TV-Kritik: "Azubi-Storys" Eine Serie, die jungen Menschen Lust aufs Handwerk macht

Zu wenige junge Leute haben Interesse am Handwerk – diese Klage ist so bekannt wie richtig. Umso besser, dass sich die ARD nun in einer zehnteiligen Reihe den Erlebnissen von Auszubildenden widmet – und das in einer derart unterhaltsamen und offenen Art, dass es wirklich Werbung für das Handwerk ist.

"Azubi Storys": Die zehn Folgen à 30 Minuten sind in der ARD Mediathek zu sehen. - © Screenshot: ARD Mediathek "Azubi Storys"

Dass nicht alles von Beginn an reibungslos klappen kann, ist eine Binsenweisheit in der handwerklichen Ausbildung. Es macht aber schon einen Unterschied, in welchem Beruf. Friseur-Azubine Denise ist entsprechend aufgeregt, als sie zum ersten Mal sozusagen am lebenden Objekt tätig werden darf. "Das sieht ja sonst nicht gut aus", sagt sie (im Original in einer etwas derberen Form) über die Folgen einer vermasselten Tönung. Doch ihr Ausbilder André hat stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte seiner Auszubildenden – und sieht entsprechend schnell, wenn etwas schiefgeht. Und auch wenn die Tönung von Denise am Ansatz ein wenig zu ausladend aufgebracht war, so ist der erste Dienst am Kunden doch alles in allem gut gelungen.

Gute Auswahl der Azubis

Es ist diese Mischung aus Azubi-Lockerheit und fachlichem Hintergrund der Ausbilder, die die ARD-Serie "Azubi-Storys" einerseits authentisch, andererseits aber auch aus handwerklicher Sicht interessant macht. Klar, für die Kamera wurden mit Sicherheit nur grundsätzlich sympathische und fachlich talentierte Azubis sowie Ausbilder ausgewählt, die ihren Job in Perfektion beherrschen. Dennoch macht die Serie Lust aufs Handwerk, weil sie eben auch die mitunter schwierigen Momente in der Ausbildung – vor allem ganz zu Beginn – zeigt. "Manchmal geht was schief", heißt es schon direkt zu Beginn der Ankündigung, die die ARD zur Serie verfasst hat.

"Mein Studium hilft mir überhaupt nicht"

Bei Zimmerer-Azubi Lasse und seinem Ausbilder merkt der Zuschauer von Beginn an eine große Vertrautheit und auch Professionalität im Umgang. Kein Wunder, ist Lasse doch bereits Mitte 20 und hatte zuvor schon studiert. Klar, dass hier zwei junge Menschen in einem ähnlichen Alter gut miteinander können. Doch wenn es ums Fachliche geht, ist der Ausbilder der Chef. "Mein Studium, jetzt gerade so hier auf der Baustelle hilft es mir überhaupt nicht", gesteht Lasse. Beim Anbringen und Ausbauen eines Balkons beispielsweise muss er lernen, dass es gerade im Detail einiges zu beachten gilt und kennt eben noch nicht alle Tricks und Kniffe, um beispielsweise die Längen der Holzständer auf ein einheitliches Maß zu bringen. Da kam Lasses Spruch "Hoch die Hände, Wochenende" möglicherweise einen Tick zu früh. Und auch beim Einbau eines Dachfensters, dessen Umrisse erst einmal ausgeschnitten werden müssen, tut sich der Azubi ein wenig schwer. "Lass mich dir das mal zeigen, bevor du dich umbringst", sagt der Ausbilder scherzhaft, und beide lachen.

Der schwimmende Gerüstbauer-Azubi

Lustig, dabei aber auch mit klaren Hierarchien, geht es auch bei Gerüstbauer-Azubi Vadzhib zu. Als er mit anderen Kollegen ein Gerüst um ein Schloss, das saniert werden soll, baut, kommt Ausbilder und Kolonnenführer Michael plötzlich mit einem, wie er es nennt, "Spezialauftrag" ums Eck. "Was will er denn jetzt?", denkt sich der Azubi noch – und schon ist er mit einem Neoprenanzug im Wasser, um einen Teil des Gerüsts von dort aus anzubringen, da das Schloss über einen Wassergraben verfügt. "Ich hoffe, ich treffe jetzt keinen Fisch", sagt Vadzhib noch scherzhaft, nimmt die Gerüstteile in die Hand und beginnt mit seiner Arbeit. Klar, dass das Gerüst am Ende sicher steht und die Arbeiten weitergehen können.

Werbung für Ausbildungsberufe

Neben klassischen Handwerksberufen werden in der Dokumentation, die im WDR und in der ARD-Mediathek zu sehen ist, zudem unter anderem noch eine angehende Binnenschifferin, die beim Anlegen eines Schiffes von vielen Menschen beobachtet wird, ein Schädlingsbekämpfer, der Eichenprozessionsspinner von einem Baum entfernt, und eine Krankenpflegerin, die auf Station arbeitet, mit der Kamera begleitet. Allen Azubis ist gemein, dass sie ihren Job gerne machen, lernwillig sind und mit ihren Ausbildern gut zusammenarbeiten.

Der Zuschauer bekommt dadurch letztlich eine unterhaltsame Serie, die einerseits mit den Vorurteilen über junge Menschen in der Arbeitswelt aufräumt, und andererseits Werbung für Ausbildungsberufe macht. Denn wie man bei Lasse, dem angehenden Zimmermann, sieht, muss es nicht immer ein Studium sein. Die Arbeit auf der Baustelle scheint ihn zumindest mehr zu erfüllen als das Sitzen im Hörsaal – und mit seinem versierten, verschmitzten und dennoch einfühlsamen Ausbilder hat er offenbar mehr Spaß als mit den früheren Professoren.

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