Der Krankenstand bei Beschäftigten bewegt sich im laufenden Jahr auf Rekordniveau. Wie können Vorgesetzte und Teams gut mit der Belastung umgehen?

"Nadine, Robert und Jens haben sich für diese Woche krankgemeldet." Wenn die Teambesprechung schon so beginnt, ist die Stimmung gleich im Keller. Wer soll dafür jetzt einspringen? Müssen die anderen länger bleiben, um das aufzufangen? Und wie kann es sein, dass Nadine schon wieder krank ist?
Bei Krankenständen auf Rekordniveau gehören solche oder ähnliche Szenarien in vielen Betrieben zum Alltag. Können Teams trotzdem einen guten Umgang finden? Drei Punkte, die jetzt wichtig sind:
1. Offener Austausch
Neben dem Thema Prävention findet Eva Schulte-Austum, Wirtschaftspsychologin und Business-Coachin, vor allem einen transparenten und offenen Umgang mit der aktuellen Situation hilfreich. "Anstatt abzuwarten, ob das Team der noch gesunden Mitarbeitenden die Mehrarbeit selbst organisiert, sollte die Führungskraft die Überlastung ansprechen und gemeinsam mit dem Team nach Lösungen suchen."
Dazu gehört auch, dass Führungskräfte über die aktuelle Situation im Team informieren und offen über die Ursachen der Krankenstände und Arbeitsbelastung sprechen, sagt Fabian Krapf vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) in Konstanz. Studien besagen dem Experten zufolge, dass transparente Kommunikation das Vertrauen und die Zufriedenheit im Team fördert.
Wichtig sei, dass die verbleibenden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht das Gefühl hätten, die gesamte zusätzliche Arbeit übernehmen zu müssen. Fabian Krapf empfiehlt deshalb klare Prioritäten und die temporäre Anpassung von Zielen, um Überlastung zu vermeiden.
Im Idealfall gibt es im Betrieb Backup-, Vertretungs- und Springerpläne, die bei Ausfällen für klare Zuständigkeiten sorgen und Überlastung verhindern, indem sie Arbeitsabläufe auch in stressigen Phasen stabil halten. Dazu gehört dem Berater zufolge ebenso, dass – falls möglich – temporäre Lösungen Abhilfe schaffen. Etwa Aushilfskräfte oder die Umverteilung von Aufgaben an andere Abteilungen.
2. Wertschätzung: Emotionaler Airbag gegen die Erschöpfung
Wenn die Belastung hoch ist, weil viele Teammitglieder fehlen, tue vor allem ehrliche Wertschätzung gut, weiß Psychologin Schulte-Austum. Das Gefühl zu haben, dass die Extrameile, die man für kranke Kollegen gehe, nicht als selbstverständlich gelte, sondern anerkannt werde, wirke "kurzfristig wie ein emotionaler Airbag gegen die Erschöpfung".
Die Wirtschaftspsychologin plädiert dafür, in guten und entspannteren Zeiten bewusst in die Beziehung zu Kollegen zu investieren. "Damit zahlen Sie auf Ihr Vertrauenskonto im Team ein", sagt sie. Und je höher der Kontostand, desto leichter laufe die Beziehung. Ein "gut gefülltes Vertrauenskonto im Team" helfe allen Beteiligten, entspannt und gelassen durch stressige Zeiten zu navigieren und Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen.
3. Vorbildfunktion als Führungskraft
Führungskräfte sollten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Wer völlig erschöpft und krank zum Dienst kommt, setzt das falsche Signal – denn das zeigt laut Coachin Schulte-Austum indirekt, was man von den Mitarbeitenden erwartet.
Kurieren sich Führungskräfte dagegen im Krankheitsfall gut aus, ermutige das die Mitarbeiter, das Gleiche zu tun und sowohl ihre eigene Gesundheit als auch die der Kollegen zu schützen, sagt Fabian Krapf. dpa/fre