Berufe im Wandel Vom Schornsteinfeger zum Solarreiniger: Meister denkt dem Wandel voraus

Florian Prem beobachtet, wie ihm die Dekarbonisierung nach und nach Aufträge kostet – und hat gehandelt. Der Schornsteinfegermeister aus Schierling reinigt heute PV-Anlagen, hat eine Solarreiniger-Akademie mitgegründet und bildet selbst aus. Wie ein Betrieb drei Standbeine aufbaut, während das klassische Geschäft schrumpft.

Kaminkehrermeister Florian Prem reinigt auf dem Dach eine PV-Anlage.
Kaminkehrermeister Die Solarreinigung ist ein lukratives zweites Standbein für Kaminkehrermeister Florian Prem. - © energie-2k30

Florian Prem ist Realist: "Mit der Dekarbonisierung fallen bei uns immer mehr Aufgaben weg", beobachtet der 43-jährige Schornsteinfegermeister aus Schierling. Er hat reagiert. Neben klassischen Schornsteinfegerarbeiten, der Betreuung von Heizanlagen und Energieberatungen bietet er inzwischen auch Reinigungsarbeiten an – auch von Solaranlagen. "Das ist ein lukratives Geschäft", freut er sich über das kleine, aber solide zweite Standbein. Dank der Reinigung haben er und sein Kompagnon mitsamt den beiden Auszubildenden genug Arbeit für das ganze Jahr.

Seit vielen Jahren entwickelt sich das Berufsbild des Schornsteinfegers kontinuierlich weiter, bestätigt Iris Dohmen vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV). "Neben den klassischen handwerklichen und sicherheitsrelevanten Tätigkeiten haben insbesondere die Themen Energieeffizienz, Klimaschutz, Brandschutz, Lüftung und technische Beratung deutlich an Bedeutung gewonnen", erklärt sie.

Mit der Novelle der Ausbildungsverordnung im vergangenen Jahr sind diese Themen jetzt auch verstärkt im Fokus der Ausbildung. Dass Betriebe zudem spezialisierte Angebote wie die Reinigung von PV-Anlagen aufnehmen, sei nicht ungewöhnlich, eine Ergänzung, die den energetischen Betrieb der PV-Anlage optimiere und gewährleiste. "Viele Betriebe entwickeln sich entsprechend ihrer individuellen fachlichen Richtung, der regionalen Gegebenheiten und der Nachfrage vor Ort weiter", so Dohmen.

Schornsteinfeger erkennt Bedarf bei Solarreinigung kleiner Flächen

Prem hat den Bedarf vor Ort und seine Kapazitäten klar analysiert und sich auf kleinere PV-Anlagen mit 10 bis 50 Kilowatt spezialisiert, also Anlagen auf Ein- oder Zweifamilienhäusern. "Für diese Größe gibt es nicht viele Anbieter. Ich bin als Kaminkehrer vor Ort, kenne die Gegebenheiten am Dach und kann das mit geringem materiellen Aufwand abarbeiten." Für größere Flächen bräuchte er ein motorisiertes Gerät, "das ist für mich uninteressant."

"Mit der Dekarbonisierung fallen bei uns immer mehr Aufgaben weg."

Florian Prem, Kaminkehrermeister und Solarreiniger

Das nötige Fachwissen hat Prem sich in Schulungen angeeignet. Gemeinsam mit seinem Ausbilder in Sachen Reinigung, Wenzel Präger und seinem Kaminkehrer-Geschäftspartner Christoph Künzl, hat er außerdem eine Solarreiniger-Akademie gegründet. "Wir hatten die Idee, dieses Wissen unter die Leute zu bringen. Das ist nicht nur für Reinigungsbetriebe, sondern auch für Kaminkehrer interessant", begründet Prem den Schritt.

Für die Akademie haben sie ein Online-Portal erstellt, über das Interessenten die nötige Theorie erlernen. Zwei bis drei Praxistage ergänzen das Angebot. "Wir machen das unabhängig von Herstellern, jeder kann verschiedene Systeme testen", erklärt Prem. Ein zentraler Aspekt der Schulungen sei die Arbeitssicherheit bei Dacharbeiten, die Sicherheitsunterweisungen seien mit der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft abgestimmt. "Und am Ende bekommen die Teilnehmer ein Zertifikat vom Tüv Rheinland", ist Prem stolz auf dieses dritte Standbein als Dozent.

Sein Team geht die Veränderungen mit, nachdem er erklärt hat, dass bis 2040 kaum mehr Aufträge an Feuerstätten eintreffen werden. "Von daher war es für alle in Ordnung, dass wir plötzlich auch Gebäudereiniger sind. Im Prinzip reinigen wir als Kaminkehrer ja sowieso."