Wachstumsprognose halbiert Irankrieg bremst Konjunktur – Handwerk warnt vor Reformstau

Statt 1,0 Prozent erwartet die Bundesregierung für 2026 nur noch 0,5 Prozent Wachstum, die Inflation klettert auf 2,7 Prozent. Handwerkspräsident Dittrich sieht im Krieg nur den Auslöser – die eigentlichen Schwächen lägen tiefer.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Handwerkspräsident Jörg Dittrich bei der Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse im März. - © picture alliance/dpa | Malin Wunderlich

Die Bundesregierung erwartet wegen der Folgen des Irankrieges für 2026 und 2027 ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum. "Die für dieses Jahr erwartete wirtschaftliche Erholung wird einmal mehr durch externe geopolitische Schocks ausgebremst", sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Erwartet werde nun ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,5 Prozent. Zu Jahresbeginn war die Regierung noch von 1,0 Prozent ausgegangen. Der Krieg im Iran treibe die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe. Das belaste die privaten Haushalte und erhöhe die Kosten für die Wirtschaft, sagte Reiche.

Prognosen hängen stark vom Kriegsverlauf ab

Und weiter heißt es im Bundeswirtschaftsministerium: "Unter der Annahme einer baldigen Beruhigung des Konflikts sollten sich die Belastungen im späteren Jahresverlauf jedoch schrittweise verringern, so dass die fiskalischen Impulse spürbar werden." Gedacht ist an die staatlich finanzierten Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Die Exporte dürften 2026 stagnieren und erst 2027 um 1,3 Prozent wachsen. Grund dafür ist neben geopolitischen Krisen und Zollkonflikten auch eine abnehmende internationale Wettbewerbsfähigkeit. Für 2027 rechnet das Ministerium mit einem Wachstum von 0,9 Prozent, zu Jahresanfang waren es 1,3 Prozent.

Hohe Energiepreise treiben die Inflation

Die Inflation wird den Prognosen zufolge 2026 wegen hoher Energiepreise, die sich im weiteren Verlauf auch auf die Lebensmittelpreise auswirken, auf 2,7 Prozent steigen. Vor vier Monaten erwartete die Regierung noch 2,1 Prozent. Für 2027 rechnet sie mit einer Inflation von 2,8 (Jahresbeginn: 2,0) Prozent. Privaten Haushalten steht damit weniger Geld zur Verfügung. Die Frühjahrsprojektion dient als Grundlage für die Haushaltsplanung von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen.

Handwerk kritisiert fehlende Reformen scharf

Nach Ansicht von Handwerkspräsident Jörg Dittrich darf die Nahost-Krise nicht über die grundlegenden Probleme der deutschen Wirtschaft hinwegtäuschen. "Der Irankrieg mag vordergründig die schwächere Wachstumsprognose erklären, doch tatsächlich legt er vor allem die strukturellen Schwächen offen, die Deutschland im internationalen Wettbewerb anfällig machen", sagte er. Der nach wie vor bestehende Reformstau gefährde Deutschlands Mittelstand und Handwerk massiv.

Dittrich: Regierung schwächt Mittelstand und Handwerk

Die Regierung habe zwar einige wichtige Impulse gesetzt, etwa bessere Abschreibungsbedingungen für Investitionen; gleichzeitig schwächten jedoch zahlreiche getroffene und geplante Entscheidungen Mittelstand und Handwerk. Dazu zählten nicht nur der Industriestrompreis und eine Steuerreform für Unternehmen, die an Personenunternehmen bisher vorbeigehe, sondern auch die sogenannte Entlastungsprämie, die den Unternehmen keine Entlastung bringe, sondern den Belastungsdruck erhöhe.

Ministerin verweist auf Entlastungspakete

Reiche betonte, dass die Bundesregierung mit dem Kraftstoffmaßnahmenpaket und dem Energie-Sofortprogramm schnell und entschlossen reagiert habe, um Bürger und Unternehmen zu entlasten. Dies seien aber nur kurzfristige Hilfen und lösten nicht die strukturellen Ursachen der deutschen Wachstumsschwäche, räumte sie ein. "Für eine wieder wachsende und wettbewerbsfähige Wirtschaft brauchen wir zusätzlich tiefgreifende Strukturreformen", betonte sie. "Wir müssen das Zeitfenster bis zur Sommerpause nutzen, um eben jene dicken Bretter zu bohren, die notwendig sind, damit wir wieder auf einen soliden Wachstumspfad kommen."