Zahlen und Stimmung im Überblick So steht es ums Handwerk im Herbst 2025

Die Auftragslage bleibt schwach, die Belegschaften schrumpfen, doch der große Absturz bleibt aus. Warum das Handwerk zwar durchhält – aber kaum vorankommt.

Konjunktur
Laut DHZ-Konjunkturumfrage für das dritte Quartal 2025 fehlt dem Handwerk weiterhin der nötige Auftrieb. Besonders betroffen sind das gewerbliche Bedarfshandwerk und die privaten Dienstleister, bei denen die Auslastung spürbar zurückgeht. - © Photocreo Bednarek - stock.adobe.com

Die deutsche Wirtschaft hat jahrzehntelang von der Globalisierung profitiert. Nun muss sie sich damit arrangieren, dass die bewährten Strukturen der Arbeitsteilung nicht mehr richtig funktionieren. Lieferketten müssen neu geknüpft werden, die Energieversorgung wird teurer. Fern­östliche Konkurrenten setzen die Industrie unter Druck. Zudem werden die Handelskonflikte schärfer.

Eingebettet in dieses problematische Umfeld fehlt dem Handwerk der Auftrieb. In den von der DHZ untersuchten Umfragen zum 3. Quartal 2025 gaben 17 Prozent der Betriebe an, ihre aktuelle Geschäftslage sei schlecht. 39 Prozent beurteilten sie mit gut, 44 Prozent mit befriedigend. Daraus resultiert ein Indexwert von gut 121 Punkten. Zu Beginn des Sommers waren es knapp 124 Punkte.

Auslastung im Sommer erreichte 78 Prozent

Die Auslastung nahm über die Sommermonate leicht ab. Auch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnten die Handwerksbetriebe ihre Anlagen weniger intensiv nutzen. Der Auslastungsgrad erreichte 78 Prozent. Die deutlichsten Rückschläge registrierten das Handwerk für gewerblichen Bedarf und die privaten Dienstleister.

13 Prozent der Befragten meldeten eine personelle Aufstockung im 3. Quartal (Vorjahr: 14 Prozent), während 15 Prozent den Bestand verkleinerten (17 Prozent). Letztere taten dies wohl zum größten Teil, weil sie keinen Ersatz für die in Rente gehenden Boomer finden. Bis zur Wiederbesetzung einer offenen Stelle im Handwerk gehen nach Angaben der Agentur für Arbeit durchschnittlich 224 Tage ins Land. Unterm Strich schrumpft die Belegschaft.

31 Prozent der Befragten holten im 3. Quartal 2025 weniger Aufträge ein als im Vorvierteljahr. Nur 13 Prozent spürten ein lebhafteres Kundeninteresse. Insgesamt gesehen waren 28 Prozent mit der Reichweite der Auftragsbestände von durchschnittlich zwei Monaten nicht zufrieden.

Branchentrends

Im Baugewerbe ist die Entwicklung uneinheitlich. Auf der einen Seite durchläuft die Nachfrage nach neuem Wohnraum eine Trendwende. Kreditnachfrage und Immobilienpreise stiegen zuletzt merklich an. Ursächlich sind günstigere Zinskonditionen. Baufirmen mit Schwerpunkt im Tiefbau profitieren von Investitionen in die Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Dagegen belastet die schwache gesamtwirtschaftliche Lage den gewerblichen Hochbau.

Handelssanktionen und aggressive Konkurrenz aus China treibt der Industrie die Sorgenfalten auf die Stirn. Angesichts niedriger Produktions- und Exportzahlen wird Beschäftigung abgebaut. Auch die handwerklichen Zulieferer geraten in diesen Sog.

Die Zulassungsstatistik im Kfz-Gewerbe wies 2025 bislang hohe Zuwächse bei Elektrofahrzeugen in einem insgesamt stagnierenden Markt für neue Pkw aus. Der vermeintlich rege Absatz moderner Antriebe hat aber vor allem mit dem schwachen Vorjahresniveau zu tun.

Die Handwerke für den privaten Bedarf treten auf der Stelle. Trotz steigender Reallöhne kommen die Verbraucher nicht in Stimmung. Als Gründe gelten die geopolitische Lage, Sorgen um den Arbeitsplatz und wieder zunehmende Inflationsängste.

Ausblick

Als gedämpft könnte man die Erwartungen zur zukünftigen Geschäftsentwicklung beschreiben. Immerhin hat sich das deutsche Handwerk vom Tiefpunkt des Vorjahres ein wenig abgesetzt. Zwölf von 100 Betrieben erkannten Ende September eine nahende Verbesserung ihrer Lage, zwei Drittel rechneten mit einer Seitwärtsbewegung, 22 Prozent schlugen sich auf die Seite der Skeptiker. Der aus diesen Daten gewonnene Indexwert von 91 Punkten, der die Erwartungen zusammenfasst, rangiert zwar deutlich über der Bewertung zum gleichen Zeitpunkt 2024, verliert aber gegenüber dem Beginn des Sommers sechs Punkte. Darin schwingt Enttäuschung mit.

Erwartungen Geschäftslage
© DHZ

Auch die prognostizierten Bestellungen deuten Entspannung an, aber keinen unmittelbar bevorstehenden Aufschwung. Ende September 2025 gingen 14 Prozent der Befragten für den Jahresabschluss von einem Zuwachs aus (Vorjahr: 11 Prozent), während 24 Prozent Einbußen befürchteten (30 Prozent). Die Betriebe spüren keine ausgeprägte konjunkturelle Dynamik. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen bewegt sich die Wohnungsbautätigkeit trotz positiver Tendenzen immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Zum Zweiten schwächelt der private Konsum. Drittens fehlt es der Investitionstätigkeit im Land an Schwung; die handwerklichen Zulieferer warten bislang vergeblich auf einen Auftragsschub aus der Industrie. Darüber hinaus ist der psychologische Faktor nicht zu vernachlässigen.