Exzellenz im Handwerk fördern Tausche Eifel gegen Großstadt – so gelingt Azubiaustausch

Die Elektroinnungen Westeifel und Frankfurt schicken ihre besten Azubis für zwei Wochen in einen Partnerbetrieb. Wie das prämierte Programm funktioniert, was es bei den Azubis bewirkt – und warum andere Innungen den Fahrplan übernehmen können.

Rainer Schmitz und seine Auszubildende Delayne Zimmermann sind sich einig: Der Azubiaustausch motiviert und bringt die Nachwuchskräfte fachlich und menschlich weiter. Foto: Elektroinnung Westeifel
Rainer Schmitz und seine Auszubildende Delayne Zimmermann sind sich einig: Der Azubiaustausch motiviert und bringt die Nachwuchskräfte fachlich und menschlich weiter. - © Elektroinnung Westeifel

Per S-Bahn zur Baustelle? Für Azubis in Frankfurt ist das normal, für Azubis aus der Eifel erstaunlich. Dass es einen riesigen Unterschied macht, ob man in der Stadt oder auf dem Land lernt, haben vier junge Leute im vergangenen Jahr erfahren, nicht nur in Bezug auf die Anfahrt zur Baustelle. "Azubiaustausch" heißt ein mit dem Ausbildungs-Ass prämiertes Format, das die Elektroinnungen Westeifel und Frankfurt am Main seit 2024 praktizieren. Die Idee stammt von Rainer Schmitz, Obermeister der Elektroinnung Westeifel. "Das Elektrohandwerk ist sehr vielfältig, so können Auszubildende ihren Horizont erweitern", erklärt er seine Motivation.

Spitzenförderung im Handwerk

Bei seiner Suche nach einer Partnerinnung für das Projekt rannte Schmitz in Frankfurt offene Türen ein. "Wir möchten guten Azubis, die perspektivisch die Führungskräfte von morgen sind, so viel in der Ausbildung mitgeben, wie wir als Innungen zusätzlich bieten können", erklärt Mirko Krebs, Geschäftsführer der Elektroinnung Frankfurt. Frankfurt und die Westeifel hält er für ideale Partner, weil die eine Innung ländlich geprägt und weitläufig ist, die andere hingegen städtisch und von der Metropole beeinflusst. "So konnten die Azubis Geschäftsfelder kennenlernen, die es in der Stadt gar nicht oder eher seltener gibt und umgekehrt."

Dass zwischen den beiden Regionen gut 200 Kilometer liegen, hält Rainer Schmitz für einen Vorteil. Kein Chef möchte seine besten Auszubildenden durch den Austausch an einen anderen Betrieb verlieren. Auch Schmitz’ eigene Azubine, Delayne Zimmermann, hat vergangenen Sommer am Austauschprogramm teilgenommen. "Ich wollte mehr über Smart Home erfahren, das machen wir hier nur in einer kleinen Sparte", erzählt sie, was sie auf ihrem "Wunschzettel" angekreuzt hatte. In ihrem Austauschbetrieb in Frankfurt habe der Partnerazubi sie vom ersten Tag an mit auf die Baustellen genommen und ihr gezeigt, wie dort mit Smart Home gearbeitet wird. "Es war einfach toll", ist Zimmermann begeistert. Sie habe viel Selbstvertrauen gewonnen, am liebsten würden sie und ihr Partnerazubi den Austausch nach der Gesellenprüfung wiederholen.

Rainer Schmitz freut sich über diesen Effekt. "Die stehen da zwei Wochen lang ihren Mann in einem fremden Betrieb, in fremder Umgebung. Das macht etwas mit ihnen, fachlich und sozial. Sie kommen gestärkt zurück."

"Das macht etwas mit ihnen, fachlich und sozial. Sie kommen gestärkt zurück."

Rainer Schmitz, Elektro- und SHK-Meister

Zwei Wochen lang besucht der eigene Azubi zunächst den Partnerbetrieb, anschließend kommt dessen Azubi in den eigenen Betrieb. Die Azubis sind füreinander Paten, außerdem gibt es ein Freizeitprogramm, das die Innungen auf die Beine stellen. Damit ein solcher Austausch möglich wird, haben sich Haupt- und Ehrenamt beider Seiten mit Berufsschulen, Berufsgenossenschaften und Handwerkskammern abgestimmt und über mehrere Jahre einen "Fahrplan" für den Austausch entwickelt, wie Schmitz es nennt. Den gebe man gerne an andere Innungen weiter, die Ähnliches in ihrer Region aufziehen wollen, ermuntert er Nachahmer.

Logo Azubiaustausch
© Elektroinnungen Frankfurt/Main und Westeifel

Ansporn für bessere Leistung

Das Programm hat mehrere Ziele. Es ist erstens Ansporn für Auszubildende der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, sich für ihre Prüfung anzustrengen. Bei Besuchen in den Berufsschulklassen informieren die Innungen über die Voraussetzungen zur Teilnahme. Nur mit einem guten Ergebnis und nur Volljährige werden ins Programm aufgenommen, vorausgesetzt, ihr Betrieb stimmt zu.

Von diesen Vorgaben weichen die Innungen nicht ab, selbst wenn wie 2025 nur zwei Azubis aus der Westeifel entsendet werden können. "Unser Projekt ist auf Spitzenförderung, nicht auf Breitenförderung ausgelegt. Und wenn sich nur zwei Betriebe in der Westeifel gefunden haben, dann sind dies eben unsere Spitzenbetriebe, die die zusätzliche Belastung des Austausches gerne eingehen, um ihren handwerklichen Nachwuchs zu fördern", betont Mirko Krebs.

Neben ihrer Zeit investieren die teilnehmenden Betriebe rund 800 Euro für die Unterkunft während des Austauschs. Das sei weniger, als eine Woche in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung ihn koste, relativiert Rainer Schmitz: "Und ich bin fest davon überzeugt, dass sie dort fachlich und menschlich mehr mitnehmen."

Außerdem zahlt sich die Spitzenförderung in der Nachwuchswerbung aus. Ein eigenes Logo und ein Zertifikat machen das Engagement der Betriebe sichtbar. Schmitz hat es auf seiner Internetseite ganz vorn eingefügt in einer langen Reihe von Qualitätszertifikaten. "Es ist schon eine besondere Förderung, etwas, was man herzeigen kann in der Konkurrenz um die Guten", ist er überzeugt.