Fachkräfte gewinnen und gesund halten Handwerker sind fit – was nötig ist, damit es bis zur Rente so bleibt

Chefs können entscheidend dazu beitragen, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihres Teams zu erhalten. Was sich Beschäftigte wünschen, wo Arbeitgeber falsch liegen und in welchen Bereichen das Handwerk besonders gut abschneidet – aktuelle Studienergebnisse und Gesundheitstipps von Sportwissenschaftler Ingo Froböse.

Sportwissenschaftler und Gesundheitsexperte Ingo Froböse auf der Bühne der Zukunft Handwerk.
Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln präsentierte auf der Zukunft Handwerk die Studie "So gesund ist das Handwerk". - © IKK classic

Handwerker sind fitter als die Gesamtbevölkerung in Deutschland. Während 85 Prozent der Handwerker ihren Zustand als gut oder sehr gut einordnen, behaupten das im Querschnitt der Bevölkerung nur 70 Prozent von sich. "Unsere Studie zeigt eindrucksvoll, dass das Handwerk nicht nur ein zentraler Wirtschaftsmotor ist, sondern auch mit einer hohen Gesundheitskompetenz überzeugen kann", freut sich Frank Hippler, Vorstandsvorsitzender der IKK classic.

Alle zwei Jahre lässt die Krankenversicherung in Zusammenarbeit mit der Sport­hochschule Köln untersuchen, wie es um die Gesundheit von Handwerkern steht.

Leistungsfähigkeit kann steigen

Professor Ingo Froböse, Sportwissenschaftler für Prävention und Rehabilitation, präsentierte auf der Zukunft Handwerk die jüngsten Ergebnisse. "Die wichtigste Aufgabe des Lebens besteht darin, dass wir uns darum kümmern, möglichst resilient zu sein", so der Wissenschaftler. Die Leistungsfähigkeit bleibe bis ins Alter erhalten oder steige sogar, vorausgesetzt, dass Be- und Entlastung sich sinnvoll abwechseln und Beanspruchungen mit dazu passenden Maßnahmen ausgeglichen werden. "Dadurch erreichen wir sogar manchmal eine bessere Leistungsfähigkeit im Alter", betonte Froböse, dass fit sein bis zur Rente auch im Handwerk möglich ist.

Resilienz oder Ermüdungswiderstandsfähigkeit setze aber eine gewisse Herz-Kreislauf-Funktion voraus. 150 Minuten Ausdauertraining empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation pro Woche. Im Handwerk erfüllen knapp 60 Prozent diese Vorgabe, fast die Hälfte muss aktiver werden. Schlechter ist die Quote beim Muskeltraining, das mindestens zweimal pro Woche nötig ist. 38 Prozent der Handwerker erreichen diesen Wert – mehr als der Rest der Bevölkerung, trotzdem zu wenig.

Arbeit ist kein Krafttraining

Die Arbeit allein genügt nicht als Krafttraining, räumte Froböse mit einem alten Vorurteil auf. Der Anteil der Handwerker, die über schwere körperliche Arbeit berichten, liegt laut der Befragung nur noch bei zehn Prozent. Rund 40 Prozent geben an, mäßig anstrengend aktiv zu sein, und knapp die Hälfte der Handwerker arbeitet sitzend oder stehend. "Das Handwerk hat sich verändert", verwies Froböse auf verbesserte Arbeitsprozesse, Technologien und ergonomische Hilfsmittel. Dadurch müssten Handwerker in ihrem Bewegungsbedarf wie die restliche Gesellschaft betrachtet werden und sich körperlich stärker betätigen.

Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, sich Sportangebote des Betriebs zu wünschen, allen voran Rückentraining und allgemeine Bewegungsangebote, die bis in die Familie und die Freizeit hineinreichen dürfen. 13 Prozent wünschen sich eine noch gesundheitsförderlichere Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen und ebenso viele würden von Angeboten zur Stressbewältigung und Entspannung profitieren.

Arbeitgeber schätzen Wünsche falsch ein

Grafik mit Säulen zur Selbsteinschätzung, ob man arbeitsfähig ist bis zur Rente.
Grafik mit Säulen zur Selbsteinschätzung, ob man arbeitsfähig ist bis zur Rente.

Diese Wünsche der Beschäftigten weichen von den Vorstellungen der Arbeitgeber ab, hat die Befragung gezeigt. Chefs glauben, dass sie vor allem mit gutem Arbeitsklima die Gesundheit ihres Teams fördern. Nur 27 Prozent nennen an zweiter Stelle Sport und Bewegung. "Das muss abgeglichen werden", empfahl Froböse zu klären, was die Belegschaft tatsächlich braucht.

Bei allen Maßnahmen gebe es zwei Altersgruppen, die Arbeitgeber am meisten in den Blick nehmen müssten, so der Wissenschaftler. Neben den Älteren sei es wichtig, vor allem junge Menschen, die gerade erst ins Arbeitsleben eintreten, an das Thema Gesundheit heranzuführen. Denn ausgerechnet die Jüngsten sind laut der Studie am wenigsten resilient.

Schon die 20- bis 49-Jährigen waren laut Froböse nicht optimistisch, ob sie die an sie gestellten Anforderungen langfristig durchhalten könnten. "Die Betriebe sollten also überlegen, wie sie diese Gruppen mit gezielten Maßnahmen gut und langfristig im Arbeitsprozess halten können." Froböse verwies hierzu auf Kooperationsmöglichkeiten mit Krankenkassen wie der IKK classic. "Die betriebliche Gesundheitsförderung sollte ein völlig natürlicher Bestandteil eines Unternehmens werden", riet der Gesundheitsexperte.