Stellenanzeigen formulieren, die Lust auf Arbeit machen? Eine Herkulesaufgabe, die viele Arbeitgeber überfordert. DHZ-Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg erklärt, wie man sie dennoch meistert – und warnt vor Vorlagen aus dem Internet.

Anfang des Jahres durfte ich eine Steinmetzin bei der Fachkraftsuche unterstützen. Als wir gemeinsam ihre Stellenanzeige überarbeiteten, stellten wir beide fest: Floskeln, nichtssagende Inhalte, die Stellenanzeige hatte nichts Mitreißendes. Es war eine Vorlage aus dem Internet – erwischt. Und ich fragte sie, was sie damit meine, dass ihr Betrieb ein "renommiertes Unternehmen" sei. Stille. Ich fragte weiter, wie Außenstehende so etwas verstehen sollen?
Stellenanzeigen sind oft keine Beschreibung der Tätigkeit mehr, sondern eine Wunschliste. Nicht selten lese ich meterlange Anforderungen an Qualifikationen und Erfahrungen, die mit einem Einstiegsgehalt entlohnt werden sollen. Das funktioniert nicht mehr.
Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten zehn Jahren komplett verändert. Während sich früher 20 oder mehr Interessenten auf eine Stelle bewarben, ist es heute genau umgekehrt. Was auf der einen Seite beängstigend sein kann, ist auf der anderen Seite die Chance, Themen nochmal ganz neu anzupacken. So wird auch die Rekrutierung in der gesamten Personalwelt komplett neu gedacht und weiterentwickelt, was ich mit großer Neugier verfolge.
5 Tipps für eine Stellenanzeige, die wirklich überzeugt
Damit eine Stellenanzeige die gewünschte Aufmerksamkeit erzielt und gleichzeitig die richtigen Kandidaten anspricht, haben sich die folgenden fünf Tipps und Inhalte bewährt:
- Ausschließlich relevante Informationen: Halten Sie sich kurz und formulieren auf den Punkt.
- Überlegen Sie, welche Vorteile es hat, bei Ihnen zu arbeiten und benennen Sie diese konkret.
- Benennen Sie nur die wichtigsten drei Fähigkeiten, die jemand mitbringen soll.
- Der Gehaltsrahmen darf auf keinen Fall fehlen – damit zeigen Sie sich wertschätzend.
- Zeigen Sie, dass das persönliche Kennenlernen wichtiger ist, als zu Beginn alle Unterlagen parat zu haben.
In meinen Workshops oder auch in Einzelgesprächen mit den Handwerksunternehmen streichen wir oft die Hälfte der Inhalte aus den Stellenanzeigen wieder raus und formulieren sie neu. Die Sprache ist ein so unterschätzter Part dabei. Wir sind Handwerker, die Akademiker können geschwollen reden, wir reden Tacheles.
Authentisch bleiben – auch in der Stellenanzeige

Spannend ist für mich auch das Ergebnis einer Umfrage der Job-Plattform hokify vom Februar 2024: Demnach entscheiden sich Bewerber innerhalb von einer bis fünf Minuten, ob sie sich auf eine Stelle bewerben oder nicht. Das bedeutet für unsere Stellenanzeige: Geben Sie alles dafür, dass den Menschen, die Ihre Stellenanzeige lesen, die Füße dabei nicht einschlafen. Seien Sie anders, heben Sie sich von der Masse ab, seien Sie so, wie Sie sind – das klingt schräg? Ist es aber nicht, und ich sage Ihnen auch warum: In der Personalwelt spricht man von den "core values". Übersetzt heißt das, es werden Prinzipien in der Unternehmenskultur genutzt, um einen Kompass für Entscheidungen zu bekommen.
Beispiel? Sie haben bei der Arbeit einen Fehler gemacht. Der Kunde ist sauer und verlangt natürlich Nachbesserung. So wie Sie als Inhaber mit dem Kunden umgehen, ist das auch der Kompass für Ihr Team, mit dem Kunden in dieser Situation umzugehen. Sie leben es vor, Ihre Mitarbeiter orientieren sich daran.
Übertragen wir das auf Ihre Stellenanzeige:
- Sie sind ein sehr genauer Mensch – Formulieren Sie Ihre Stellenanzeige so präzise wie möglich.
- Sie sind ein herzlicher Mensch – Laden Sie zum Kaffee ein, anstatt Unterlagen anzufordern.
- Sie sind ein humorvoller Mensch – Machen Sie ein Video und zeigen Sie sich.
Was wird passieren? Menschen werden auf Sie aufmerksam, weil sie so sind wie Sie oder sie sich jemandem wie Ihnen anschließen wollen. Das nennt man "zielgruppengerechtes Rekrutieren".
So habe ich schon 2012 Facebook für mich entdeckt. Damals hatte ich noch einen eigenen Grabmalbetrieb und suchte Mitarbeiter. Keiner meiner Branchenkollegen nutzte diese kostenlose Plattform. Ich ließ das Handwerk klappern und postete täglich. Und so kam es, dass ich auch irgendwann ein Video postete, in dem ich nach Mitarbeitern suchte. Erfolgreich, es klappte schon damals. Was ich zu dieser Zeit nicht wusste war, dass wir Menschen bis zu 50 "touchpoints" brauchen, um von etwas überzeugt zu werden. Hätte ich also damals schon am zweiten Tag meiner Facebookreise ein Video gepostet, hätte sich das wahrscheinlich nicht mal jemand angesehen. Dadurch, dass man mich, meine Arbeit, mein Gesicht und meine Art inzwischen aber mehrfach gesehen hatte, wurde das Stellengesuch per Video auch erst zum Erfolg.
Holen Sie sich Unterstützung
Ich verstehe es, wenn sich Betriebsinhaber besonders bei der Personalarbeit unsicher fühlen. Niemand kann erwarten, dass wir alles wissen. So wie ein Jurist keine Ahnung von der Verlegung von Polygonalplatten hat, sollte sich auch ein Handwerksbetrieb Unterstützung holen, wenn es nötig ist. Die vielen Aufgaben eines Handwerksbetriebsinhabers sind oft zu zahlreich, um sie alle perfekt zu beherrschen. Es ist in Ordnung, nicht in allem Experte zu sein. Es ist aber nicht in Ordnung, sich der Situation hinzugeben, nichts zu machen und sich dann auch noch zu beschweren. Denn jammern können wir Handwerker doch am besten, oder?
Zum Glück kann man fehlende Fähigkeiten erwerben. Das Internet, Fachmedien, Förderprogramme und Netzwerke sind dabei hilfreiche Partner. Sehr viele der Angebote sind sogar kostenlos. Lassen auch Sie das Handwerk klappern. Überlegen Sie sich, was Sie und Ihren Betrieb ausmacht, schreiben Sie es auf und formulieren Sie eine Stellenanzeige, bei der Sie sich am liebsten selbst bewerben würden.
Hinweis: Im Handwerk dürfen wir es ein wenig entspannter sehen und auch mal ganz neue Wege gehen. Welche das sein könnten, lesen Sie in der nächsten Ausgabe von "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" – die (neue) DHZ-Kolumne mit Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg.