Neue Pisa-Studie Jeder dritte Schüler kann nicht richtig lesen oder rechnen

Rund ein Drittel der 15-Jährigen verfehlt in Lesen und Mathematik die Basiskompetenzen – schlechter als beim Pisa-Schock vor 25 Jahren. Für den Handwerksverband bestätigt sich damit, worüber Ausbildungsbetriebe schon lange klagen.

Pisa-Studie 2026
Deutschlands Pisa-Ergebnisse 2025 erreichen einen historischen Tiefstand – mit Folgen für Handwerksbetriebe im Ausbildungsalltag. - © Frank H. - stock.adobe.com

In der neuen Pisa-Studie erreichen die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Deutschland einen Tiefststand. "Die Jugendlichen in Deutschland erzielen in Naturwissenschaften, im Lesen und in Mathematik so schlechte Ergebnisse wie noch nie seit Beginn der Pisa-Studien", sagte Studienleiter Samuel Greiff von der Technischen Universität München. Die Leistungen lägen damit noch unter dem Niveau des Pisa-Schocks vor 25 Jahren. Insgesamt erreiche Deutschland damit nur noch das Durchschnittsniveau der Industriestaatengruppe OECD.

Immer mehr Jugendliche ohne Basiskompetenzen

Wie Greiff weiter sagte, erwerben immer mehr Jugendliche keine Basiskompetenzen. Dies gelte für etwa ein Viertel der Befragten in den Naturwissenschaften und rund ein Drittel der Befragten im Lesen und in Mathematik. Ein Fünftel der rund 6.700 im Jahr 2025 bundesweit befragten 15-jährigen Jugendlichen hätte in keinem der drei Bereiche ausreichende Basiskompetenzen. Gleichzeitig verliere Deutschland auch in der Spitze, also bei besonders kompetenzstarken Jugendlichen.

ZDH: Fehlende Grundkompetenzen gefährden Ausbildung

Die Ergebnisse der Pisa-Studie bestätigen nach den Worten von ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke die Lebenswirklichkeit vieler Ausbildungsbetriebe des Handwerks: "Zu viele junge Menschen verlassen die Schule ohne die Grundkompetenzen, die für eine gelingende Ausbildung nötig sind." Dies gefährde den erfolgreichen Verlauf der betrieblichen Ausbildung und damit den Start ins Berufsleben, warnte er. Wo sie fehlten, müssten Betriebe aufwendig nachsteuern. Hinzu kämen Passungsprobleme.

Förderprogramme vor und in der Lehre wichtig

Nötig ist nach Einschätzung Schwanneckes neben einer besseren und flächendeckenden Berufsorientierung die Verbesserung der Grundkompetenzen von Absolventen allgemeinbildender Schulen. Auch müssten erfolgreiche Bundesprogramme zur Akquise und Betreuung junger Auszubildender über das Jahr 2027 hinaus weiterlaufen. Als Beispiele nannte er das Bundesprogramm "Passgenaue Besetzung" sowie die "Einstiegsqualifizierung" und die "Assistierte Ausbildung".

Ifo Institut: Pisa-Abstieg gefährdet Wohlstand

Das ifo Institut München warnt ebenfalls vor den wirtschaftlichen Folgen der schlechten Pisa-Leistungen. "Die grundlegenden Kompetenzen der Bevölkerung sind von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche Produktivität, individuelle Einkommen und gesamtwirtschaftliches Wachstum", sagte Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik.

KI verändert Anforderung an gute Bildung

Der Bildungsforscher fordert ein Umdenken in der Bildungspolitik: "Die Vermittlung von Basiskompetenzen muss höchste Priorität haben", betonte er. Da Künstliche Intelligenz (KI) Antworten auf Faktenfragen liefere, gehe es künftig umso mehr darum, die richtigen Fragen zu stellen, Antworten zu hinterfragen und Problemlösungen zu entwickeln.

Bildungserfolg hängt vom sozialen Status der Eltern ab

Die Studie bestätigte zudem, dass in Deutschland der schulische Erfolg deutlich stärker als in anderen Ländern der OECD vom sozialen Status des Elternhauses abhängt. Dabei habe sich dieser Trend 2025 noch verstärkt. Von 100 Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten Familien erreichten in Deutschland nur etwa zwei hohe Kompetenzwerte. In kaum einem anderen OECD-Staat prägten die familiären Voraussetzungen den Bildungserfolg so stark wie in Deutschland.

Präsidentin der Bildungsministerkonferenz: Trendumkehr eingeleitet

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sprach von einem "besorgniserregenden Befund". Helfen könne nur ein Bündel von Maßnahmen auf allen staatlichen Ebenen. Wichtige Weichen seien bereits gestellt. Dabei verwies sie etwa auf eine bessere frühkindliche Bildung. Die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz (Freie Wähler Bayern), betonte, dass die Ergebnisse nicht überraschend kämen und die Länder schon Maßnahmen für eine Trendumkehr ergriffen hätten. "Wir stärken die Basiskompetenzen, setzen früher und gezielter bei der Förderung an und entwickeln die Qualität unseres Unterrichts datengestützt weiter." 

Peteranderl: Ausbildungsreife ist essenziell

Der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Franz Xaver Peteranderl, betonte die Notwendigkeit einer ausreichenden Ausbildungsreife zum Start in das Berufsleben. Die frühzeitige Sprachförderung sei die Basis dafür. "Förderbedarfe zu erkennen und die nötige Unterstützung zu organisieren, ist Aufgabe der Schulen. Unsere Betriebe sind für die Berufsausbildung zuständig und können sich nicht darum kümmern, mögliche Lernlücken zu schließen", erklärte er.

Das betont auch Patrick Wolf, Bildungsgeschäftsführer von Handwerk BW. Für ihn bestätigen die Ergebnisse, was Handwerksbetriebe seit Jahren erleben. Schon jetzt müssten die Ausbildungsbetriebe zu viel in Nachhilfe und andere Unterstützungsmaßnahmen investierten. "Die Ausbildung in der Wirtschaft und in der Berufsschule ist keine Reparaturwerkstatt", so Wolf.