Frühindikator mit Haken Genehmigt, aber nicht gebaut – das Zahlen-Paradox im Wohnungsbau

Die Baugenehmigungen steigen – um 24,7 Prozent im Mai, um 15,4 Prozent im Jahresverlauf. Doch zuletzt wurden nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt, so wenige wie seit 2012 nicht. Warum zwischen Genehmigung und fertigem Wohnungsbau eine Lücke klafft, die die Branche zunehmend beunruhigt.

Eingerüsteter Neubau in einem Wohngebiet: Steigende Material-, Energie- und Finanzierungskosten bringen die Kalkulation vieler Bauherren ins Wanken. - © Georg - stock.adobe.com

Der Trend zu mehr genehmigten Wohnungen hielt auch im Mai an. Insgesamt wurden 21.000 Wohnungen neu genehmigt. Das ist ein Plus von 24,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Davon entfielen 17.800 Wohnungen auf Neubauten. Die übrigen 3.200 entfielen auf Bauvorhaben in bestehenden Gebäuden. Von Januar bis Mai wurden bundesweit bereits 104.700 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 15,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Baugewerbe: Aufwärtstrend nur auf dem Papier

Die Genehmigungen gelten zwar als Frühindikator für die Bautätigkeit, doch zuletzt wurden in Deutschland nur noch sehr wenige Wohnungen tatsächlich fertiggestellt. Im Jahr 2025 waren es 206.600, ein Rückgang um 18 Prozent zum Vorjahr und die geringste Zahl seit 2012. Auch Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), sieht in den Genehmigungszahlen nur ein erstes Signal, mehr nicht. Ob die Bauherren den Bau umsetzen, machen sie abhängig von den Kosten. "Und genau da liegt das Problem", betonte er.

Steigende Baupreise machen vielen einen Strich durch die Rechnung

Wie Pakleppa sagte, sind die Neubaupreise für Wohngebäude im Mai um fünf Prozent gestiegen. "Material, Energie und Finanzierung verteuern sich gleichzeitig, für viele Bauherren trägt die Kalkulation am Ende nicht mehr." Der Verband verwies darauf, dass allein 2025 über 35.000 Baugenehmigungen erloschen seien – so viele wie seit über 20 Jahren nicht.

Pakleppa: Politik muss raus aus dem Ankündigungsmodus

Nach Einschätzung Pakleppas muss die Politik raus aus dem "lähmenden Ankündigungsmodus" und endlich in die "Umsetzung" kommen. Dies gelte insbesondere für den Gebäudetyp E, der ein wichtiger Hebel sei, um die Baukosten zu senken. Zudem müsse die Förderung verbessert werden, etwa beim EH-55-Programm. Auch brauche der Markt schnell Klarheit über die Höhe und die Konditionen für die Neuordnung der KfW-Förderung im nächsten Jahr. Und nicht zuletzt müsse die Sonder-AfA an den EH-55-Standard gekoppelt werden.