Ausbildungsserie Schlechte Laune beim Azubi: Wie Ausbilder reagieren

Ein häufig negativ gestimmter Lehrling zieht die Stimmung im Team herunter und verärgert im schlimmsten Fall sogar Kunden. Doch ist es nur ein kurzes Tief oder eine Charaktereigenschaft? Wie Ausbilder das heikle Thema richtig ansprechen und ihrer Fürsorgepflicht nachkommen, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Ausbildungsserie.

Negativ eingestellte Lehrlinge sind eine echte Herausforderung für Ausbildungsverantwortliche. Sie nörgeln, wirken desinteressiert und ziehen mit ihrer Laune die Motivation der Kollegen herunter. Um gegenzusteuern müssen Ausbilder behutsam vorgehen. - © woocat - stock.adobe.com

Miesepeter, Muffel, Sauertöpfe – fast jeder Ausbilder kennt sie: Auszubildende, die mit ihrer negativen Grundeinstellung die Stimmung im Team belasten. Sie nörgeln, wirken desinteressiert und ziehen mit ihrer Laune die Motivation der Kollegen herunter. Eine Herausforderung, die nicht nur das Arbeitsklima, sondern auch den Ausbildungserfolg gefährdet. Doch Ausbilder sind nicht machtlos. Sie haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, einzugreifen.

Wenn die Stimmung kippt: Fälle aus der Praxis

Die Probleme zeigen sich in allen Branchen. Hier vier Beispiele aus dem Ausbildungsalltag:

  • Ein Friseurlehrling hat oft schlechte Laune und nörgelt ständig. Das trübt die Atmosphäre im Salon so sehr, dass sich erste Kundinnen beschweren.
  • Der neue Auszubildende zum Medientechnologen ist ein richtiger Sauertopf. Seine negative Einstellung beeinflusst die Ausbildung und damit das Arbeitsklima in der Druckerei. Seine mürrische Art wirkt sich negativ auf die anderen Lehrlinge aus, deren Motivation spürbar sinkt.
  • Bei einem Bäckerlehrling stellt sich nach der Probezeit heraus, dass er auf die Gesellen dauerhaft schlecht gelaunt und mürrisch wirkt. Das Team fragt sich: Ist das nur eine Phase oder eine Charaktereigenschaft?
  • Ein Bauzeichner verhält sich im Betrieb missmutig und gleichgültig. Er beteiligt sich nur desinteressiert an seinen Aufgaben und der Ausbildung und ist ein echter Muffel.

Azubis auch charakterlich fördern

Solche Situationen sind mehr als nur eine Störung des Betriebsfriedens. Sie sind für Ausbildungsverantwortliche ein klarer Anlass, ihrer Pflicht zur charakterlichen Förderung nachzukommen. Diese Aufgabe geht über die reine Wissensvermittlung hinaus. Es gilt, die Persönlichkeit der Lehrlinge zu unterstützen und sie auf das Arbeitsleben vorzubereiten. Dazu gehören die Entwicklung von Tugenden wie Disziplin und Teamfähigkeit, die Förderung sozialer Kompetenzen sowie die Fähigkeit, gestellte Aufgaben zu bewältigen.

Haben Ausbildungsverantwortliche einen guten Draht zu ihren Lehrlingen, ist ein persönliches Gespräch unter vier Augen der beste Weg. Entscheidend ist, dabei Mitgefühl zu zeigen, anstatt die negative Haltung durch eigene Kommentare zu verstärken.

In diesem vertraulichen Rahmen können mögliche Ursachen angesprochen werden, etwa Stress, ein Mangel an Zufriedenheit, aber auch Schlafmangel oder eine unausgewogene Ernährung. Manchmal fehlt es auch schlicht an Tageslicht und Bewegung. Im Gespräch können Vorgesetzte zudem gezielt positive Äußerungen loben, auf erfreuliche Gesichtspunkte hinweisen und so konkrete Anregungen für eine optimistischere Einstellung geben.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.