Wer für die Ausbildung umzieht, braucht eine günstige Wohnung und gute Begleitung. Der Bedarf ist hoch, die Zahl der Angebote wächst. Doch es gibt auch noch viele Probleme beim Azubiwohnen.

Über 70.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, gleichzeitig mehr als 26.000 junge Leute ohne Ausbildungsplatz: Die Zahlen des Berufsbildungsberichts 2024 zeigen, dass es zwar Stellen und Nachfrager gibt, diese aber nicht immer zusammenkommen. "Ob ein Ausbildungsplatz besetzt werden kann, hängt mitunter auch davon ab, ob es Wohnmöglichkeiten für Azubis gibt", betont der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Vor allem in Ballungsräumen stünden Auszubildende mit Studenten und Geringverdienern im Wettbewerb um bezahlbaren Wohnraum.
Platz im Azubiwohnheim verlangt Ehrenamt
München als Deutschlands teuerste Stadt für Mieter ist dafür das beste Beispiel. Ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft kostet hier im Schnitt über 600 Euro kalt, zu viel für Azubis. Folglich ist das Angebot des Azubiwerks begehrt.
463 Wohnplätze für Auszubildende hat dieses gemeinsame Projekt der Stadt München, des Kreisjugendrings und der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes derzeit. Weitere 339 Plätze sind in Arbeit. 15 Prozent der derzeitigen Bewohner machen eine handwerkliche Ausbildung. Die Chance, einen der begehrten Plätze zu ergattern, hängt von der Höhe der Ausbildungsvergütung, ehrenamtlichem Engagement sowie der Dringlichkeit der aktuellen Wohnsituation ab.
Programm "Junges Wohnen" soll für mehr Azubiwohnungen sorgen
Bisher hat die Stadt München das subventionierte Azubiwohnen ausschließlich aus kommunalen Mitteln finanziert. Für laufende und künftige Projekte wollen die Stadtplaner aber Fördergelder über das Programm "Junges Wohnen" nutzen. Dieses Bundesprogramm ist im März 2023 im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus gestartet. Es soll die Länder dabei unterstützen, Wohnheimplätze für Studenten und Auszubildende zu schaffen beziehungsweise vorhandene Heime zu modernisieren.
Jährlich stellt die Bundesregierung 500 Millionen Euro bereit, die Länder in der Regel ebenso viel. 2023 hat der Bund Fördermittel für 4.200 Wohneinheiten bewilligt. 2024 sind es nach vorläufigen Zahlen knapp 10.000, darunter 7.000 Neubauten oder -käufe. Sowohl für 2025 als auch für 2026 und darüber hinaus ist laut Bundesbauministerium eine Fördersumme von 500 Millionen Euro jährlich vorgesehen.
Azubiwohnen wichtiger Beitrag für Gleichwertigkeit
Der ZDH begrüßt das Programm. Es sei ein gutes Signal und ein wichtiger Beitrag für mehr Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Gleichzeitig gebe es noch Verbesserungsbedarf beispielsweise bei der Förderung von temporären Wohnangeboten. In Bayern und Baden Württemberg zum Beispiel sind Internate an überbetrieblichen Bildungszentren vom Programm "Junges Wohnen" ausgeschlossen. Dabei machen laut Verband der Kolpinghäuser Blockschüler in diesen beiden Bundesländern 80 Prozent der Bewohner von Jugendwohneinrichtungen aus. Tendenziell nehme Blockbeschulung zu, weil Berufsschulen für verschiedene Ausbildungsberufe geschlossen werden. Dann müssen Auszubildende zu weiter entfernten Schulen reisen und dort wohnen.
Begleitung für Minderjährige bewahrt vor Ausbildungsabbrüchen
Weiteren Nachbesserungsbedarf sehen die Kolpingwerke beim sozialpädagogisch begleiteten Azubi- und Jugendwohnen. Dies sei in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen von der Förderung ausgeschlossen, bringe aber 200.000 junge Menschen pro Jahr unter. Die Verbindung von Wohnraum mit Freizeitangeboten und Unterstützung bei persönlichen und ausbildungsbezogenen Anliegen sei wertvoll, vor allem für minderjährige Azubis und junge Leute, die aus dem Ausland angeworben wurden. Laut Verband der Kolpinghäuser lasse sich die Begleitung an der Quote der Ausbildungsabbrecher ablesen. Diese betrage nach Einschätzung der pädagogischen Fachkräfte bei Kolping nur fünf Prozent, bundesweit 30 Prozent.
Sozialpädagogisch begleitetes Azubi- und Jugendwohnen
Neben der Handwerksorganisation selbst spielen bei der Unterbringung von Auszubildenden auch Anbieter des sozialpädagogisch begleiteten Azubi- und Jugendwohnens in Deutschland eine wichtige Rolle.
- Trägerübergreifend bieten sie:
- 20.000 Plätze
- jährlich werden geschätzt 200.000 junge Menschen untergebracht
- 500 gemeinnützige Einrichtungen
- Rund 25 Prozent davon in katholischer Trägerschaft
- Geschätzt: 30 Prozent Blockschüler, 30 Prozent duale Auszubildende, 30 Prozent andere (Azubis refinanziert über die Jugendhilfe, Azubis in schulischer Ausbildung, Schüler, Praktikanten, FSJ, …)
- In Trägerschaft von Kolping in ganz Deutschland:
- 35 Häuser (in Trägerschaft des Kolpingwerk Deutschlands oder in Trägerschaften örtlicher Kolpingsfamilien)
- In einer internen Umfrage liegt der ungedeckte Bedarf im Median bei 20 Prozent, abhängig von der Region. In Großstädten wie München, Frankfurt oder Köln sind es teilweise bis zu 400 Prozent, in den kleineren Städten kann der Bedarf gut gedeckt werden.
- Die Initiative "Auswärts Zuhause – Azubi- und Jugendwohnen" in Rechtsträgerschaft des Verbandes der Kolpinghäuser vernetzt die Einrichtungen des sozialpädagogisch begleiteten Azubi- und Jugendwohnens bundesweit. Auf der Landkarte kann bundesweit nach Einrichtungen gesucht werden: https://auswaerts-zuhause.de/
- Die Bundesagentur für Arbeit schätzt den Investitionsbedarf im sozialpädagogisch begleiteten Azubi- und Jugendwohnen auf rund 830 Millionen Euro.