Mit dem Beginn der Ausbildung wird die Wahl der Krankenkasse zur Pflicht – und zur Chance. Wer sich früh informiert, kann mehrfach profitieren und auch bares Geld sparen. Ein Überblick über Optionen, Fallstricke und Sparpotenziale für Berufseinsteiger.

In wenigen Wochen heißt es für viele junge Menschen: Ausbildungsstart, ab ins Berufsleben, ein aufregender neuer Lebensabschnitt beginnt: Neue Aufgaben und Herausforderungen kommen auf die Berufseinsteiger zu – und zum ersten Mal gilt es auch die eigene Krankenversicherung auszuwählen.
Warum Azubis sich binnen zwei Wochen selbst versichern müssen
Denn: Die Ausbildungsvergütung gilt unabhängig von ihrer Höhe als sozialversicherungspflichtiges Einkommen. Daher müssen sich Azubis bei einer betrieblichen Ausbildung zum Start bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Das gilt auch, wenn man sich für ein duales Studium entscheidet. "Wenn die Auszubildenden nicht innerhalb von zwei Wochen nach Ausbildungsbeginn eine Versicherungsbescheinigung vorlegen, wird der Ausbildungsbetrieb sie bei der Kasse versichern, bei der sie vorher über die Eltern versichert waren", sagt Bianca Boss, Vorstand beim Bund der Versicherten. Diese Kasse kann, muss aber nicht die beste Option für Azubis sein.
Was kostet die Krankenversicherung für Azubis?
Grundsätzlich hat man hierzulande die Wahl zwischen 94 gesetzlichen Krankenkassen. Die grundlegende Absicherung ist bei allen gleich, genauso wie der Beitrag – dieser liegt aktuell bei 14,6 Prozent. Hinzu kommt ein Zusatzbeitrag, wenn die gewählte Krankenkasse ihn erhebt – dieser liegt aktuell durchschnittlich bei 1,7 Prozent. "Der Arbeitgeber und der Auszubildende tragen von dem einheitlichen Beitragssatz sowie dem individuellen Zusatzbeitrag der Kasse jeweils die Hälfte", so Verbraucherschützerin Boss. Ausnahme: Beträgt der Bruttolohn höchstens 325 Euro, übernimmt der Arbeitgeber alle Krankenkassenbeiträge.
Die Krankenkassen unterscheiden sich aber im Detail: Durch Wahltarife sowie Bonusprogramme lassen sich möglicherweise Kosten sparen. Zusätzliche Leistungen, wie Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen, erleichtern die Organisation. Und auch Check-ups könne helfen, die Gesundheit im Blick zu behalten. "Daher ist es sinnvoll, sich frühzeitig zu informieren", sagt Thomas Adolph, Geschäftsführer des Vergleichsportals gesetzlichekrankenkassen.de.
Welche Krankenkasse passt? Sparen mit Bonusprogrammen und Wahltarifen
Für Azubis, die oft wenig Geld haben, sind Sparmöglichkeiten besonders interessant. Zu diesen Möglichkeiten gehören Bonusprogramme und spezielle Wahltarife der Krankenkassen. Darunter fallen sogenannte Beitragsrückerstattungs-Tarife: Wer als versicherter Azubi gesund bleibt, bekommt Geld zurück. Im Krankheitsfall entstehen keine zusätzlichen Kosten. 13 Kassen bieten entsprechende Azubi-Tarife mit Beitragsrückerstattung. Außerdem gibt es Selbstbehalt-Tarife, die laut gesetzlichekrankenkassen.de 23 Kassen anbieten. Wenn ein versicherter Azubi ein Jahr gesund bleibt und keine medizinischen Leistungen nutzt, winkt eine Prämie. Wenn er oder sie in dem Jahr allerdings erkrankt, fällt eine Selbstbeteiligung an – und die ist fast immer höher als die Prämie. Deshalb rät Kassenexperte Adolph bei solchen Tarifen zur Vorsicht: "Schnell entsteht ein finanzieller Nachteil. Bei Tarifen mit Beitragsrückerstattung gibt es dieses Risiko dagegen nicht."
