Rino Bernardi ist Eismacher und Profi in Sachen Marketing. Ob Sportsponsoring, Eis-Drive-In oder die eigene Zeitung – er hat immer wieder neue Ideen. Im Mittelpunkt steht die handwerkliche Eisherstellung. Für seine bekannte Sorte "Red King" – Eis aus Granatapfelsaft – bekommt er immer wieder Preise. 2026 tritt er mit ihr zur Weltmeisterschaft an.

Wenn es im oberschwäbischen Ochsenhausen mitten auf der Durchgangsstraße stockt, liegt das mitunter an der auffällig geschmückten Eisdiele am Straßenrand. Entweder ist es einfach ein heißer Tag, an dem viele Menschen ein Eis kaufen und den Eis-Drive-In nutzen möchten. Oder Rino Bernardi hat ein Eis-Event organisiert. Nicht selten ist dann viel los in der Poststraße des kleinen Orts, der für seine Eisdiele mittlerweile sehr bekannt ist.
So gehört diese nun auch zur European Road of Gelato, einer Reiseroute quer durch Europa, entlang derer man verschiedenste Orte der handwerklichen Eisherstellung besuchen kann. Der Verband Uniteis initiierte die Reiseroute gemeinsam mit Partnern im Rahmen eines EU-Projekts. Ende Juni wurde die Station der Road of Gelato in Ochsenhausen offiziell eröffnet – mit einer Ausstellung zur Geschichte der Eisherstellung, mit Vorführungen zur Eisherstellung, mit fast schon antiken Eismaschinen und natürlich einem großen Eis-Event auf dem Platz neben der Eisdiele.
Rino-Eisdielen: Von Sponsoring bis Eis-Drive-In
Normalerweise dient dieser hauptsächlich als Parkplatz für Fahrräder, E-Bikes, Motorräder und Motorroller. Diejenigen, die damit unterwegs sind, sind eine wichtige Zielgruppe für den Gelatieri, der Sponsor mehrerer Sportvereine ist – vor allem im Rad- und Motorsport. Passend dazu hat er seine Mitarbeiter auch alle mit Trikots statt Hemden ausgestattet. Überall in der Eisdiele hängen Fotos mit Sportlern und deren Rädern. Die Sammlung ist groß, denn Rino – kaum einer nennt ihn anders als bei seinem Vornamen – ist schon lange dabei.
Begonnen hat alles in einer Garage in Ochsenhausen, die er Stück für Stück ausbaute. Als er später das gesamte Haus übernehmen konnte, baute Rino seine Ideen aus und eröffnete Deutschlands ersten Eis-Drive-In. Rino Bernardi kam in den 70er-Jahren aus Venetien nach Deutschland. Speiseeis herzustellen, lernte er in einem Café in Memmingen – und später über Fortbildungen im Verband Uniteis. Als er die Möglichkeit sah, in Ochsenhausen seine eigene Eisdiele zu eröffnen, wählte er erst einmal einen typisch italienischen Namen der Eisdiele "Giorgione". Doch dieser war schnell passé. "Er passte nicht auf die Lederjacken der Motorradfahrer und war auch zu teuer, da das Sticken der vielen Buchstaben auf Leder aufwendig war", sagt Rino lachend. Es musste etwas Kurzes her und da lag es nahe, seinen Vornamen zu nehmen. So wurde die Marke "Rino" geboren.

Mit "Kamellatte" und "Red King" zur WM nach Italien
Mittlerweile ist daraus ein ganzes Franchising-Konzept geworden. Insgesamt acht Eisdielen gibt es, die den Namen Rino tragen. Die Besitzer sind eigenständig, aber da sie alle einst bei Rino Bernardi in Ochsenhausen gearbeitet und gelernt haben, kennen sie sich gut und stimmen sich in Sachen Marketing, Ausstattung und Auftritt nach außen ab. Dieser Hintergrund erklärt, warum bei der Deutschen Eismeisterschaft in Rimini im Januar 2025 gleich zwei Gelatieri mit Rino-Trikot auf dem Treppchen standen. Rino Bernardi auf dem zweiten Platz und Thomas Micolino auf dem ersten, der die Rino-Eisdiele in Rottenburg leitet.
Beide sind durch ihre Platzierung auch 2026 bei der Weltmeisterschaft der handwerklichen Eishersteller dabei. An welchem Ort diese stattfindet, steht noch nicht fest. Wie die anderen europäischen und weltweiten Eis-Meisterschaften wird der Austragungsort eine Stadt in Italien sein. Die Wettbewerbe gehören meistens zum Rahmenprogramm großer Messen. So fand auch die Deutsche Meisterschaft im Januar 2025 auf der Eismesse SIGEP in Rimini statt. Dort fand die Deutsche Meisterschaft statt. Beide Rino-Eis-Vertreter setzen dabei auf Eissorten, deren Zutaten einen gewissen gesundheitlichen Vorteil versprechen. Thomas Micolino präsentierte die Sorte "Kamellatte", ein laktosefreies Eis aus Kamelmilch. Auch Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn sollen sie vertragen können. Rino Bernardi trat mit seiner Sorte "Red King" an, mit der er schon verschiedenste andere Wettbewerbe gewonnen hatte. Sie besteht aus Granatapfelsaft und enthält Honig. Dem Granatapfelsaft wird eine antioxidative Wirkung nachgesagt.

Eissorten mit Geschichte
Für den italienisch-oberschwäbischen Eismacher prägen fruchtige Sorten die handwerkliche Herstellung ganz besonders – mit frischen Früchten und möglichst wenig Luft, die in die Eismasse untergerührt wird. "Frische Früchte, die wirklich nach Frucht schmecken", beschreibt er es selbst. Doch die Kunden bevorzugen nicht immer diese Sorten. So nimmt Rino Bernardi immer wieder neue Früchte in Eisform in sein Sortiment auf. Er schwärmt von Kiwi und Aprikose. Zum wirklichen Verkaufsschlager werden derzeit aber eher Sorten, die einen großen Hype erleben wie "Dubai-Schokolade" oder auch der cremige Dauerbrenner "Cookies". Alternativ müsse man Sorten selbst oder mithilfe von Medien und durch Wettbewerbe bekannt machen.

Wie schon bei seiner Sorte "Lilli" – ein Fruchteis aus Weintrauben – rührt Rino auch für "Red King" die Werbetrommel. Auf Plakaten, in der eigenen Rino-Zeitung, auf Speisekarten und den Rino-Eiswagen sind Eisbecher und Eiskugeln der Sorten abgebildet. Und so ist "Red King" im Jahr 2025 auch das am meisten verkaufte Eis in der Eisdiele in Ochsenhausen. Rino ist hier übrigens fast jeden Tag selbst im Café oder hinter der Theke zu treffen. Wenn nicht, verbringt er seine Zeit auch auf den Weinbergen und Granatapfel-Plantagen der Familie Bernardi in Venetien. Denn von dort stammen die Früchte und der Saft, aus denen er seine beiden ganz besonderen Eissorten herstellt.