Tipps für Arbeitgeber So verabschieden Sie Mitarbeiter würdig in den Ruhestand

Irgendwann ist er da, der letzte Tag im Job. Als Ruheständler in spe möchte man ihn in guter Erinnerung behalten. Doch nicht jedem Chef und jeder Chefin gelingt es, einen würdigen Abschied auf die Beine zu stellen. So schwer ist das nicht.

In Rente gehen
Geht ein Mitarbeiter in den Ruhestand, verdient er eine würdige Verabschiedung – am besten mit einer persönlichen Geste. - © SerPak - stock.adobe.com

"Ich empfinde das als sehr wichtig", sagt Kommunikationstrainerin Kirstin Kluck über das Ansinnen, altgediente Mitarbeitende würdig in den Ruhestand zu verabschieden. Dass dabei eine Menge schiefgehen kann, zeigt ein Beispiel aus den Vereinigten Staaten, wo im Sommer die Abschiedsfeier für einen Mitarbeiter der kalifornischen Verkehrsbehörde dermaßen aus dem Ruder lief, dass anschließend zehn Mitarbeiter ihren Job verloren. Diese hatten zusammen mit dem Neu-Rentner reichlich Alkohol gezecht und einer eigens angeheuerten Stripperin Geldscheine zugeworfen, während der Arbeitszeit wohlgemerkt. Danach waren sie alkoholisiert vom Betriebsgelände abgefahren.

Ein Abschied muss aber gar nicht eskalieren, um in negativer Erinnerung zu bleiben. Wer einem verdienten Kollegen zum Abschied eine Karte mit einem Standardspruch in die Hand drückt, ohne ihn dabei auch nur anzuschauen und sich danach wieder unverzüglich an die Arbeit macht, sorgt für einen letzten Eindruck, der negativ haften bleibt. Und für Frust und Enttäuschung bis hin zu nachhaltiger Verbitterung, die derjenige in den neuen Lebensabschnitt mit hinübernimmt.

Bitterkeit kann auch hervorgerufen werden durch ein gänzlich unpassendes Abschiedsgeschenk, eine Belegschaft, die durch Abwesenheit glänzt oder einen hundsgemeinen Spruch durch den Vorgesetzten. Kirstin Kluck erinnert sich an so einen Fall: "Ein Geschäftsführer hat zu einem Mitarbeiter, der nach 20 Jahren in den Ruhestand ging, gesagt: Na, dann wünsche ich Ihnen alles Gute und wo sind denn eigentlich meine Blumen und meine Karte? Sie müssen mir ja dankbar sein, dass ich Sie so lange beschäftigt habe", erzählt die Trainerin für Business-Etikette und Mitglied der Deutschen Knigge Gesellschaft aus Alsdorf bei Aachen. "Das schlägt dem Fass den Boden aus, wenn man so eine Haltung an den Tag legt." Tatsächlich aber kann die Versuchung groß sein, einem Mitarbeiter zum Abschluss noch mal einen Rempler mitzugeben, ihn mit einem verbalen Leberhaken in den Sonnenuntergang zu verabschieden. Eine Gelegenheit, die man lieber nicht nutzt, sondern Anstand und Klasse wahrt, souverän bleibt, selbst wenn man mit demjenigen kein sonderlich gutes Verhältnis hatte.

Tipps für einen gelungenen Abschied

Aber wie geht es richtig? Persönlich und individuell sollte ein Abschied vor allem sein, betont Kirstin Kluck, gerne auch mit einer Prise Humor angereichert. Mögliche Geschenke, die man zu diesem Zwecke besorgen kann, gibt es wahrhaft zur Genüge. Wer etwa bei Amazon nach Abschiedsgeschenken für angehende Rentnerinnen und Rentner sucht, dem werden unter anderem der Spiegel-Bestseller "Ruhestand für Anfänger", ein Bierglas mit Gravur, eine humoristische Erste-Hilfe-Tasche zur Rente, ein Schlüsselanhänger mit Schutzengel und eine personalisierte Urkunde vorgeschlagen. Ob es sich dabei um geeignete Präsente handelt, muss jeder selbst entscheiden. Die Handwerkskammern übrigens stellen ebenfalls Urkunden aus, allerdings mehrheitlich für Betriebsjubiläen, nicht für Abschiede. Manche Kammern bieten die Möglichkeit an, eine Urkunde für einen individuellen Anlass anzufertigen. Eine Anfrage bei der örtlichen Handwerkskammer schafft Klarheit.

