Ausbildungsserie Umgang mit zurückgezogenen Auszubildenden

Eine Meisterin berichtet von ihrer Auszubildenden, die den Kontakt zu anderen Menschen zunehmend meidet und sucht Rat bei der Ausbildungsberaterin – nacherzählt von Ausbildungsberater Peter Braune.

Ein verständnisvoller, sensibler Umgang kann ein erster wichtiger Schritt sein, um die zurückhaltende, schüchterne Azubis auf ihrem Weg zu unterstützen. - © New Africa - stock.adobe.com

Im Verlauf eines Fachgesprächs bei einem Betriebsbesuch berichtet die Meisterin der Ausbildungsberaterin, dass ihre Lehrling sehr den Kontakt zu anderen Menschen scheut. Sie macht sich Sorgen und weiß nicht, woher das kommen könnte.

Einschätzung der Ausbildungsberaterin

Die Ausbildungsberaterin war keine ausgebildete Psychologin. Sie hatte sich jedoch im Zusammenhang mit einem anderen Fall etwas mit dem Thema befasst. Aus diesen Erfahrungen wusste sie, dass dieses Persönlichkeitsbild verschiedene Ursachen haben kann. Dazu gehören soziale Ängste, die durch die Furcht vor Aufmerksamkeit, Peinlichkeit oder Beschämung in Situationen mit anderen Menschen gekennzeichnet sind. Die Betroffenen werden zunehmend verschlossener, ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück und pflegen kaum noch Kontakte zu anderen Menschen – möglicherweise.

Zu den Merkmalen können auch eine gedrückte Stimmung, häufiges Grübeln, Hoffnungslosigkeit und verminderter Antrieb gehören. Häufig treten zudem ein geringes Selbstwertgefühl, der Verlust der Lebensfreude und ein nachlassendes Interesse am Leben insgesamt auf.

Auswirkungen auf die Ausbildung

Die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität sind dadurch beeinträchtigt, was im Verlauf der Lehrzeit besonders problematisch ist und in große Schwierigkeiten münden könnte. Verschlossenheit, Einzelgängertum und Zurückhaltung wären in Lehrberufen mit Kundenkontakt nicht hilfreich.

Vorsichtiges Vorgehen und Empfehlungen

Die Ausbildungsberaterin rät der Meisterin, ein Gespräch mit der jungen Frau zu führen, um behutsam auf das Thema zu kommen. Ziel dieses Gesprächs sollte sein, ihr zu empfehlen, fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dazu gab sie der Meisterin einige Hinweise für den Umgang mit der jungen Frau:

  • Einfühlungsvermögen zeigen, indem sie eine sichere und freundliche Lernumgebung schafft, offene Fragen stellt sowie Blickkontakt und Körpersprache beobachtet.
  • Sich auf positive Eigenschaften konzentrieren, um das Selbstbewusstsein zu stärken.
  • Ein gutes Gefühl vermitteln, damit sich die junge Frau mehr öffnet und lockerer wird.
  • Zeit lassen, vorsichtig nachhaken und positive Rückmeldungen geben.
  • In vertretbarem Rahmen Freiräume lassen.
  • Eigene Erwartungen anpassen.

Ein verständnisvoller, sensibler Umgang kann ein erster wichtiger Schritt sein, um die junge Frau auf ihrem Weg zu unterstützen.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.