Nach sechs Jahren im Ausland kehrte Eva Mayr in den elterlichen Betrieb zurück und krempelte alles um: neues Gebäude, neue Maschinen, neue Kundenstruktur und ein starkes Augenmerk auf die Mitarbeiter.

Die traditionsreiche Schreinerei Mayr & Söhne in Schwendi wird bereits in fünfter Generation geführt. Doch als Eva Mayr den Betrieb von ihrem Vater übernahm, stellte sie vieles auf den Kopf. Ihr Weg dorthin war alles andere als geradlinig und voller Herausforderungen.
Denn zuvor war Mayr über sechs Jahre in der Automobilbranche in den USA tätig. Doch ihre Leidenschaft für Holz und Möbel ließ sie nicht los. "Ich habe dann den Betrieb von meinem Vater übernommen, ihn aber komplett umstrukturiert." Dabei konnte Mayr vor allem auf ihr berufliches Wissen zurückgreifen: "Die Erfahrungen haben mir sehr geholfen, insbesondere im Bereich Automatisierung und Planung."
Mit einem neuen Gebäude, einem modernen Maschinenpark und einer anderen Kundenstruktur hat sie die Schreinerei in die Zukunft geführt. Jetzt ist Mayrs Betrieb bestens ausgestattet. Denn: "Die Zeiten, in denen das Schreinerhandwerk nur mit Schleifen und Lackieren assoziiert wurde, sind vorbei", sagt die Inhaberin. So gehören mittlerweile nicht nur Säge und Schleifpapier zum Inventar, sondern auch eine 5-Achs-CNC, eine Vakuumpresse, Lasertechnologie und Deutschlands größtes Plattenlager.
Qualitative Ausbildung im Fokus
Die modernen Geräte und der Einblick in das Schreinerhandwerk der aktuellen Zeit sind dabei auch für die Ausbildung wichtige Bausteine. Mayr: "Unsere Azubis sollen von Beginn an gut betreut werden und alle Facetten des Schreinerhandwerks kennenlernen." Im Schnitt beschäftigt Mayr zwischen zwei und vier Auszubildende. Mehr wären zwar möglich, dann könnte aber schnell die Qualität der Ausbildung leiden, sagt Mayr.
Bei der Nachwuchsarbeit engagiert sich der Betrieb stark. So werden immer wieder Praktikantinnen und Praktikanten, Ferienarbeiter oder andere Interessierte eingeladen, um sich ein Bild des Schreinerberufs zu machen. "Es ist uns wichtig, jungen Menschen das Schreinerhandwerk näherzubringen – ganz unabhängig davon, ob sie später bei uns, bei einem Kollegen oder in einer anderen Branche arbeiten", sagt Mayr.

Social Media als Schlüsselfaktor
Für die Nachwuchsgewinnung spielt Social Media in Mayrs Betrieb eine zentrale Rolle. Die Schreinerei ist hier aktiv. "Social Media ist ein wichtiges Werkzeug, um das Schreinerhandwerk modern und spannend darzustellen. Das ist eine tolle Möglichkeit, junge Leute zu erreichen", so Mayr. Doch die Schreinermeisterin betont auch, dass die Mundpropaganda nach wie vor eine große Rolle spielt. "Wir hatten schon Bewerbungen, die ausschließlich über Empfehlungen aus unserem Team zustande kamen." Besonders auffallend ist auch der Abschluss der Bewerber und Azubis. Denn auch immer mehr Abiturienten seien am Schreinerhandwerk interessiert.
Herausforderungen im Handwerk
Wie viele Betriebe spürt auch die Schreinerei Mayr, dass die Nachfrage zurückgeht. "Wir sind momentan gut ausgelastet, aber wir müssen hart daran arbeiten, dass das so bleibt", erklärt Mayr. Besonders wichtig ist ihr, das Team langfristig zu motivieren. Regelmäßige Schulungen, Team-Events und eine offene Unternehmenskultur sind für sie der Schlüssel. "Wenn Mitarbeitende sich wohlfühlen und weiterentwickeln können, bleiben sie gerne im Betrieb."
Mayrs Ziel ist es, weiterhin die Vielseitigkeit des Schreinerhandwerks zu zeigen – und das Handwerk als zukunftsfähigen Beruf zu stärken. Dabei können moderne Techniken und das Nutzen von Social Media helfen. "Das Schreinerhandwerk ist mehr als Tradition. Es ist modern, vielseitig und kreativ. Das müssen wir vorleben", sagt Eva Mayr.