Trotz schwächelnder Konjunktur bleibt der Fachkräftebedarf in vielen Betrieben hoch. Drei Handwerker berichten, wie sich ihre Lehrlinge aus Indien, Tadschikistan, Ecuador und Pakistan bewähren. Ein Metallbaumeister rechnet mit deutlich höheren Bleibequoten als bei deutschen Azubis – ein Bäckerei-Prokurist nennt die Visavergabe einen "absoluten Albtraum".

Die schwächelnde Wirtschaft hinterlässt Spuren am Arbeitsmarkt. Die Bundesagentur für Arbeit registriert, dass sich junge Leute wieder vermehrt für eine Ausbildung bewerben, Handwerksbetriebe berichten von mehr Bewerbern. Gleichzeitig werden weniger Ausbildungsstellen angeboten.
Der Fachkräftemangel nimmt laut Ifo-Institut ab, ist aber weiterhin ein Thema. Viele Handwerker suchen weiter dringend Nachwuchs, einige setzen auf die Ausbildung von Azubis aus dem Ausland. Welche Erfahrungen sie damit gemacht haben und wie heute ihre Lage ist:
>> Hier geht es zum früheren DHZ-Bericht über die Azubis aus dem Ausland
1. Indien und Tadschikistan
Dieter Baier ist 2023 über eine Initiative der Handwerkskammer Freiburg zu seinen ausländischen Azubis gekommen. Der Metallbaumeister aus Renchen-Ulm hatte zunächst zwei indische Azubis eingestellt, inzwischen lernen in dem auf architektonischen Sonnenschutz spezialisierten Handwerksbetrieb drei weitere junge Männer aus Indien und Tadschikistan.
"Die beiden aus dem ersten Jahrgang machen sich sehr gut in ihrer Ausbildung zum Mechatroniker", ist Baier zufrieden. Die drei anderen machen eine Ausbildung zum Metallbauer. Einem von ihnen falle es schwerer als den anderen, Deutsch zu lernen, zwischendurch habe es an Arbeitsdisziplin gemangelt. "
Außerdem brauchte es etwas, bis sie verstanden haben, dass 1.000 Euro in Deutschland nicht viel Geld sind", zählt Baier Anlaufschwierigkeiten auf. Dennoch hält er den Weg für lohnenswert. "Bei deutschen Lehrlingen bleiben vielleicht zwei von zehn im Betrieb, bei den ausländischen Azubis gehe ich von 30 bis 40 Prozent aus. Da zahlt sich die Ausbildungsbemühung schon aus."
Für das kommende Lehrjahr allerdings holt er keine weiteren Drittstaatler nach. Erst will er sehen, wie sich die Konjunktur entwickelt. "Und am freien Markt gibt es keine Wohnungen mehr, das müssen wir erst einmal organisieren."
2. Nachwuchskräfte aus Ecuador
Siegfried Janner hat seinen ersten beiden Azubis aus Ecuador 2025 weitere vier nachkommen lassen. Das größte Hindernis auch für ihn ist die Wohnungssuche für die Azubis aus der Ferne, der Grund, weswegen er dieses Jahr keine weiteren nachholt. Außerdem habe er für das kommende Lehrjahr endlich mal wieder einen "einheimischen" Azubi bekommen.
Grundsätzlich ist Aufwand, den er, sein Team und seine Familie für die ecuadorianischen Azubis betreiben, größer als für Deutsche. Janner unterstützt sie mit Sprachkursen, ergänzendem Unterricht über das Kolpingwerk, er zahlt ihnen den Führerschein, "und wir sind hier ihre erweiterte Familie, denn sie sind sehr familienorientiert."
Es dauere zwar länger als bei Deutschen, bis die Jugendlichen sich zutrauen, eigenständig zu arbeiten. "Aber wir haben im Handwerk ja oft genug gar keine andere Wahl, wir müssen die Arbeit ja schaffen", ist er zufrieden damit, wie sich die Ausbildung der Ecuardorianer entwickelt.
3. Ärger um Visavergabe für Pakistaner
Während Baier und Janner ihre ausländischen Azubis über die Handwerkskammer beziehungsweise über die Agentur für Arbeit vermittelt bekommen haben und dadurch viel Unterstützung haben, hat Christian Pohs aus Gerolstein selbst die Initiative ergriffen und mit einem privaten Vermittler gearbeitet.
Von seinen Azubis aus Pakistan ist der Prokurist der Landbäckerei Roden sehr angetan, sie seien zuverlässig, höflich, lernwillig und sehr angenehm im Umgang. "Und ihr Deutsch ist gut und wird von Tag zu Tag besser", freut er sich. Weil aber die jungen Leute keine Wohnungen in der Nähe gefunden haben, müssten sie sehr früh aufstehen, sie brauchen 30 bis 60 Minuten für den Arbeitsweg per Bus; in Bäckereien, wo ohnehin früh gestartet wird, eine echte Hürde.
Und als Pohs im vergangenen Jahr weitere zehn Azubis aus Pakistan holen wollte, stellte die deutsche Botschaft nur zweien von ihnen ein Visum aus. Bei den übrigen monierte sie mangelnde Sprachkenntnisse. "Dabei haben wir in mehreren Teams-Interviews bestätigt, dass die Sprachkenntnisse genügten."
Letztlich blieb den acht Zurückgebliebenen nur der Rechtsweg. Bisher hat eine der Bewerberinnen erfolgreich geklagt und kann nun – ein Jahr später als geplant –, ihre Ausbildung beginnen. Pohs ist ernüchtert: "Wenn sie hier sind, sind sie eine absolut positive Ergänzung. Allerdings ist der Weg, einen steuer- und sozialversicherungspflichten Mitarbeiter nach Deutschland zu bekommen, der absolute Albtraum."