Duale Ausbildung im Vergleich Deutschland verliert Azubis – Schweiz legt sogar zu

In Deutschland gibt es heute rund ein Fünftel weniger Auszubildende als 2004. In Österreich fällt das Minus halb so stark aus, die Schweiz legt sogar zu. Auch bei der Ausbildungsquote liegen die drei Länder weit auseinander – mit der Schweiz an der Spitze. Was hinter den Unterschieden steckt.

Lernen am Werkstück: Die enge Verbindung von Betrieb und Berufsschule gilt als Stärke der dualen Ausbildung. - © goodluz - stock.adobe.com

Die duale Berufsausbildung steht in Deutschland deutlich stärker unter Druck als in Österreich und der Schweiz. Das geht aus einem aktualisierten Bericht des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor, den das Institut gemeinsam mit dem österreichischen Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw), dem Beratungsunternehmen 3s Research & Consulting sowie dem Schweizerischen Observatorium für die Berufsbildung an der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung erstellt hat.

Rückgang in Deutschland am stärksten

In Deutschland lag die Zahl der Auszubildenden 2024 um 22,1 Prozentpunkte unter dem Wert von 2004. In Österreich fiel der Rückgang nur etwa halb so stark aus. Die Schweiz legte im selben Zeitraum sogar um fünf Prozentpunkte zu.

Auch der Anteil eines Altersjahrgangs, der eine duale Ausbildung startet, hat sich in Deutschland verringert. 2024 lag die Quote bei 52,9 Prozent. In Österreich begannen 33,6 Prozent eines Jahrgangs eine duale Lehre, in der Schweiz sogar 75,6 Prozent.

Demografie und Bildungssystem bestimmen das Bild

Ein Grund für die Unterschiede liegt in der Demografie. Die Zahl der 15-Jährigen ging in Deutschland seit 2004 um 19,4 Prozentpunkte zurück, in Österreich um 9,8 Prozentpunkte. In der Schweiz stieg sie dagegen um 3,6 Prozentpunkte.

Hinzu kommen Unterschiede in den Bildungssystemen: In Deutschland landen viele Jugendliche ohne Lehrstelle zunächst im sogenannten Übergangssystem – also in Maßnahmen, die auf eine Ausbildung vorbereiten sollen. Österreich setzt stärker auf rein schulische Berufsbildung. Die Schweiz schafft besonders reibungslose Übergänge von der Schule in die Lehre.

Frauenanteil sinkt in Deutschland

Beim Frauenanteil zeigen sich ebenfalls Unterschiede. In Deutschland fiel der Anteil der Frauen unter den Ausbildungsanfängerinnen und -anfängern zwischen 2004 und 2024 um 5,3 Prozentpunkte auf 34,8 Prozent. In Österreich lag er 2024 bei 32,5 Prozent, in der Schweiz bei 41,3 Prozent – in beiden Ländern blieb der Wert weitgehend stabil.

Der höhere Frauenanteil in der Schweiz ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Sozial- und Gesundheitsberufe dort stärker in das duale Ausbildungssystem integriert sind. In Deutschland erfolgt die Ausbildung in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und Soziales überwiegend außerhalb des dualen Systems.

Mehr ausländische Auszubildende in allen drei Ländern

Deutlich gestiegen ist überall der Anteil ausländischer Auszubildender. In Deutschland erhöhte er sich zwischen 2010 und 2024 um 7,3 Prozentpunkte auf 12,4 Prozent. Österreich verzeichnet ein Plus von neun Prozentpunkten auf 16,2 Prozent, die Schweiz von 8,4 Prozentpunkten auf 24,8 Prozent. Aus Sicht der Autoren hilft diese Entwicklung, Fachkräftelücken zu schließen und junge Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit zu integrieren.

Zweiter Bericht im Vergleich der drei Länder

Der aktuelle Bericht ergänzt eine erste Veröffentlichung aus dem Jahr 2024. Ziel des Forschungsprojekts ist es, die duale Berufsbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz regelmäßig und auf Basis vergleichbarer Daten zu beobachten. Schwierig macht das nach Angaben des BIBB, dass Begrifflichkeiten, Definitionen, Klassifikationen und Messmethoden zwischen den Ländern variieren. Die Zahlen seien deshalb immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Bildungssystem und der Bevölkerungsentwicklung zu lesen. fre