Rollenbilder bremsen aus Das Handwerk braucht mehr Frauen – Quoten steigen langsam

Die Zahl der Meisterinnen steigt, auch im Hoch- und Tiefbau. Trotzdem stellen Frauen nur 16 Prozent der Meisterabsolventen, führen nur jeden vierten Betrieb und schließen nicht einmal jeden fünften neuen Ausbildungsvertrag ab. Woran das liegt – und was sich in Schule, Betrieb und bei der Vereinbarkeit ändern muss.

Elektronikerin für Energie- und Gebäudetechnik
Im Elektrohandwerk fangen immer mehr junge Frauen eine Ausbildung an. Dennoch ist die absolute Frauenquote im Gewerk sehr niedrig. - © ArGe Medien im ZVEH

In Deutschland gibt es immer mehr Meisterinnen. Vor allem in Engpassberufen wie der Orthopädietechnik nimmt ihre Zahl zu. Aber auch im Hoch- und Tiefbau hat sich der Anteil der Meisterinnen zwischen 2013 und 2024 mehr als verdoppelt, zeigen Auswertungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

Solch positive Entwicklungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass absolut gesehen im Handwerk laut Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks nur knapp 16 Prozent der Meisterprüfungen von Frauen absolviert werden. Nur jeden vierten Betrieb führt eine Frau, nur ein Drittel der Beschäftigten ist weiblich und nur 19,2 Prozent der neuen Ausbildungsverträge 2025 wurden mit Frauen geschlossen.

Rollenklischees im Berufswahlverhalten

Dieses Ungleichgewicht hat mit dem Berufswahlverhalten zu tun. Frauen entscheiden sich seltener für eine duale Ausbildung als Männer und sie interessieren sich vorwiegend für kreative oder Gesundheitshandwerke, beispielsweise Maßschneiderin, Zahntechnikerin oder Friseurin.

Schon früheste Kindheitsprägungen wirken sich hier aus, ist Barbara Schwarze, Professorin für Gender- und Diversity-Studies, überzeugt. "Kinder werden von klein an sozial stark beeinflusst, welche Verhaltensweisen als geschlechtsuntypisch und damit weniger erwünscht gelten."

Initiativen gegen Genderklischees

Zahlreiche Initiativen versuchen, dieses Rollenverhalten abzubauen. "Wir brauchen Männer und Frauen im Handwerk. Wir brauchen jeden einzelnen", betont Katja Maier, Zimmerermeisterin und Präsidentin der Handwerkskammer Ulm. Gewerblich-technische Berufe werben um junge Frauen und die Quoten steigen – aber nur sehr langsam. So steigerte das Elektrohandwerk die Zahl der mit Frauen abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2025 um 4,6 Prozentpunkte. Dennoch liegt die Frauenquote im Gewerk nur bei 3,2 Prozent. "Es gibt ein grundsätzliches Umdenken, aber das muss auf allen Ebenen stattfinden", fordert Maier. Schon in der Schule müssten Hürden abgebaut werden.

Wenn über die Ausbildung keine Frauen nachkommen, fehlen sie später auch auf Meister- und Funktionärsebene.

Susanne Haus, Malermeisterin und Restauratorin,
Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main

Frauen wichtig in der Betriebsnachfolge

Denn das Handwerk braucht mehr Frauen. 125.000 Betriebe suchen einen Nachfolger, Töchter übernehmen immer häufiger auch in "untypischen" Gewerken. "Es ist wichtig, dass Frauen sich das zutrauen und sich nicht verunsichern lassen", sagt Susanne Haus, Maler- und Lackierermeisterin und Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main.

Allerdings müssten dafür auch entsprechende Strukturen geschaffen werden. Es sei oft eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen, so Haus. Die Doppelbelastung durch Arbeit und Familie ist der Hauptgrund für die hohe Teilzeitquote von berufstätigen Frauen. Geschäftsführerinnen im Handwerk bezeichnen diesen Spagat als ihre größte Herausforderung überhaupt.