Die Brüder Luis und Emilio Medina Munoz sind angehende Land- und Baumaschinenmechatroniker. Nach dem Feierabend betreiben sie den schnellsten Mannschaftssport der Welt – und auch der hat natürlich mit PS zu tun.

Welche Sportart könnte das sein? Zwei Mannschaften mit je vier Feldspielern und einem Torhüter stehen sich gegenüber. Es gilt, einen 40 Zentimeter großen und 1,2 Kilo schweren Ball im gegnerischen Tor zu platzieren. Ein Spiel dauert viermal 20 Minuten. Zum Tore schießen dürfen beide Füße, ein Vorderrad und ein Hinterrad benutzt werden. Zum Betreuerteam gehören neben einem Physiotherapeuten auch Mechaniker.
Gigantische Fahrzeuge und Motorräder
Noch nie von einer solchen Sportart gehört? Dann wird es Zeit, einmal nach Halle zu einem Motoball-Spiel zu gehen, früher Motorrad-Fußball genannt. Seit 55 Jahren wird dieser Sport beim 1. MBC 70/90 Halle ausgeübt – seit 1993 sogar in der ersten Bundesliga. Zur Mannschaft gehören auch zwei junge Handwerker. Als angehende Land- und Baumaschinenmechatroniker warten und reparieren die Zwillinge Luis und Emilio Medina Munoz tagsüber gigantische Fahrzeuge, nach Feierabend dreht sich bei ihnen dann alles um Motorräder.
Die Leidenschaft für alles, das PS hat, teilen die 19-jährigen Brüder seit ihrer Kindheit. "Unser Großonkel war als Landwirt in einem Agrarunternehmen tätig und wir haben schon mit acht Jahren auf Traktoren und Mähdreschern gesessen. Auch unser Großcousin und unser Cousin sind in der Landwirtschaft tätig", erzählt Emilio Medina Munoz.
Komplexe Technikwunder
Ihre Ausbildung als Land- und Baumaschinenmechatroniker absolvieren Emilio und Luis beim Unternehmen Deppe & Stücker in Wettin-Löbejün. Jetzt im Dezember stehen die schriftlichen Prüfungen an, dann neigen sich dreieinhalb Jahre Lehrzeit dem Ende entgegen. Während Luis sich auf Mähdrescher spezialisiert hat, liegt Emilios Fokus auf Traktoren. Eine Spezialisierung ist in der Land- und Baumaschinentechnik inzwischen nötig, denn die Maschinen sind heute komplexe Technikwunder und ein Expertenwissen auf allen Gebieten kaum erreichbar. Wissen allein reicht für den Beruf des Land- und Baumaschinenmechatronikers übrigens nicht. Man muss auch eine Leidenschaft für große Fahrzeuge mitbringen und eine gewisse Flexibilität. Egal, ob es regnet oder sehr heiß ist – wenn ein Fahrzeug defekt ist, geht es für den Mechatroniker zumeist nach draußen. Die wenigsten Reparaturen erfolgen in der Werkhalle. Auch spontane Einsätze gehören zum Job. Zwar wird nicht in Schichten gearbeitet, aber gerade während der Erntezeit gibt es nicht immer getaktete Acht-Stunden-Tage. "Der Beruf ist schon herausfordernd", sagt Luis. "Dafür gibt es viel Abwechslung", ergänzt Emilio.
Erfahrene Bundesliga-Spieler
Wenn der Arbeitstag vorbei ist, widmen sich die Zwillinge ihren Hobbys. Seit 2013 sind beide bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv. Seit 2017 spielen sie Motoball beim 1. MBC 70/90. Ihre Mutter habe damals in der Zeitung über den Sport gelesen, so seien sie zum Verein gekommen – mit gerade einmal 13 Jahren, erinnern sich die Brüder. Gefahren wurden damals 80-Kubik-Zweitakter-Maschinen mit 15 PS. Inzwischen sind Emilio und Luis erwachsen und erfahrene Bundesliga-Spieler. Sie reisen für Spiele weite Strecken quer durch Deutschland und auch in die Niederlande. Wie im Beruf hat auch beim Sport jeder der Zwillinge seine besondere Stärke. Während Luis auf einem 250-Kubik-Zweitakter mit 60 PS über das Spielfeld fährt, steht Emilio ohne Fahrzeug im Tor.
Training und Vereinswerkstatt
Drei Tage in der Woche widmen die jungen Männer ihrem Sport. Einmal in der Woche wird Motoball trainiert, zweimal in der Woche geht es in die Vereinswerkstatt. Zwar gibt es Mechaniker, die die Maschinen warten und reparieren, aber die Spieler müssen sie selbst pflegen und auch in der Lage sein, sie zu reparieren.
Mit dem neuen Jahr starten Luis und Emilio erst einmal in den nächsten Lebensabschnitt. Mit dem Ende ihrer Ausbildung beginnt dann das Berufsleben. Ihrem Ausbildungsbetrieb Deppe & Stücker bleiben die beiden treu.
Im Frühjahr beginnt für die Zwillingsbrüder und ihr Team dann die neue Motoball-Saison. Zum ersten Heimspiel am 5. April tritt die Mannschaft um 15 Uhr in der Schieferstraße 8 im Gewerbegebiet Halle Neustadt gegen den MSC Kobra Malchin an. Der 1. MBC 70/90 Halle ist übrigens der einzige Motoballverein in Mitteldeutschland und freut sich sowohl über neue Mitglieder ab elf Jahren als auch über Sponsoren.