Früher gemobbt, heute Vorbild für Millionen Julia Schäfer: Das Handwerk brachte mein Selbstvertrauen zurück

Auf der Baustelle hat sie gelernt, sich durchzusetzen. Diese Erfahrung half Julia Schäfer, eine Schulzeit voller Mobbing hinter sich zu lassen. Als "Tschulique" ist die Maurermeisterin heute die wohl bekannteste Stimme des Handwerks auf Instagram und Tiktok. Nun spricht sie erstmals offen über die Angriffe von früher und wie die Arbeit ihr half, wieder stark zu werden.

Anpacken statt verstecken: Auf der Baustelle fand Julia Schäfer den Weg aus einer schweren Mobbing-Vergangenheit. Heute ist die 32-Jährige die bekannteste Handwerkerin Deutschlands. - © SWR3/Mona Böhm

Julia Schäfer aus Kraichtal bei Karlsruhe ist im Netz eine Größe. Rund 2,5 Millionen Menschen folgen ihr, wenn sie ihren Arbeitsalltag auf der Baustelle teilt. Doch das heutige Selbstbewusstsein der 32-Jährigen ist hart erarbeitet. Gegenüber SWR3 berichtet Schäfer von einer dunklen Phase in ihrem Leben, bevor sie ihren Platz im Handwerk fand.

Vor den fahrenden Schulbus gestoßen

Der Grund für die Ausgrenzung war damals ihr Musikgeschmack. Während ihre Mitschüler Hip-Hop hörten, bevorzugte Schäfer Rock und Metal. "Das haben sie mich spüren lassen", sagt sie im Gespräch mit SWR3. Die Schikanen gingen weit über Hänseleien hinaus. Mitschüler leerten ihren Schulranzen aus und lauerten ihr auf dem Heimweg auf.

Ein Vorfall blieb ihr besonders im Gedächtnis: "Sie haben mich sogar vor den losfahrenden Schulbus gestoßen." Nur eine Vollbremsung des Fahrers habe Schlimmeres verhindert. "Kinder können grausam sein", resümiert Schäfer. Als Folge der Angriffe zog sie sich damals immer weiter zurück.

Das Handwerk als Befreiungsschlag

Der entscheidende Umschwung kam mit der Berufswahl. Schäfer entschied sich bewusst für eine Ausbildung zur Maurerin, um sich zu beweisen. Der Einstieg in die männerdominierte Branche wurde für sie zum Wendepunkt. "Ich habe gemerkt, das kann ich. Das macht Spaß, das macht mich glücklich", erzählt sie SWR3. Durch die körperliche Arbeit auf dem Bau und die sichtbaren Erfolge in der Ausbildung wuchs ihr Selbstvertrauen Stück für Stück zurück.

Mut zur Eigenart

Heute nutzt die Maurermeisterin ihre enorme Reichweite für positive Botschaften. Ihr Rat an ihre Follower: "Jeder kann alles schaffen." Man müsse nur an sich glauben, dann blühe auch das "kleine Entlein" auf.

Schäfer plädiert dafür, sich nicht zu verstellen – egal ob beim Dialekt oder der Persönlichkeit. "Steh zu dir", sagt sie im SWR3-Interview. Dass sie heute für viele, insbesondere für Frauen im Handwerk, als Vorbild gilt, macht sie stolz – auch wenn sie den Begriff Vorbild für sich selbst eher zurückhaltend verwendet. fre