Bonusprogramme wiederum belohnen diejenigen, die regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Es ist ein Prinzip, das auf Gesundheitsleistungen oder Geld basiert. Viele dieser Untersuchungen werden von allen gesetzlichen Krankenkassen finanziell unterstützt. Die meisten belohnen auch eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder Sportverein (jeweils 66 Kassen). Auch das Einhalten bestimmter Körpermesswerte bringt einen Bonus. Es gilt, einen Body-Mass-Index im Normalbereich (27 Kassen) zu halten oder Nichtraucher zu sein (38 Kassen). An Präventionskursen teilzunehmen, wird von 61 Kassen ebenso mit einem Bonus bedacht.
Vorsorgeangebote und digitale Services
Für Azubis in Berufen, in denen überwiegend im Freien gearbeitet wird – etwa auf dem Bau – sind bestimmte Vorsorgeuntersuchungen zudem auch in jungen Jahren relevant. So zahlen dem Vergleichsportal zufolge 70 Kassen die Hautkrebsfrüherkennung auch für unter 35-Jährige. Zusätzlich fördern 35 Kassen einen allgemeinen Check-up für junge Versicherte – diesen gibt es also dann auch öfter als einmal zwischen 18 und 35 Jahren, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist. Viele Kassen bieten außerdem zusätzliche Leistungen an, die auch für Azubis hilfreich sind. 60 Kassen teilen allgemeine Informationen über ihre Social-Media-Kanäle. 69 Kassen haben eine Online-Filiale, über die man zum Beispiel Anträge stellen kann. „Für junge, digital versierte Versicherte spielt das sicher eine wichtige Rolle“, sagt Adolph.
Brauchen Azubis Zusatzversicherungen?
Krankenzusatzversicherungen könnten sich junge Menschen meist sparen, meint BdV-Expertin Boss. "Allenfalls eine Krankenhauszusatzversicherung könnte interessant sein, wenn man Wert auf die Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer sowie Chefarztbehandlung legt." Eine private Zahnzusatzversicherung sei für junge Menschen in der Regel ebenfalls verzichtbar, so Boss – vor allem, weil bei den meisten Tarifen unterm Strich trotzdem noch eine Restzahlung übrig bleibt.
Welche Versicherungen wichtig sind: Richtig abgesichert in die Ausbildung
Zu Ausbildungsbeginn steht das Thema Versicherungen für die meisten Azubis nicht ganz vorne auf der Agenda. Dennoch sollten sie sich damit auseinandersetzen, um im Fall der Fälle Geld zu sparen und abgesichert zu sein. Aber welche Versicherungen sind wichtig?
Die Krankenversicherung ist ohnehin Pflicht. "Daneben sind für Azubis die Privathaftpflichtversicherung und die Absicherung der Arbeitskraft durch eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung am wichtigsten", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Die private Haftpflichtversicherung kommt für Schäden auf, die man anderen zugefügt hat und für die man sonst Schadensersatz zahlen müsste, was gerade im Fall von Personenschaden extrem teuer werden kann. "Oft sind Azubis bis zum 25. Lebensjahr über die Privathaftpflichtversicherung ihrer Eltern mitversichert – sofern diese eine abgeschlossen haben", sagt Boss. Es lohnt sich also, vor Abschluss einer eigenen Police beim Versicherer der Eltern nachzufragen, ob und wie lange man mitversichert ist.
Frühzeitig Arbeitskraft absichern
Die Absicherung der Arbeitskraft durch eine private Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist auch für junge Menschen besonders wichtig. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente wird in den ersten fünf Jahren nur nach einem Arbeitsunfall oder bei einer Berufskrankheit gezahlt. Und auch danach sind ihre Leistungen oftmals zeitlich befristet und in der Höhe nicht ausreichend, um den Lebensstandard zu sichern. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine vereinbarte Rente, wenn der zuletzt ausgeübte Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann. Die Höhe der Versicherungsprämie hängt neben der Berufsgruppe auch vom Alter und gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Vertragsbeginn ab. "Wir empfehlen daher, sich möglichst früh um eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bemühen", betont Boss. Wichtig dabei: Professionelle Beratung durch anbieterunabhängige Experten – denn hier kommt es auf jedes Detail an. czy