Eine persönliche Note versprüht eine Fotosammlung mit handgeschriebenen Nachrichten der Kolleginnen und Kollegen, oder – je nach Gewerk – eine gravierte Maurerkelle, Zange, Schere, Hammer oder Werkzeugkasten. Für Hobbyköche bietet sich ein Kochkurs an, eine Auswahl an edlen Weinen, besonderen Ölen oder eine Kiste mit regionalen Köstlichkeiten. Auch mit einer Geschenkkarte für eine Buchhandlung, ein Gartencenter, Restaurant oder Wellness-Wochenende können die persönlichen Vorlieben des Ruheständlers in spe berücksichtigt werden.

Festes Ritual im Allgäu: Grillfest in der Schreinerei

Ein glitzerndes Geschenk sei aber gar nicht wesentlich, findet Kirstin Kluck. "Das Wichtigste ist in der heutigen Zeit, dass man sich persönlich Zeit nimmt", sagt sie. Aufmerksamkeit sei ein viel größeres Geschenk, "das Wertvollste, was man Menschen heutzutage geben kann." Auf den alten Kollegen oder die alte Kollegin zugehen, sich Zeit nehmen, passende Worte finden, zuhören, Aufmerksamkeit und Wertschätzung zuteil werden lassen, zum Beispiel im Rahmen eines Ausstandes nach Feierabend oder eines gemeinsamen Abendessens. "Das macht viel mehr und gibt einem Menschen auch viel mehr, als wenn ich unpersönlich durch die Assistentin einen Präsentkorb überreichen lasse mit einem ‚Dankeschön, dass Sie so lange im Unternehmen waren‘", so Kluck.

Ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Chef und Verabschiedetem mit persönlicher Danksagung ist ebenfalls ratsam, vor allem, wenn es sich um eine Person handelt, die ungern im Mittelpunkt steht und noch unlieber salbungsvolle Reden vor versammelter Mannschaft über sich ergehen lässt.

"Einen festen Ablauf haben wir nicht, aber ich schaue, dass wir um den letzten Arbeitstag ein Grillfest veranstalten", sagt Simon Marschall, Inhaber der Schreinerei Marschall in Kempten im Allgäu, über die Rituale in seinem Betrieb. "Die nächste Weihnachtsfeier mit Partner wird dann für eine etwas förmlichere Ansprache und ein Geschenk genutzt. Dabei soll das Gefühl bleiben, dass sie durchs große Tor gehen und nicht leise durch die Hintertüre." Und für viele Mitarbeitende, die gingen, sei der endgültige Abschied gar keiner. "Bisher haben wir danach auch immer noch Kontakt und die Jungs sind auch gerne ab und zu aushilfsweise als Minijobber dabei", erzählt Marschall.

Das sollten Sie als Chef auf keinen Fall tun

"Wenn man persönlich nicht dabei ist, das ist ein No-Go", sagt Kirstin Kluck über einen Fauxpas, den man als Chef oder Chefin tunlichst vermeiden sollte. Ein Inhaber oder Geschäftsführer, der dem Abschied eines verdienten Mitarbeiters nicht höchste Priorität einräumt, sondern lieber einen Außentermin wahrnimmt, drückt mangelnden Respekt und Wertschätzung aus. Das hinterlässt Spuren, vielleicht sogar Narben, auch bei denen, die bleiben.

Zudem sollte man vermeiden, ausschließlich Floskeln zum Besten zu geben, a la "Vielen Dank für die jahrelange gute Zusammenarbeit" oder "Alles Gute für den wohlverdienten Ruhestand".  Etwas persönlicher sollten die warmen Worte sein, Wesenszüge und die eine oder andere erinnerungswürdige Begebenheit aus der Karriere aufgreifen. Damit zeigen Chefs oder Kollegen, dass sie sich schon vorher Gedanken über die Verabschiedung gemacht und sich auch dafür schon Zeit genommen haben. Um einen schönen Abschiedstext zum Besten geben zu können, sei auch der Einsatz von ChatGPT und Co. keinesfalls tabu, findet Kirstin Kluck. Die Inhalte müssen schließlich auch bei KI-Unterstützung von einem selbst kommen. Immerhin spucke die Künstliche Intelligenz nur dann passende und individuelle Zeilen aus, wenn sie vorher mit den richtigen Eingaben gefüttert wurde, wenn also Zeit und Mühe investiert wurden. Daher ist es ratsam, rechtzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen, selbst wenn sich die Feier oder der Abschied nur in kleinem Rahmen abspielen soll.

Die Ruheständler selbst warnt Kluck vor überzogenen Erwartungen. "Wer eine Erwartung hat, der kann eigentlich nur enttäuscht werden", sagt sie. "Man darf erwarten, dass man verabschiedet wird mit persönlichen Worten." Nicht mehr, aber auch nicht weniger.