Ausbildung und Schulung von Klimahandwerkern Wärmepumpe verändert Berufsbilder

2023 drohte das Handwerk zum Flaschenhals beim Wärmepumpenhochlauf zu werden. Bestimmte Interessengruppen forderten deswegen Schnellausbildungen für Wärmepumpenmonteure. Heute hat sich die Diskussion beruhigt, nicht nur wegen der veränderten wirtschaftlichen Lage. Welche Lösungen mittlerweile gefunden wurden.

Monteur installiert Wärmepumpe
Das Handwerk ist nicht mehr die Engstelle beim Wärmepumpenhochlauf. - © Frank Gärtner - stock.adobe.com

"Klimajobs fordern zusätzliche Kompetenzen": So fasst die Bertelsmann Stiftung die Ergebnisse einer Analyse zusammen, für die sie Stellenanzeigen der Wind- und Solarbranche untersucht hat. Die Nachfrage nach Arbeitskräften für erneuerbare Energien steige, allerdings gebe es eine Kompetenzlücke zwischen den konkret geforderten Kenntnissen der Solar- und Windbranche und dem, was in klassischen Handwerksberufen wie der Dachdeckerei oder dem Sanitär-Heizungs-Klimahandwerk (SHK) vermittelt werde.

Es brauche Weiterbildungen für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung, Weiterbildungen für Personen, deren Berufserfahrung in dem Bereich nicht formal anerkannt ist und es brauche Teilqualifizierungen für Ungelernte. Außerdem empfiehlt die Bertelsmann Stiftung die Möglichkeiten für einen gewerkeübergreifenden Beruf "Fachkraft Erneuerbare Energien" zu prüfen.

Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks weist diese Ergebnisse entschieden zurück. "Die Studie verkennt die Realität in unserem Handwerk. Die Kompetenz zur Installation von Photovoltaikanlagen ist bereits seit Jahren fester Bestandteil unserer Ausbildung und wird kontinuierlich weiterentwickelt", betont Jan Voges, Vizepräsident des ZVDH. Bereits die Hälfte aller Innungsbetriebe habe die Weiterbildung zum zertifizierten PV-Manager absolviert und sei bestens für die wachsenden Anforderungen der Branche qualifiziert. "Die Aussage, dass es keine eigenständige Ausbildung zur Montage von PV-Modulen gibt, ist schlichtweg falsch", so Voges.

Streit um Schnellausbildungen für Wärmepumpenmonteure

Die Auseinandersetzung erinnert an den Streit über Schnellausbildungen für Klimaberufe im vergangenen Jahr. Diese Diskussion habe sich sehr versachlicht, sagt Helmut Dittke, Koordinator Handwerkspolitik beim Vorstand der Gewerkschaft IG Metall. "Wir stehen mittlerweile vor einem ganz anderen Problem. Der Absatz von Wärmepumpen ist gegenüber 2023 massiv zurückgegangen." Jetzt erweise es sich als richtig, an der Vollausbildung festzuhalten. Anlagenmechaniker könnten nicht nur Heizungen und Wärmepumpen einbauen, sondern auch Bäder sanieren.

Das bestätigt auch Joachim Krimmer, Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister und ehemaliger Präsident der Handwerkskammer Ulm. "Die Wärmepumpe ist ein Produkt von vielen, das wir einbauen." Deshalb ergebe eine Teilqualifikation speziell für den Einbau von Wärmepumpen auch nach wie vor keinen Sinn. Krimmer: "Wir lehnen die Teilqualifikation ab und halten sie für falsch. Allerdings ist das derzeit auch kein großes Thema, das immer wieder auftauchen würde."

Seit der Debatte des Vorjahres ist viel in Bewegung gekommen. Ein "Runder Tisch Klimahandwerk" des Bundeswirtschaftsministeriums mit Gewerkschaften und Handwerksorganisation habe bewirkt, dass die Bedeutung der dualen Berufsausbildung und der Meisterqualifikation für Gelingen, Qualität und Sicherheit der Energiewende anerkannt wird, sagt Andreas Habermehl, Geschäftsführer Technik und Berufsbildung im Zentralverband der Elektrohandwerke (ZVEH).

Ausbilderschulung, Berufslaufbahnkonzepte, Teilqualifizierungen

Eine aus dem Runden Tisch entstandene "Arbeitsgemeinschaft Fachkräftequalifzierung" eruiert derzeit, wie die bestehenden Instrumente der dualen beruflichen Bildung ergänzt und weiterentwickelt werden können, von der Ausbilderschulung über Berufslaufbahnkonzepte bis zu kurzen Qualifizierungsformaten und Teilqualifikationen. "Unsere Vorstellungen zur Gestaltung von Teilqualifikationen wurden in weiten Teilen aufgenommen", freut sich Habermehl.

