Von der Überschrift Ihrer Stellenausschreibung bis zur One-Click-Bewerbung: Wie Sie mit den richtigen Kleinigkeiten im Kampf um Fachkräfte positiv auffallen und die besten Talente für Ihr Handwerk gewinnen.

Beginnen wir mit dem Ausschreibungstext. Eine attraktive Headline erregt Aufmerksamkeit: "Wir haben alle Hände voll zu tun – deshalb brauchen wir …" Oder: "Warum sind Sie nicht bei uns?" Fragesätze regen zum Nachdenken an, sind ungewöhnlich, fallen auf. Originell ist auch die Überschrift: "Du hast uns gerade noch gefehlt. Deine Kollegen brauchen dich als …".
Immer mehr setzt sich in Stellenanzeigen die Du-Form durch, nicht nur für Azubis: "Wir suchen dich", "Hier hast Du eine Chance", "Hey, bist du bereit für …". Ungewöhnliche Texte wirken nicht unseriös. Sie können zeigen, dass der Stellenanbieter ein moderner Betrieb ist. Texte wie "Zur Verstärkung unseres Teams suchen wir …" oder "Wir freuen uns auf deine Bewerbung" sind hingegen in die Jahre gekommen und sollten ausgetauscht werden. Die Frage, was der Bewerber davon hat, dass sich der Stellenanbieter freut, bleibt dabei unbeantwortet.
Die genannten Textregeln gelten im Übrigen auch für die Homepage. Auf Standardsätze bei den Anforderungen, z. B. "fleißig, flexibel, motiviert, engagiert …", kann man gut verzichten. Wer sich bewirbt, glaubt diese selbstverständlichen Anforderungen zu erfüllen. Wichtiger ist ein Anforderungsprofil in Schlagworten ("Deine Aufgaben bei uns: …"). Das kann später auch als Stellenbeschreibung dienen.
Mit der Gestaltung von Stellenanzeigen auffallen
Die zentrierte Textanordnung wirkt – ob in Printmedien oder online – etwas konservativ und spricht meist die Zielgruppe 40-plus an. Eine moderne Schriftart oder Kleinbuchstaben fallen positiv auf. Mit dem links- bzw. rechtsbündigen Text können sich Handwerksbetriebe gut von anderen Stellenanbietern abheben. Stellensuchende verbinden mit einem modern wirkenden Text gedanklich einen modernen Betrieb. Das Angebot einer Arbeitsstelle muss im "War of Talents" auffallen, damit sich nicht irgendwer meldet, sondern die passende Person. Dazu bietet sich die AIDA-Formel von Dale Carnegie an:
A "Attention", Headline und moderne Texte wecken Aufmerksamkeit
I "Interest", Interesse erzeugen mit der Arbeitgeber-Marke, dem Image
D "Desire", den Wunsch wecken, sich in vorgeschlagener Form zu bewerben
A "Action", zur Tat schreiten, anrufen – sich bewerben
Eine Stelle wird verkauft wie ein Produkt. Der Handwerker wird zum Verkäufer für einen Job.
Skalierung über Anforderungen an Bewerber
Was besonders wichtig ist, sollte auch sprachlich priorisiert werden. Zum Beispiel: "hohes Maß an Teamorientierung" (extrem wichtig), "idealerweise Berufserfahrung" (sehr wichtig), "Flexibilität wird erwartet" (wichtig). Durch die Ab- bzw. Aufstufung erkennt der Bewerber die Bedeutung der Anforderungen. Formulierungen wie "Hohes Maß an…" oder "idealerweise…" wirken unterschiedlich.
Homepage – Liebe auf den ersten Klick
Bewerber informieren sich auf der Homepage über den Stellenanbieter. Ein Bild sagt dabei mehr als 1.000 Worte. Bewährt hat sich der virtuelle Rundgang durch den gesamten Betrieb. Handwerker haben bei der Stellenausschreibung mit einer besonderen Homepage Erfolg. Wer sich bewirbt, sieht sich den Auftritt im Netz ganz genau an.
Die Homepage soll dabei nicht nur informieren, sondern auch Sympathien wecken und emotional ansprechen, z.B. durch Vorstellung des Teams. Noch besser: Wer könnte die Vorzüge einer Stelle besser erklären als das Team selbst? In Videos auf der Webseite oder in den sozialen Medien geben Mitarbeiter Bewerbern einen authentischen Einblick und zeigen, was die Arbeit im Unternehmen wirklich attraktiv macht.
Auch gesellschaftlich relevante Themen können zur Profilierung beitragen: So ist Klimaschutz für viele Bewerber ein wichtiges Kriterium. Wer mehr tut als vorgeschrieben, sollte entsprechende Infos auf seiner Homepage bereitstellen.
Bewerbungsprozess verschlanken
Viele Handwerksbetriebe bieten mittlerweile die Möglichkeit zur Online-Bewerbung an. Bewerber können ihre Angaben in ein Formular eintragen. Auf die Zusendung der üblichen Bewerbungsunterlagen wird oft verzichtet. Eine One-Click-Bewerbung wird besonders von jüngeren Bewerbern als selbstverständlich empfunden. Falls Arbeitgeber nicht gänzlich auf Bewerbungsunterlagen verzichten wollen, können sie dennoch den Umfang reduzieren. Ist ein Anschreiben nötig? Müssen Zeugnisse direkt mitgeschickt werden? Die Homepage sollte über die gewünschten Unterlagen informieren.
"Bewerber-Hotline" einrichten
Bevor sich jemand die Mühe macht, sich zu bewerben, möchte er vielleicht erst mal am Telefon weitere Informationen über die ausgeschriebene Stelle erhalten. Eine "Bewerber-Hotline" mit der Anrufzeit ist wie eine Aufforderung, erst einmal anzurufen. Im Vorab-Telefonat können Stellenanbieter und Bewerber entscheiden, ob sich die Vorstellung im Betrieb lohnt. Statt eine schriftliche Bewerbung vorauszusetzen, kann man den Prozess vereinfachen. Eine simple Aufforderung wie "Kommen Sie nach Voranmeldung zum Gespräch" senkt die Hürde für eine erste Kontaktaufnahme.
Anforderungen reduzieren
Generell sind viele Betriebe dazu übergegangen, die Hemmschwellen zu reduzieren. Interessenten könnten von einer Bewerbung abgehalten werden, wenn die Anforderungen im Stellenangebot zu hoch sind: "erfahren, vielseitig einsetzbar, durchsetzungsfähig, usw.". Bei hohen Anforderungen fühlt sich die jüngere Generation überfordert – und die Stelle bleibt vakant. Mit Minimal-Anforderungen kann Bewerbern Mut gemacht werden. So wie man einen Rohdiamanten erst durch den Schliff wertvoll macht, gibt man dem neuen Mitarbeiter Chancen durch professionelle Einarbeitung. Auch Wiedereinsteiger können ermutigt werden, sich zu melden.