Kolumne Die glaubwürdigsten Botschafter stehen in der Werkstatt

Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erklärt in Teil 1 ihrer Miniserie, warum Handwerksbetriebe ihre stärksten Botschafter längst haben – und welche Fragen von Bewerbern nur diese Menschen beantworten können.

Smartphone-Stativ filmt Handwerker bei Transporter-Ausbau
Wenn Mitarbeiter zeigen, wie der Arbeitsalltag im Betrieb wirklich aussieht, entsteht das glaubwürdigste Bild einer Arbeitgebermarke. - © photoschmidt - stock.adobe.com

Der stärkste Influencer in einem Handwerksbetrieb hat selten viele Follower. Er steht meist in der Werkstatt. Es ist der Geselle, der seit Jahren dort arbeitet. Die Meisterin, die für ihre Ausbildung bekannt ist. Oder der Azubi, der Freunden erzählt, wie sein Alltag im Betrieb aussieht. 

Wenn solche Menschen sichtbar werden, entsteht etwas, das Marketing allein nicht leisten kann: ein glaubwürdiges Bild davon, wie dieser Betrieb wirklich ist. 

In großen Unternehmen nennt man diese Menschen "Corporate Influencer" – also Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die als Botschafter für ihr Unternehmen sichtbar werden.

Warum das Handwerk längst seine Influencer hat

Im Handwerk ist das Prinzip eigentlich nichts Neues. Der Ruf eines Betriebs entsteht seit jeher durch Menschen, die über ihre Arbeit sprechen. Nur hat sich der Ort verändert. Früher war es das Gespräch im Sportverein oder bei der Feuerwehr. Heute kann es zusätzlich ein kurzer Einblick auf der Website sein, ein Beitrag über ein Projekt, ein Gespräch auf einer Schulveranstaltung – und ja, auch Social Media.

Die Arbeitgebermarke entsteht im Inneren

Was dabei entsteht, ist mehr als Öffentlichkeitsarbeit. Die Arbeitgebermarke eines Betriebs existiert bereits im Inneren. In der Art, wie zusammengearbeitet wird, wie ausgebildet wird, wie mit Verantwortung umgegangen wird. Mitarbeiter, die darüber sprechen, machen diese Arbeitgebermarke nach außen sichtbar. Sie geben ihr ein Gesicht und machen erlebbar, wie der Betrieb wirklich arbeitet.

Kathrin Post-Isenberg KPI
Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg führte jahrelang ihren eigenen Handwerksbetrieb. Heute ist sie Speakerin, Host des Podcasts "Nach fest kommt ab" und treibt die Diskussion rund um Arbeitgebermarke, Führung und Fachkräftesicherung im Handwerk voran. - © Markus Zielke

Diese Fragen entscheiden über Bewerbungen

Wer sich für einen Betrieb interessiert, möchte vor allem eines wissen: 

  • Wie arbeiten die Menschen dort miteinander? 
  • Sind sie stolz auf ihre Arbeit? 
  • Werden Azubis ernst genommen? 
  • Bleiben Fachkräfte über viele Jahre? 

Diese Fragen beantworten keine Hochglanzbilder. Sie beantworten Menschen. Genau deshalb wirken Mitarbeiter als Botschafter eines Betriebs so stark – nicht weil sie Reichweite erzeugen, sondern weil sie Einblicke geben.

Warum aus Interesse eine Entscheidung wird

Ein Betrieb, in dem Gesellen, Meisterinnen oder Azubis offen über ihre Arbeit sprechen, sendet ein klares Signal nach außen: Hier arbeiten Menschen, die hinter ihrem Beruf und ihrem Betrieb stehen. Für Bewerberinnen und Bewerber ist das oft der Moment, in dem aus Interesse eine Entscheidung wird. 

Fazit 

Eine Arbeitgebermarke entsteht nicht allein dadurch, dass Menschen darüber sprechen. Sie entsteht durch Kultur, Führung, Zusammenarbeit und Haltung im Betrieb. Mitarbeiter machen sie nach außen sichtbar.

Man könnte auch sagen: Der glaubwürdigste Influencer eines Handwerksbetriebs arbeitet meist schon dort. Corporate Influencer müssen im Handwerk selten erst aufgebaut werden – sie sind bereits da. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob es sie gibt, sondern wie man ihnen Raum schafft, sichtbar zu werden. Genau darum geht es im nächsten Teil dieser zweiteiligen Miniserie. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.