Musk im Depot Gefährdet SpaceX die Altersvorsorge? Das sollten ETF-Sparer wissen

Mit einer billionenschwer bewerteten Zukunftswette geht ein Unternehmen von Elon Musk an die Börse und wird sich bald in vielen Anlegerdepots befinden. Aber was passiert, wenn sich die Hoffnungen nicht erfüllen? Wer sein Portfolio breit aufgestellt hat, muss keine Panik haben, aber sollte eventuell genau hinsehen und nachjustieren.

Mit 1,8 Billionen Dollar Bewertung trotz 4,9 Milliarden Dollar Jahresverlust ist SpaceX nach dem Börsengang sofort einer der wertvollsten Konzerne der Welt – und landet automatisch in vielen Standard-ETFs auf MSCI World, FTSE All-World oder NASDAQ 100. - © Ogulcan Aksoy - stock.adobe.com

Würden Sie für Ihre Rente in ein Unternehmen investieren, dass Milliardenverluste macht, aber angeblich dank wagen Zukunftshoffnungen ähnlich viel wert sein soll wie alle DAX-Mitglieder zusammen? Sagen Sie besser niemals nie, denn eventuell haben Sie schon Aktien von genau so einem Unternehmen in Ihrem ETF-Depot: SpaceX. "Das Börsendebüt von SpaceX liegt im Grenzbereich zwischen Raumfahrt, Satelliteninternet und Tech-Euphorie", erklärt Petra Ahrens, Vorständin und Inhaberin der MAIESTAS Vermögensmanagement AG aus Köln. "Mit einer Bewertung von 1,8 Billionen US-Dollar und einem Nettoverlust im vergangenen Jahr von 4,9 Milliarden US-Dollar kauft man keine realistischen Zahlen, sondern wettet vor allem auf die Vision von Elon Musk, aus Starlink, Starship und möglicherweise KI eine Plattform für das nächste große Infrastruktur-Ökosystem im All zu bauen.“

Automatisch Hypewert im Depot

Auch die ersten Kurse sorgten für kein Abflauen der Euphorie. Ganz im Gegenteil, SpaceX übersprang locker die Marke von zwei Billionen Dollar. An so einem großen Börsenwert kommen logischerweise auch viele börsengehandelten Indexfonds (ETFs) nicht vorbei, die US-Werte enthalten. Denn die zugrundeliegenden Börsenbarometer werden oft nach Marktkapitalisierung zusammengestellt. Also vereinfacht gesagt finden sich auch im deutschen Leitindex DAX einfach die 40 Unternehmen, deren Kurswert mal Aktienanzahl am größten ist. Bildet ein ETF sowas nach, kauft er also diese Werte, in der Regel entsprechend gewichtet.

So werden nach und nach viele Anleger mehr oder weniger direkt auch Anteile der nächsten großen Elon Musk-Zukunftswette im Depot haben. Denn SpaceX kam auf Anhieb in die Liste der wertvollsten Unternehmen der Welt. Damit ist die Aufnahme in ETF-Klassiker, die zum Beispiel auf dem MSCI World oder FTSE All-World basieren, entweder schon erfolgt oder nur noch eine Frage der Zeit. In Amerika sorgte vor allem die Gewichtung im NASDAQ 100 für Diskussionen, denn ETFs auf die großen US-Techwerte finden sich in vielen Pensionsdepots. Durch erst kürzlich beschlossene Regelungen wird die Aufnahme in diesen Index schon nach wenigen Tagen vollzogen und die Gewichtung wird im Verhältnis zu den frei handelbaren Aktien relativ hoch sein. Aber ist das wirklich ein großes Problem?

