Getuschel, offene Streitigkeiten und spürbare Spannungen? Wenn die Stimmung kippt, sind Vorgesetzte gefordert. Eine Expertin zeigt die entscheidenden Schritte, um Konflikte zu lösen und das Team wieder auf Kurs zu bringen.

"Dass Unruhe im Team aufkommt und vielleicht auch Konflikte drohen, merkt man dann, wenn es menschelt", sagt Michaela Goll. Dann werde mehr als sonst diskutiert, einzelne kommen zum Chef und beschweren sich über Kollegen. Es wird getuschelt und Kleinigkeiten im Miteinander stehen zur Debatte – sei es Unpünktlichkeit oder wer die Kaffeemaschine saubermachen muss. Michaela Goll begleitet Unternehmerinnen und Unternehmer und zeigt ihnen, wie sie das Miteinander zwischen Mitarbeitern so steuern können, dass Unruhe selten ist. Dann geht es auch darum, dass Tuscheln und Tratschen über Kollegen erst gar nicht aufkommt – geschweige denn zum Problem wird und die ganze Firma lähmt. Meist sei das der Fall, wenn Veränderungen anstehen wie neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, geänderte Arbeitszeiten oder Arbeitsabläufe.
Es kann aber auch sein, dass einzelne Unruhe auslösen, wenn sie auffallend anders und schlechter arbeiten. Gerade im Handwerk und besonders auf Baustellen, wo das Teamwork essenziell ist, zeigt sich schnell, wenn Gewohnheiten durcheinandergeraten. Dann greifen Arbeitsabläufe nicht mehr ineinander und auch einfache Arbeiten dauern länger. "Wenn dann Beschwerden von einem über den anderen beim Chef ankommen, ist es eigentlich schon zu spät. Die Chefin oder der Chef sollten eine solche Unruhe im besten Fall schon früher bemerken", sagt Michaela Goll. Wichtig ist aber auch dann noch, dem gesamten Team klarzumachen, dass man registriert hat, dass es ein Problem zu lösen gilt.
Vorsicht: Ignoranz löst keine Probleme
Für Michaela Goll ist eine späte Reaktion zentral, wenn es darum geht, dass kleine Probleme manchmal zu großen Konflikten werden. Noch schlimmer sei Ignoranz, denn diese löse nie Probleme. "Jede Zeit des Abwartens ist verschenkte Zeit, die später zusätzlich in die Klärung des Konflikts investiert werden muss", sagt sie. Wichtig sei es daher, dass Unternehmer mit ihrem Team gemeinsam Grundregeln der Kommunikation festlegen. Grundregeln dafür, wie das Miteinander funktionieren kann.
Für Teams, die viele Stunden am Tag zusammenarbeiten, sind Transparenz und der direkte Weg zur Problemlösung unumgänglich. Konkret heißt das: Das Betriebsklima sollte geprägt sein von einer Offenheit der Führungsebene, sodass keine Scheu besteht, sich mit Problemen an die Chefin oder den Chef zu wenden. Gleichzeitig muss die Offenheit auch zwischen den Mitarbeitern bestehen. Die Expertin rät dazu, als Grundregel voranzustellen, dass der erste Schritt die direkte Aussprache ist, wenn es Probleme gibt. "Haben die Betroffenen miteinander gesprochen? Das sollte immer die erste Frage sein, die man stellt, wenn jemand kommt und sich über einen anderen beklagt", sagt die Trainerin. Aus ihrer Sicht sollte man an die Selbstverantwortung appellieren und dafür sorgen, immer die direkte Kommunikation zu wählen.
Transparenz und Offenheit sollten gerade in kleineren Teams zu den wichtigsten Grundregeln gehören. Unternehmer sollten zwar signalisieren, dass sie den Klärungsbedarf erkannt haben, müssen aber nicht sofort zum Moderator werden. Oftmals können die Mitarbeiter das Problem selbst lösen und darin sollte man sie bestärken.
