Zahntechnik unter Druck Ausbildungsquote über 30 Prozent – doch die Labore kämpfen

Über 5.100 Azubis, zwei Drittel davon Frauen, spezialisierte Handwerksarbeit. Dennoch geraten Zahntechniker-Betriebe von mehreren Seiten unter Druck: Investorenkonkurrenz, Bürokratie, eine Kürzungsdebatte beim Zahnersatz. VDZI-Präsident Kruchen über die Lage seiner Branche – und was sich ändern muss.

Das Modell eines Gebisses vor einem Bildschirm, der ein digitales Gebissmodell zeigt.
In der Zahntechnik trifft traditionelle handwerkliche Arbeit auf hochdigitale Prozesse. - © amh-online

Herr Kruchen, der Verband Deutscher Zahntechniker (VDZI) feierte jüngst auf der Zahntechnik plus in Leipzig sein 70-jähriges Bestehen, mit einem umfassenden Programm zum Thema "Fachkräfte finden, binden und begeistern". Wie steht es um den Nachwuchs in Ihrer Branche?

Dominik Kruchen: Im Zahntechniker-Handwerk absolvieren derzeit über 5.100 junge Menschen eine hochqualifizierte Ausbildung, zwei Drittel davon Frauen. Im Handwerk liegt der zahntechnische Beruf auf Platz 7 in den Top 10 der beliebtesten Berufe bei den weiblichen Auszubildenden. Mit einer Ausbildungsquote von über 30 Prozent bilden die zahntechnischen Meisterlabore im Vergleich zur Gesamtwirtschaft überdurchschnittlich aus.

Das ist ein hohes Ausbildungsengagement, trotzdem bleibt der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen Ihrer Branche. Warum?

Viele Betriebe berichten seit Jahren von Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Zwar bleiben die Ausbildungszahlen stabil, allerdings verlassen einige Fachkräfte den Beruf während oder nach der Ausbildung. Um dem entgegenzuwirken, arbeitet die Branche an besseren Rahmenbedingungen.

Zum Beispiel?

Das Zahntechniker-Handwerk muss für wirtschaftlich auskömmliche Vergütungen kämpfen und für eine Entbürokratisierung bei Dokumentationsanforderungen. Betriebe in Sozialräumen mit hohem Versorgungsanteil an gesetzlich Versicherten brauchen faire Marktchancen für einen rentablen Betrieb.

Der Vorstoß des CDU-Wirtschaftsrates, die Krankenkassenleistungen bei Zahnbehandlung und Zahnersatz zu kürzen, ging aber in eine andere Richtung…

Vor diesem Hintergrund haben wir ausdrücklich die zeitnahe Positionierung von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken begrüßt, die sich deutlich gegen Leistungskürzungen im Bereich Zahnbehandlung und Zahnersatz ausgesprochen hat. Zahnbehandlungen und Zahnersatz sind keine Luxusgüter, sondern elementarer Bestandteil der medizinischen Grundversorgung. Wer diese Leistungen aus der solidarischen Finanzierung herauslöst oder weiter beschneidet, nimmt bewusst in Kauf, dass sich soziale Ungleichheiten im Gesundheitswesen weiter verschärfen.

Dominik Kruchen, Präsident des Verbands Deutscher Zahntechniker (VDZI).
Dominik Kruchen, Präsident des Verbands Deutscher Zahntechniker (VDZI). - © VDZI

Um fairere Wettbewerbsbedingungen kämpfen die Zahntechniker nicht nur mit den Krankenkassen, sondern auch mit investorenbetriebenen medizinischen Versorgungszentren (iZ-MVZ), die selber Zahnersatz herstellen. Was kritisieren Sie hier?

Der VDZI hält das Modell des freiberuflichen Zahnarztes auf der einen Seite und des selbstständigen Zahntechnikermeisters auf der anderen Seite für eine Erfolgskonstellation für eine spezialisierte und innovative Versorgungsqualität. In den iZ-MVZ werden aber die notwendigen Rahmenbedingungen einer persönlichen Anleitung für den Zahnersatz individuell zugeordneter Patienten unterlaufen. Die Herstellung von Zahnersatz wird dort durch einen geschlossenen Wirtschaftskreislauf dem Wettbewerb entzogen. Hier sind gesetzliche Regelungen wichtig, die faire Wettbewerbsbedingungen herstellen.

Die Digitalisierung hat den Beruf massiv verändert, die Ausbildungsverordnung wurde 2022, die Meisterverordnung 2025 novelliert. Wie halten Labore, Berufsschulen und Bildungszentren bei dem Tempo mit?

Die jüngere Generation der Betriebsinhaber ist zumeist digital gut aufgestellt. Bildungseinrichtungen fällt es aufgrund des raschen technologischen Fortschritts schwer, stets auf der Höhe der Zeit zu sein. Für die Berufsschulen stehen zwar grundsätzlich Fördergelder für eine hochwertige und moderne Ausstattung bereit, allerdings nicht immer in ausreichender Höhe und mit einem niedrigschwelligen Zugang. Und die Politik ist gefordert, ausbildungswillige Handwerksbetriebe durch Kostenentlastungen stärker zu fördern, wo immer dies möglich ist. Beispielsweise sollte die Finanzierung der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen durch eine tatsächliche Drittelung der Kosten durch den Bund, das Land und den Ausbildungsbetrieb erfolgen.

Immer mehr Zahntechniker-Betriebsstätten werden an Filialisten verkauft – eine Reaktion auf ausufernde Bürokratie, Nachwuchssorgen und Konkurrenz?

Gerade Kleinbetriebe haben häufiger Schwierigkeiten, überhaupt eine Nachfolge zu finden. Andere Verkaufsinteressenten finden außer bei Filialisten keine weiteren oder ausreichend finanzstarken Bewerber. Es mag sein, dass Zusammenschlüsse mit einer zentralen Hauptverwaltung im Verwaltungsbereich gelegentlich Vorteile gegenüber Einzelbetrieben haben und dass Größe auch Einkaufsvorteile bietet. Wir gehen aber davon aus, dass gut aufgestellte inhabergeführte Betriebe weiterhin gute Marktchancen haben, solange sie ausreichend in die Zukunft investieren.