Die IG Metall hat den Vorschlag unterbreitet, dass man mit Teilqualifikation so ähnlich umgeht wie mit vor ein paar Jahren mit der Ausbildung behinderter Menschen. Deren Koordinator Handwerkspolitik, Helmut Dittke, sagt: "Da gab es früher auch einen Wildwuchs. Kein Mensch wusste, was da unter diesen ganzen Begrifflichkeiten tatsächlich für Qualifikation hinterlegt waren."

Unterdessen treibt das Handwerk Schulungen bei der Wärmepumpe voran. "Das läuft im Moment auf Hochtouren", bestätigt Joachim Krimmer. Laut Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) haben sich bisher 84 Prozent der Betriebe fit für die Wärmepumpe gemacht. "Unsere Leute haben sich geschult, sie stehen zur Verfügung", sagt Frank Ebisch, Bereichsleiter Kommunikation im ZVSHK. Allerdings seien die Kunden verunsichert. Aufgrund der Marktlage sei der Personalmangel im SHK-Handwerk also aktuell etwas entspannter als vor einem Jahr. Mittelfristig erwarte man aber weiterhin steigenden Fachkräftebedarf.

Knackpunkt Förderung

Krimmer zeigt sich optimistisch: "Die Wärmepumpe ist nach wie vor gut beleumundet. Sofern die Bedingungen passen, ist sie ein ausgezeichnetes Heizsystem." Es komme eben darauf an, wo und wie sie eingesetzt werde. "Im Neubau bauen wir häufig Wärmepumpen ein, im Altbau setzen wir dagegen auf Hybrid-Lösungen." Die Finanzierung dürfe allerdings nicht auf der Förderung basieren. "Das muss man den Kunden klipp und klar sagen."

Der IG-Metall-Vertreter Dittke mahnte in der Förderstruktur eine "klare, ruhige Linie" an – "für die Beschäftigten, für die Betriebe, aber auch für die Verbraucher". Es bedürfe ordnungspolitisch einer Verlässlichkeit. "Es darf nicht jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden", so Dittke. Bei der Wärmepumpe komme es stark darauf an, dass die Politik für bezahlbare Energie durch einen massiven Ausbau der Erneuerbaren, der Infrastruktur sowie ein sozial ausgewogenes Strommarktdesign dafür sorge.

Startups sind ernüchtert

"Starte deine Karriere in der Energiewende. Wir helfen dir beim Quereinstieg ins Handwerk mit geförderten Teilqualifikation." Das versprachen vor rund einem Jahr Firmen, die sich Initiative der Erneuerbare-Energien-Branche "Ohne Hände keine Wende" (OHKW) zusammengeschlossen haben. OHKW-Geschäftsführer Leon Trippel hatte sich damals genau für dieses Instrument ausgesprochen, auch weil es Quereinsteigern und Zugewanderten eine berufliche Perspektive biete.

Ein Jahr später zeigt sich Trippel ernüchtert: "In den letzten Monaten erleben wir leider mal wieder schmerzlich, wie stark die Erneuerbaren von politischen und medialen Debatten geprägt sind." Der starke Rückgang des Ausbaus an Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen sowie die damit verbundenen Entlassungswellen auf Seiten von Industrie und die Insolvenzahlen im Handwerk würden viel verbrannten Boden hinterlassen und einiges an Vertrauensarbeit erfordern, um bei steigender Nachfrage wieder einen Hochlauf zu ermöglichen. Trippel: "Wir haben keine belastbaren Zahlen dazu, aber es lässt vermuten, dass in einer solchen Situation zuerst Neuzugänge und geringqualifizierte (nicht teilqualifizierte) Arbeitskräfte ihren Job verlieren." Dies sei nach aller Aktivität im letzten Jahr "schwer mitanzusehen".

Sein Ziel habe damals primär darin bestanden, einen Vorschlag für mögliche Teilqualifikationsmodelle zu erarbeiten, um eine schnellere Marktentwicklung von Bildungsangeboten zu ermöglichen. "Meine persönliche Erfahrung in Bezug auf Deutschland ist jedoch leider, dass die geförderte Bildung zum Beispiel im Vergleich zu Frankreich massiv bürokratisiert und damit unattraktiv für viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist. Hier sehe ich die größte Hürde neben dem perspektivischen Mangel an Infrastruktur und Schulungskräften", sagt Trippel.

Der OHKW-Geschäftsführer kündigt eine Neuausrichtung seiner Initiative an: "Wir können zwar an der momentanen Marktsituation wenig ändern, setzen uns aber zukünftig in verschiedenen Projekten weiterhin für das Handwerk ein. Dies wird jedoch eher als Think Tank denn als Initiative erfolgen." Der Fokus liege dabei vor allem auf den Themen Infrastruktur, Schulungskräfte und paneuropäischen Ansätzen wie den geplanten Net-Zero Industry Academies.