Megabörsengang erst der Anfang

Kurz gesagt, es gibt keinen Grund zur Panik: "Die Gewichtung von SpaceX wird unter dem Strich erstmal in den meisten Fällen relativ gering sein", erklärt Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung AG aus Nürnberg. Selbst im NASDAQ 100 wird SpaceX anfangs nur im Bereich um ein Prozent die Wertentwicklung bestimmen. Im MSCI World und FTSE All-World liegt die Bedeutung sogar nur im Promillebereich. Andererseits stehen in nächster Zeit wohl noch mehr Börsengänge mit großen Vorschusslorbeer-Bewertungen an, wie etwa von den KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic. "Ich bin mir sicher, dass derartige gehypte Bewertungen, hohe Investitionen und auch damit verbundene hohe Schulden uns irgendwann um die Ohren fliegen werden", warnt MAIESTAS-Börsenexpertin Petra Ahrens. Trotzdem sei das für den typischen ETF-Anleger auf lange Sicht kein grundsätzliches Problem. Wer regelmäßig spart, müsse sich um Korrekturen und Crashs eher keine Sorgen machen: "Langfristig betrachtet wird sich das auszahlen."

ETF-Zusammensetzung prüfen

Ältere Semester fühlen sich aber wahrscheinlich an die Stimmung am Ende des letzten Jahrtausends erinnert, bevor im März 2000 die Dotcom-Blase platzte. Hier reichten oft – zumindest in der Rückschau – krude Zukunftshoffnungen, um hohe Börsenbewertungen zu rechtfertigen. Und ohne Frage gilt auch heute, dass Einzelinvestments in so enorm gehypte Unternehmen wie SpaceX mit hohen Schwankungsrisiken versehen sein können. Das heißt nicht, dass es sinnvoll wäre, Megatrends und Zukunftsvision gar nicht zu berücksichtigen. "Bisher wurde die Kursentwicklung gerade bei den großen US-Techwerten auch von einer dazu passenden Gewinnentwicklung getragen", erklärt KSW-Expertin Stefanie Dyballa, "die Bewertungen sind zwar hoch, aber haben durchaus eine fundamentale Basis." Das spricht gegen die Analogie mit der Dotcom-Blase.

Trotzdem könnte es sehr empfehlenswert sein, breit diversifiziert vorzugehen. "Die Zukunft gehört der Technologie und der KI, auch der Raumfahrt, der Rüstung und der Energiegewinnung", meint MAIESTAS-Anlagefachfrau Petra Ahrens. "Vergessen wir aber bitte nicht, was wir auch sonst noch zum Leben benötigen: Essen, Trinken, Hygiene, etc." In einem wirklich breit aufgestellten Portfolio sollten vielleicht gerade diese momentan fast langweilig erscheinenden Aktienwerte einen Platz haben. Denn sie könnten Stabilität bieten, wenn dann doch mal die eine oder andere Zukunftstraumblase platzen sollte. Das kann mit ETFs gelöst werden, aber Anleger sollten genau hinschauen, was sie sich ins Depot holen. Denn gar nicht so selten ist auch hier die Tech-Branche überrepräsentiert oder der Fokus liegt auf dem US-Aktienmarkt. Um Klumpenrisiken zu vermeiden, könnte es für viele sinnvoll sein, sich bewusst breiter aufzustellen. Das gilt nicht erst seit dem SpaceX-Börsengang, aber er ist vielleicht eine gute Erinnerung, dass es nötig sein könnte.

Laien- vs. Profi-ETF-Vergleich

Bei der Auswahl von ETFs achten Profis auf deutlich mehr Faktoren. Während der Normalanleger eher die Kostenquote oder allgemeine Beliebtheit recherchiert, analysieren die Fachleute den Abstand zur tatsächlichen Entwicklung des Index und wie die Abbildung technisch und kosteneffizient umgesetzt wird. Wichtig ist zudem die Gesamtzusammensetzung. So muss sich zum Beispiel ein weltweit anlegender ETF auf den MSCI World richtig ins Gesamtportfolio einfügen. Denn wer genauer hinsieht, wird feststellen, dass zehn technologielastige Aktien den Wert zu rund einem Viertel dominieren, obwohl insgesamt rund 1400 Titel enthalten sind. Auch der US-Anteil von rund 70 Prozent passt nicht zu jeder Strategie.

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Quelle: Portfolio Concept Management GmbH