Wichtig: Niedrige Hürden und kurze Wege für gute Gespräche
Michaela Goll hält deshalb auch wenig davon, immer große Mitarbeitertreffen zu organisieren oder regelmäßige Pflichttermine zur Aussprache. "Stattdessen sollte jedem klar sein, dass er ein Problem offen, mit jedem und direkt auf kurzem Weg ansprechen kann. Zu einer offenen Kommunikation gehören aber auch Lob und Kritik, die auf kurzem Weg meistens besser ankommen als in Extra-Gesprächen – und vor allem dann, wenn sie zum Alltag gehören und jeder sie äußern darf", sagt sie. Niedrige Hürden und eine klare Führungssystematik würden dann meist schneller angenommen und im Arbeitsalltag gelebt, als wenn man dafür komplizierte und zeitraubende Verfahren etablieren möchte.
Neuen Mitarbeitern müssten die einmal festgelegten Grundregeln natürlich erklärt werden. Statt dabei sehr formell vorzugehen, sollten sie aus Sicht der Expertin aber vorgelebt werden. "In einem Handwerkerteam arbeiten Menschen mit Menschen für Menschen und das darf man auch spüren – ohne dabei zum Psychologen zu werden und ständig jede Laune zu bewerten." Ihrer Erfahrung nach ist der Mut zu viel Offenheit und Transparenz aber auch eine Generationenfrage. Jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprechen tendenziell offener über Probleme. "Gerade im Handwerk wird oft alles sehr fachlich begründet und nur über Technisches gesprochen. Gefühle sind Privatsache und haben immer noch für viele nichts auf der Arbeit zu suchen."
Unproduktive Teams kosten Energie, Zeit und Geld
Michaela Goll arbeitet in ihren Trainings mit den Unternehmern zusammen und erklärt ihnen, wie ein gutes Team funktioniert und was die Chefs tun können, um funktionierende Strukturen aufzubauen und zu erhalten. Geht es dann um die Umsetzung im Alltag, sollten die Chefs vor allem eines sein: Vorbilder. "Man kann natürlich auch ganze Teams coachen, aber besser ist es, wenn der Chef direkt vorlebt, was sich ändert und die offene Kommunikation direkt in den Arbeitsalltag einbaut." Coachings können zwar der Start für eine Veränderung sein, aber es sind Sondersituationen, die dann noch auf die Praxis übertragen werden müssen.
Und wenn ein Team gut zusammenarbeitet, steigt automatisch auch die Leistung. So rät die Expertin auch dazu, die Auswahl der Mitarbeiter nicht zu unterschätzen – was in Zeiten des starken Fachkräftemangels immer schwieriger wird. Dennoch muss man richtig hinschauen, wer wirklich ins Team passt. Trifft man hier die falsche Wahl, steckt man oft sehr viel Zeit, Energie und Geld in Prozesse, die dann scheitern und die Leistung des gesamten Teams sinkt, wenn Unruhe entsteht. In einem guten Team tragen alle Verantwortung füreinander. Das zeigt sich auch darin, dass die Teammitglieder aufeinander Rücksicht nehmen und sich gegenseitig unterstützen, um die gemeinsame Arbeitslast zu bewältigen.
Ist die Stimmung im Team einmal gekippt, sind oft auch Gehaltsforderungen schneller ein Thema. "Aber wenn sich jeder wertgeschätzt fühlt und wenn eine gute Stimmung herrscht, rücken Gehaltsforderungen meistens in den Hintergrund", sagt Michaela Goll. Dennoch sollten Unternehmen Gehaltswünsche nicht pauschal als Ruf nach Anerkennung abtun, sondern auch marktübliche Bezahlung und gestiegene Anforderungen berücksichtigen. Umgekehrt kann es sein, dass mehr Gehalt die Missstimmung nicht beseitigt und der betreffende Mitarbeiter im nächsten Schritt kündigt, weil er sich einfach nicht wohlfühlt.