ZDB-Konjunkturprognose Bauwirtschaft schöpft neue Hoffnung: "Talsohle ist durchschritten"

Nach Jahren der Krise rechnet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe wieder mit einem spürbaren Umsatzplus. Vor allem milliardenschwere Infrastrukturprojekte sorgen für Zuversicht, doch die Erholung zeigt sich in den einzelnen Bausparten sehr unterschiedlich.

Im Wohnungsbau wird eine Trendwende beim Umsatz erwartet. Bei den Fertigstellungen rechnet der Branchenverband allerdings erst 2027 wieder mit einem Anstieg. - © Georg - stock.adobe.com

Die wirtschaftliche Lage am Bau verbessert sich. Das deutsche Baugewerbe rechnet für 2026 mit einem deutlichen Umsatzplus von real 2,5 Prozent auf 178 Milliarden Euro. "Nach Jahren rückläufiger Zahlen kehrt in der Bauwirtschaft erstmals wieder Zuversicht zurück", sagte Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Für 2025 erwartet er ein reales Umsatzplus von 0,6 Prozent auf 168 Milliarden Euro. Bis Ende des dritten Quartals 2025 seien die Auftragseingänge um real acht Prozent gestiegen. Das lasse die Unternehmen ab 2026 auch wieder mehr Personal einstellen.

Milliarden in Infrastruktur beflügeln Bau

Den Aufschwung trägt nach den Worten Schubert-Raabs vor allem der Tiefbau, den das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) zusätzlich stärke. Hinzu kämen Lebenszeichen aus dem Wohnungsbau. "Die Bauwirtschaft hat die Talsohle durchschritten. Besonders die Infrastrukturinvestitionen können unseren Betrieben wieder eine Perspektive geben", sagte er. Dies belege auch die aktuelle Konjunkturumfrage unter rund 1.500 ZDB-Mitgliedsunternehmen. Danach erwarteten fast 70 (Vorjahr: 50) Prozent der Unternehmen im nächsten halben Jahr eine bessere oder zumindest gleichbleibende Geschäftsentwicklung.

Leichter Zuwachs bei der Beschäftigung erwartet

Mit Blick auf die Beschäftigung rechnet der Verband 2026 aufgrund der stärkeren Kapazitätsauslastung wieder mit einem leichten Zuwachs um 0,4 Prozent auf 920.000 Beschäftigte, nachdem die Zahl 2025 bei rund 916.000 (Vorjahr: 916.300) liegen dürfte. 2024 war die Zahl der Beschäftigten erstmals seit 2008 gefallen.

Trendwende im Wohnungsbau ab 2026

Im Wohnungsbau prognostiziert der Verband eine Trendwende im kommenden Jahr, nachdem die Bundesregierung erste Schritte wie die EH-55-Plus-Förderung oder den Bau-Turbo auf den Weg gebracht habe. Mehr Tempo fordert Schubert-Raab allerdings bei der Umsetzung des geplanten Gebäudetyps E. Ein Gesetz Ende 2026 sei zu spät. Insgesamt wird der Umsatz im Wohnungsbau den Prognosen zufolge auf rund 56,3 (2025: 54) Milliarden Euro ansteigen - ein Plus von real 1,6 Prozent.

Mehr fertiggestellte Wohnungen ab 2027

Bei den Fertigstellungen erwartet der Verband dieses Jahr rund 225.000 bis 230.000 Wohneinheiten, aber nur 200.000 bis 215.000 im nächsten Jahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 wurden noch 252.000 Wohnungen fertiggestellt. Die Rückgänge 2025 und 2026 hängen nach Angaben des ZDB mit den starken Rückgängen bei den Baugenehmigungen in den Jahren 2023 in Höhe von 27 Prozent und 2024 von 17 Prozent zusammen. Positive Zahlen erwartet der Verband aufgrund des langen Vorlaufs erst im Jahr 2027.

Große Unterschiede im Wirtschaftshoch- und Tiefbau

Im Wirtschaftsbau zeigen sich nach ZDB-Angaben zwei Entwicklungen. Während der Hochbau durch die schwache Konjunktur – mit Ausnahmen von Projekten wie Rechenzentren – gebremst wurde, ist die Nachfrage im Wirtschaftstiefbau etwa für Investitionen in Energie- und Wärmenetze weiter stark. Die Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur (SVIK) sorgten laut ZDB für massive Impulse. Insgesamt erwartet der ZDB für 2025 einen Umsatz im Wirtschaftsbau von 65,4 Milliarden Euro, ein reales Plus von vier Prozent, und für 2026 einen realen Zuwachs von ebenfalls real vier Prozent auf 70 Milliarden Euro.

Gemischtes Bild im öffentlichen Bau

Ein gemischtes Bild zeigt sich auch im öffentlichen Bau. "Die Bundesmittel wirken, doch die Kommunen stehen weiterhin unter erheblichem Druck", sagte Schubert-Raab. Trotz der ihnen zugesagten 60 Milliarden Euro aus dem SVIK werden die Investitionsrückgänge in den kommenden Jahren nicht zu vermeiden sein, sagte er mit Blick auf die finanzielle Lage der Kommunen. Für den öffentlichen Bau wird 2025 ein Umsatz von 49 Milliarden Euro erwartet, was einem realen Plus von einem Prozent entspricht. Für das kommende Jahr wird mit einem realen Zuwachs von knapp zwei Prozent auf 51,6 Milliarden Euro gerechnet.

Weitere Impulse durch Infrastruktur-Zukunftsgesetz

ZDB-Präsident Schubert-Raab begrüßte zudem die jüngsten Beschlüsse des Koalitionsausschusses zum geplanten Infrastruktur-Zukunftsgesetz. "Der Ausbau der Infrastruktur duldet keinen Aufschub", sagte er. "Die Einstufung als überragendes öffentliches Interesse könne Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich verkürzen", fügte er hinzu. Das Gesetz soll am 17. Dezember im Kabinett beschlossen werden.

Aufweichung der Mittelstandsklausel

Gleichzeitig bringe die Aufweichung der Mittelstandsklausel im Vergaberecht allerdings "schmerzhafte Einschnitte" für die Betriebe mit sich. "Die Bundesregierung hat nach einem tragfähigen Kompromiss gesucht – das erkennen wir an", sagte er mit Blick auf einen Vertragswert von "über elf Millionen Euro ohne Umsatzsteuer", ab dem Teil- und Fachlose zusammen vergeben werden dürfen.