Social Media im Handwerk "Zeig keine Baustellen": Welche Inhalte für Bewerber sorgen

Ein Gespräch mit Coach und Handwerksunternehmer Liborio Manciavillano – über erfolgreiche Social-Media-Formate, die Krux mit der Authentizität und Erfolgsbeispiele aus dem Handwerk.

Ob auf TikTok, Instagram oder Facebook: "Die Kommentarsektion zeigt oft mehr als die Like-Zahlen", sagt Liborio Manciavillano. - © Ivica Drusany - stock.adobe.com

Herr Manciavillano, wenn Sie in Ihren Coachings nach Erfolgsbeispielen aus dem Handwerk gefragt werden – welche drei Social-Media-Accounts führen Sie dann als Vorbilder an?

Liborio Manciavillano: Zunächst unseren eigenen Auftritt "sas_bauwerksabdichtung". Warum? Weil er authentisch zeigt, wie ein Handwerksbetrieb durch kontinuierliche Sichtbarkeit, echten Einblick in den Alltag und klare Positionierung zu einem starken Magneten für Bewerber und Kunden wird. Es steckt kein Hochglanz, sondern ehrliche Arbeit dahinter. Ein weiteres Beispiel ist "wohnartgmbh". Der Instagram-Account von Ben Engelmann war vor dem Coaching bei uns kaum sichtbar. Heute bekommt er durch eine kontinuierliche, authentische Content-Strategie regelmäßig Bewerbungen von qualifizierten Fachkräften. Mein drittes Beispiel ist "zimmereirank". Vor unserem Coaching hatten Martina und Ronald Rank nur wenige hundert Follower. Mit der richtigen Strategie sind sie auf über 10.000 Follower innerhalb weniger Monate gewachsen. Um Bewerbungen müssen sie sich keine Sorgen mehr machen.

Was machen diese Betriebe besser – und woran erkennt man, dass ihre Strategie wirklich funktioniert?

Sie verstehen Social Media nicht als Schaufenster, sondern als Bühne für echte Geschichten. Die Kommentarsektion zeigt oft mehr als die Like-Zahlen: Wenn potenzielle Azubis kommentieren "Cooles Team, würde ich gern mal reinschnuppern", ist das der erste Schritt zum Kontakt. Entscheidend ist: Diese Betriebe sind wiedererkennbar. Man weiß sofort, wofür sie stehen – und was sie nicht sind.

Gibt es Inhalte oder Formate, die besonders gut in echte Bewerbungen umschlagen – also Likes in Lehrverträge verwandeln?

Liborio Manciavillano
Liborio Manciavillano führt selbst einen Handwerksbetrieb, der sich auf Hausabdichtungen spezialisiert hat, und leitet außerdem mit der Handwerks-Schmiede ein Beratungsunternehmen, das Handwerksunternehmer unterstützt. - © 2025 HWS Handwerks-Schmiede GmbH

Am besten funktionieren Formate, bei denen Menschen im Mittelpunkt stehen. Das kann die Vorstellung des Teams mit ehrlichen, ungefilterten Statements sein – etwa auf die Frage: "Was gefällt dir an deinem Job?" Auch Formate wie "Ein Tag mit..."-Reels kommen sehr gut an. Sie zeigen einen Azubi oder Mitarbeiter von Arbeitsbeginn bis Feierabend. Wirkungsvoll sind auch Behind-the-Scenes-Videos und Humor: Ein Chef, der sich nicht zu schade ist, sich auch mal zum Horst zu machen, bleibt im Kopf. Die Magie entsteht, wenn sich ein Jugendlicher denkt: "Da könnte ich auch arbeiten." – das ist der Moment, in dem Likes zu echten Bewerbungen werden.

Sie sagen, ehrliche Einblicke und Humor funktionieren gut auf Social Media. Ist das nicht nur etwas für Leute, die gern im Rampenlicht stehen, extrovertiert sind oder sich gut inszenieren können?

Überhaupt nicht. Es geht nicht darum, Comedy zu machen oder Influencer zu spielen. Es geht darum, sichtbar zu sein – auf deine Art. Wer ruhig und sachlich ist, kann genau dadurch Vertrauen aufbauen. Wichtig ist: Sei du selbst, keine Kopie. Die Menschen merken, ob etwas echt ist oder nicht. Authentizität schlägt Inszenierung – jedes Mal.

Nun ist Authentizität längst kein Geheimtipp mehr. Was ist ein Aspekt, den die meisten Betriebe noch nicht auf dem Schirm haben?

Viele glauben, Authentizität heißt, einfach draufloszuposten. Doch echte Authentizität entsteht erst, wenn man sich positioniert. Die meisten wissen gar nicht, wofür ihr Betrieb wirklich steht. Wer seine Werte, seine Vision und seine Kultur nicht kennt, kann sie auch nicht zeigen. Authentisch sein heißt: Klarheit über sich selbst haben.

Wie viel Aufwand steckt realistisch hinter einem erfolgreichen Auftritt? Viele Betriebe fürchten: Das frisst zu viel Zeit – was entgegnen Sie ihnen?

Zu Beginn braucht es etwas Anlauf – wie beim Muskelaufbau. Aber wer einmal ein System hat, kann mit zwei bis vier Stunden pro Woche enorme Wirkung erzielen. Der Schlüssel liegt in Planung und Wiederverwendung: Ein gutes Video kannst du als Reel, Story und Post nutzen. Und ganz ehrlich: Wer heute keine zwei Stunden pro Woche für Azubi- und Mitarbeitergewinnung investiert, zahlt morgen den Preis in Form von Umsatzeinbußen.

Zum Schluss: Wenn Sie einem Betrieb nur einen Tipp mitgeben dürften, der sofort die Qualität seiner Azubi-Kommunikation auf Social Media verbessert – welcher wäre das?

Zeig Gesichter, keine Baustellen. Junge Leute interessieren sich nicht zuerst für Materialien oder Technik – sie wollen wissen, mit wem sie arbeiten. Sobald du dein Team sichtbar machst, gewinnt dein Betrieb ein Gesicht – und damit Vertrauen.