Frauen gewinnen und halten Warum Frauen das Handwerk verlassen – und wie Betriebe gegensteuern

Zahlreiche Initiativen werben um Frauen für das Handwerk – doch nur knapp jeder fünfte Ausbildungsvertrag ging 2025 an sie. Wer den Schritt wagt, verlässt den Beruf überdurchschnittlich häufig wieder. Was Betriebe konkret ändern können, um das zu verhindern.

Friseurin onduliert die Haare einer blonden Frau
Nach wie vor wählen junge Frauen am häufigsten den Ausbildungsberuf Friseurin, Männer bevorzugen den Kraftfahrzeugmechanikerberuf. - © hedgehog94 - stock.adobe.com

Die Hälfte der Menschheit sind Frauen, doch beim Handwerk kommt davon nur ein Rinnsal an. Schon den Weg einer dualen Ausbildung wählen nur 36 Prozent der Frauen, Tendenz sinkend. Im Handwerk gehen gerade einmal 19,2 Prozent der Ausbildungsverträge 2025 auf Frauen zurück und das in ausgesuchten Bereichen: Gesundheitshandwerke, persönliche Dienstleistungen wie Friseurgewerbe sowie Lebensmittelhandwerke vereinen die meisten Frauen im Handwerk (siehe Grafik).

In gewerblich-technischen Handwerksberufen bleiben Frauen rar, zeigen Auswertungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bibb). Das schränkt nicht nur die persönlichen und finanziellen Entwicklungsmöglichkeiten der Frauen ein, es verkleinert auch den Pool potenzieller Nachwuchskräfte für Betriebe.

Berufe nicht auf dem Schirm

Die Erfahrungswelt Jugendlicher prägt deren Berufswünsche. "Aus Berufsorientierungsveranstaltungen in Schulen wissen wir, dass junge Frauen diese Berufe oft gar nicht auf dem Schirm haben", beobachtet Maren Cornils vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).

Zahllose Programme versuchen, die Jugend mit einer breiten Auswahl an Berufen bekannt zu machen. Zusätzlich zu Girls’Days, der Initiative "Klischeefrei" oder dem kompetenzz-Netzwerk sind das auch gewerkespezifische Initiativen wie vom ZVEH. Der setzt mit den "E-Fluencerinnen" auf Rollenvorbilder und hat jetzt gemeinsam mit der gesamten Elektrobranche die Initiative "ElektroHeldinnen" gestartet. Ziel ist, Frauen in der Branche sichtbarer zu machen.

Grafik gendertypisches Berufswahlverhalten nach Männern und Frauen im Handwerk
Trotz zahlreicher Initiativen wählen Männer und Frauen nach wie vor Berufe, die Geschlechterklischees entsprechen. - © Grafik: Holzmann Medien, Quelle: Bibb

Neben Unwissenheit hält vor allem das gesellschaftliche Umfeld junge Frauen von vielen Berufen ab. Spaß, Arbeitszeit, Gehalt und Aufstiegschancen sind oberflächlich entscheidend in der Berufswahl. Doch wenn die Jugendlichen kritische Reaktionen vermuten, weil der Beruf nicht geschlechtstypisch oder sozial anerkannt ist, schreckt sie das ab, selbst wenn sie ansonsten stark interessiert wären. Schon unbedachte Reaktionen der Lehrer im Rahmen der Berufsorientierung können das bewirken. Bis zum Ende der Schulzeit, so eine Studie des Bibb, spielen Geschlechts- und Prestigezuschreibungen sowie vermutete Reaktionen des Umfelds die zentrale Rolle bei der Berufswahl – und nicht inhaltliche Aspekte.

Chancen auf Partner sinken abhängig von der Berufswahl

Dass die Befürchtungen der Jugendlichen vor sozialer Ausgrenzung nicht unbegründet sind, zeigen Untersuchungen von Lena Hipp, Professorin an der Universität Potsdam und Sozialwissenschaftlerin im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Auf Dating-Plattformen haben demnach Frauen in männerdominierten Berufen und Männer in frauendominierten Berufen eine geringere Wahrscheinlichkeit für eine Partnerschaft.

Wer dennoch den Mut aufbringt, eine Ausbildung in einem geschlechtsuntypischen Bereich zu machen, verlässt diesen laut Statistik überdurchschnittlich häufig wieder. Das betrifft Auszubildende wie auch bereits ausgelernte Kräfte. Häufigster Grund ist, dass die Betroffenen Familie und Beruf mangels Teilzeitangebot nicht vereinbaren können, so eine weitere Studie des Bibb. Auch diskriminierende Erfahrungen vertreiben sie aus Männerdomänen, angefangen bei fehlenden Toiletten und Umkleiden auf der Baustelle bis hin zu herabwürdigenden Kommentaren.

Was nötig ist, um Frauen in Männerberufen halten

Wenn das Ziel ist, mehr Frauen dauerhaft zu gewinnen, dann genügt der bisherige politische und berufsberatende Schwerpunkt nicht, so die Autorinnen der Studie "Geschlechtsuntypische Berufsausbildungen im Erwerbsverlauf". Nicht nur der Zugang zum Beruf muss erleichtert werden, es brauche auch Maßnahmen, um Frauen im Beruf zu halten. Das können Betriebe selber beitragen:

  • Infrastruktur: frauengerechte Sanitär-/Umkleideräume auch auf Baustellen und Montage
  • Arbeitszeit: Teilzeitangebote oder flexible Schichtmodelle, wo möglich, mobiles Arbeiten
  • Elternzeit: strukturierte Übergabe- und Wiedereinstiegsprozesse für Eltern entwickeln
  • Diskriminierung: klare Regeln gegen sexistische Sprache und Handlungen einführen, alle Beteiligten sensibilisieren
  • Aufgabenverteilung: Aufgaben nach Eignung und nicht nach Geschlecht vergeben
  • Karriere: Entwicklungsmöglichkeiten für alle bieten, auch in Teilzeit