nur ein leichter Aufwärtstrend bei den kleinen Firmen:

  • Baugewerbe: von -30 auf -29 Punkte
  • Dienstleistung: von -17 auf -13 Punkte
  • Einzelhandel: von -34 auf -32 Punkte
  • Verarbeitendes Gewerbe: von -28 auf -28 Punkte
Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex im August 2026
In den verschiedenen Wirtschaftssektoren zeigen sich entweder eine Stagnation oder nur ein leichter Aufwärtstrend bei den kleinen Firmen. - © Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex

Im Gegensatz dazu wird die Entwicklung der Gesamtwirtschaft deutlich positiver gesehen. Hier stieg der Geschäftsklimaindex von minus 10,5 auf minus 5,9 Saldenpunkte. Ihre aktuelle Lage bewerteten die Unternehmen dort mit plus 1,7 Saldenpunkten sogar erstmals seit Juni 2024 wieder positiv. Davon sind die Selbstständigen nach Angabe der Index-Autoren weit entfernt: Ihre Lagebeurteilung bleibt mit minus 17,0 Saldenpunkten klar negativ. "Der Abstand zur Gesamtwirtschaft bleibt damit groß", heißt es in der Mitteilung zu den Werten vom August 2026.

Sorge vor den Beschlüssen nach der Sommerpause

Auch für Matthias Henze, den Gründer und CEO von Jimdo, reichen die kleinen Schritte noch nicht aus, um eine nachhaltige positive Entwicklung anzustoßen. "Dazu bedarf es unter anderem einer Politik, die Selbstständige wertschätzt und aktiv Politik für sie macht", kommentiert er die neuen Zahlen.

Dieser Einschätzung schließt sich der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD e.V.) an, der aktuell mit Sorge auf die anstehenden Beschlüsse in Berlin nach der Sommerpause blickt. "Das Arbeitsministerium will als eines der ersten Gesetze die Rentenversicherungspflicht für Selbstständige beschließen und damit deren Gewinn auf einen Schlag um weitere 20 Prozent reduzieren", kritisiert Andreas Lutz, der Vorstandsvorsitzende des VGSD. Damit das die einsetzende Erholung nicht zunichtemacht, schlägt er zwei begleitende Reformen vor: die seit Monaten beratene Reform der Statusfeststellung und eine Reform der Beitragsbemessung. "Andernfalls rechnen wir mit einem massiven Einbruch des Gründungsgeschehens", sagt er.

Die Initiatoren des Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex suchen weiterhin Selbstständige und Betriebe mit weniger als neun Mitarbeitern, die bei der monatlichen Befragung mitmachen. Unter wir-im-ifo.de kann sich jeder melden, der Interesse hat und den Index unterstützen möchte – mit dem Ziel, den kleinen Betrieben mehr Sichtbarkeit in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion zu verschaffen. jtw

Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex im August 2026
Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex im August 2026: Sowohl die aktuelle Geschäftslage (August: minus 17,0 Punkte, Juli: minus 19,5 Punkte) als auch die Erwartungen (August: minus 22,3 Punkte, Juli: minus 25,6 Punkte) wurden etwas weniger pessimistisch bewertet. - © Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex