Daunenwesten mit integrierten Wärmestegen für einen Tierfilmer, Funktionsjacken für Kletterer und Radfahrer: Maßschneidermeisterin Sandra Kannis hat sich auf eine Kundschaft mit besonderen Anforderungen spezialisiert. Ein Porträt über Nischenpositionierung, Nebenerwerb und nachhaltiges Reparieren.

Eine Outdoorjacke hängt über einer Schneiderbüste. Auf dem Zuschneidetisch liegen wetterfeste Funktionsstoffe. An der Wand reihen sich Zwirne, Reißverschlüsse und Stoffreste in vielen Farben. Daneben stehen alte und moderne Sattler- und Nähmaschinen – bereit für den nächsten Einsatz. Hier im Atelier von Maßschneidermeisterin Sandra Kannis hat alles seinen Platz.
Kundenakquise über das Internet
Ihre kleine Werkstatt hat die 38-Jährige an einem historischen Ort eingerichtet. "Es handelt sich um die ehemalige Schmiede meines Großvaters. Wo früher auf den Amboss geschlagen wurde, rattert jetzt meine Nähmaschine", sagt die Arnsdorferin und lacht. Ihr Zuhause, ein Vierseitenhof in der Lausitz, ist inzwischen auch ihr Arbeitsplatz.
Im Nebenerwerb hat sich die zweifache Mutter selbstständig gemacht. Maßgeschneiderte Outdoortextilien und die Reparatur von Funktionskleidungen sind ihr Steckenpferd. "Dank des Internets erhalte ich Aufträge aus dem gesamten deutschsprachigen Raum", erklärt Sandra Kannis, die auch selbst gern sportlich aktiv ist.
Stege gegen Wärmeverlust
Die Wünsche ihrer Kunden sind vielfältig. So geht es etwa um besondere Konfektionsgrößen, Tragekomfort und individuelle Anpassungen. "Für einen Tierfilmer aus Hamburg habe ich eine besondere Daunenweste kreiert", sagt die Handwerksmeisterin. "Da er für seinen Beruf oft viele Stunden in der Natur sitzt oder liegt, habe ich in die Weste Stege eingearbeitet, die den Wärmeverlust an bestimmten Stellen minimieren."
Nicht selten landen darüber hinaus auch Reparaturen im Atelier in Arnsdorf. "Es macht einfach Sinn und ist nachhaltig. Oftmals sind es Lieblingsstücke der Kunden, die so länger im Einsatz sein können."
Wenn Sandra Kannis über das Schneidern spricht, merkt man ihr schnell die Freude und die Leidenschaft an. Dabei nahm die 38-Jährige einen kleinen Umweg ins Handwerk. Nach dem Abitur studierte sie Biotechnologie. In Zittau erwarb sie ihren Bachelor, in Senftenberg ihren Master-Abschluss und arbeitete im Anschluss eine Zeitlang in der Krebsforschung. Die dort üblichen Zeitverträge sowie ihre Liebe zur Heimat führten bei der Lausitzerin aber zu einer Umorientierung.
Seit einem Jahr stolze Meisterin
"Ich habe dann mein Kindheitshobby zum Beruf gemacht", erzählt Kannis und berichtet, wie sie bei Maßschneidern in der Region sowie bei den Landesbühnen Sachsen arbeitete, sich währenddessen von der Handwerkskammer Dresden ihre Fähigkeiten validieren ließ und schließlich ein Meisterstudium begann. "Seit einem Jahr bin ich nun stolze Maßschneidermeisterin", sagt sie und schwärmt vom zusätzlichen Wissen, das ihr die Weiterbildung gebracht hat. In Teilzeit arbeitet sie heute im Modeatelier von Schneidermeisterin Ines Günnel in Dresden und baut sich nebenbei ihr eigenes Standbein auf.
Sport- und Outdoorforum am Dreiweiberner See
Das erste Sport- und Outdoorforum Lausitz im Bootshaus Lohsa, Am Strand Weißkollm 2, 02999 Lohsa, bringt am 19. September 2026 Handwerker aus der Region mit Forschern, Sportlern und Experten aus der Outdoorbranche zusammen. Von 13 bis 19 Uhr werden aktuelle Entwicklungen, Innovationen und Zukunftstrends diskutiert. Ziel ist es, neue Geschäftsfelder und Innovationen im Bereich der Sport- und Outdoortechnologien für das Lausitzer Handwerk sichtbar zu machen und die relevanten Akteure miteinander zu vernetzen.