Viraler Hit Wie drei Studenten das Leberkäsweckle automatisieren

Vollautomatisch zum Leberkäsweckle: Drei Konstanzer Studenten bauen eine Maschine, die elf Millionen Menschen begeistert – und im Netz eine hitzige Debatte auslöst. In einer Metzgerei wird sie trotz des Hypes aber kaum landen.

Entwicklung der Leberkäsweckle-Maschine: Aus dem Entwurf entstand ein funktionierender Prototyp mit Brötchenturm, Schneidestation und Förderband. - © Hochschule Konstanz (HTWG) / DHZ

Die Idee entstand bei einem Bier in der Strandbar: "Wir wollten irgendwas Exotisches machen." Mehr als ein Jahr später haben Fabian Wockenfuß, Thomas Anton und André Löffler von der Hochschule Konstanz (HTWG) eine Maschine gebaut, die vollautomatisch Leberkäswecken produziert. Was als Projektarbeit begann, haben inzwischen rund elf Millionen Menschen auf Instagram gesehen.

Der Professor warnte – die Studenten machten weiter

In ihrem Maschinenbau-Studium mussten die drei eine Projektarbeit mit praktischem Bezug abliefern. Statt einer Standardaufgabe wählten sie die Leberkäsweckle-Maschine. Der Professor warnte, sie sollten sich nicht übernehmen. Die Antwort der Studenten: "Kein Problem, das kriegen wir hin."

Ketchup oder Senf? Die Streitfrage des Internets

Während die Studenten technisch ins Schwitzen kamen, erhitzte im Netz vor allem eine ganz andere Frage die Gemüter: Was kommt aufs Weckle? "Ketchup auf dem Leberkäsbrötchen ist ein absolutes No-Go", schimpfte ein Nutzer in den Kommentaren. Andere monierten die ihrer Meinung nach zu dünne Leberkäs-Scheibe im Video.

Dass die Soßenfrage zum Reizthema wird, damit hatten die Erfinder nicht gerechnet. "Für uns war das einfach Geschmackssache", sagt Wockenfuß. Die Maschine bietet beides – Ketchup und Senf. Bei der Vorstellung an der Hochschule habe niemand der rund 40 Gäste die Auswahl hinterfragt. Auch regionale Vorlieben spielen eine Rolle: In Bayern wurde der süße Senf reklamiert, in Baden-Württemberg gilt der mittelscharfe als gesetzt. Und die Dicke der Scheibe? Sie lässt sich einstellen – von hauchdünn bis ordentlich dick.

So funktioniert die Leberkäsweckle-Maschine

Herzstück ist ein rund 50 Zentimeter langes Förderband. An dessen Anfang steht ein Turm mit sechs bis sieben Brötchen. Die Maschine schiebt eines heraus und durch ein Schneidemesser. Die obere Hälfte bleibt auf einer Warteposition liegen, die untere fällt aufs Band und fährt zur Schneidestation. Dort kommt eine Scheibe Leberkäse aufs Brötchen, gefolgt von einem Klecks Ketchup oder Senf. Anschließend holt das Band die obere Hälfte ab und transportiert das fertige Weckle zur Entladestation. Pro Minute schafft der Prototyp rund zwei Stück.

Elektrische Küchenmesser statt Bandsäge

Erfinder trifft Redaktion: Maschinenbaustudent Fabian Wockenfuß (links) spricht mit DHZ-Redakteur Max Frehner (Mitte) und Handwerker-Radio-Moderator Max Herrmannsdörfer.

Eine der Herausforderungen war die Wahl des Schneidewerkzeugs. Erst überlegten die Studenten, eine Kreis- oder Bandsäge einzusetzen. Weil das Budget begrenzt war, griffen sie schließlich zu einer pragmatischen Lösung: umgebaute elektrische Küchenmesser. "Die haben wir uns gekauft und für unsere Zwecke angepasst", erklärt Wockenfuß.

10.000 Euro und 18 Kilo Leberkäse

An Materialkosten kamen rund 10.000 Euro zusammen. Besonders teuer waren Steuerung und Sensortechnik, etwa die Lichtschranken. Bezahlen mussten die Studenten das Projekt nicht aus eigener Tasche: Geld kam von der Hochschule, dazu unterstützten die Arbeitgeber der drei Werkstudenten sowie weitere Firmen, die einzelne Bauteile sponserten. "Studenten werden da echt gut unterstützt", sagt Wockenfuß.

Ein Vorbild gab es nicht. Lediglich eine an der Hochschule früher entstandene Currywurst-Maschine lieferte die Inspiration – der Aufbau ist komplett neu. In der Testphase verarbeiteten die drei rund 18 Kilo Leberkäse. Weggeworfen wurde nichts: Zum Feierabendbier kamen regelmäßig Freunde vorbei und halfen beim Aufessen. "Das nächste Jahr brauche ich keinen Leberkäse mehr", sagt Wockenfuß und lacht.

Mit dem viralen Erfolg hatte niemand gerechnet. Ursprünglich gab es ein mehrminütiges Video auf dem Instagram-Kanal der Fakultät Maschinenbau. Die Stabstelle Kommunikation schnitt daraus eine nur elf Sekunden lange Sequenz – und die ging durch die Decke.

Kein Einsatz in der Metzgerei geplant

Anfragen aus dem Fleischerhandwerk gab es bislang keine. Inzwischen haben sich zwar mehrere Privatpersonen und Unternehmen für die Maschine interessiert, doch aus Zeitgründen lehnten die Studenten ab. Auch für Metzgereien sieht Wockenfuß wenig Potenzial: "Die Kosten und die Instandhaltung sind hoch, und man muss sie trotzdem betreuen – Brötchen und Leberkäse nachlegen." Ob ein Metzger seine Leberkäswecken nicht ohnehin schneller von Hand schneide, sei fraglich. Eher eigne sich die Maschine als Hingucker auf Events. Sollte sich doch eine Metzgerei melden, seien die Studenten aber gesprächsbereit.

Prototyp bleibt an der Hochschule

Mitnehmen dürfen die Erfinder ihren Prototyp nicht, da staatliche Gelder im Projekt stecken. Die Maschine bleibt an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz (HTWG) und kann dort weiterentwickelt werden. Aktuell schreiben alle drei ihre Bachelorarbeit; an einer kommerziellen Verwertung arbeiten sie nicht.

Die Note für die Projektarbeit fiel passend zum Erfolg aus: 1,0. Für spätere Bewerbungen sehen sich die drei jedenfalls bestens aufgestellt. Wockenfuß: "Eine bessere Werbung gibt es nicht als elf Millionen Leute."