Klimawende Schnellausbildung zum "Wärmepumpen-Monteur" umstritten

Im Schnellverfahren zur Wärmepumpe? Wenn es nach Vertretern der Industrie geht, sollte die Ausbildung verkürzt und verschlankt werden. Die Gewerkschaft IG Metall ist strikt dagegen. Das Handwerk will mit sich reden lassen, wenn Bedingungen erfüllt werden.

Der Beruf des Anlagenmechanikers ist breit gefächert. Handwerksbetriebe brauchen diese vielseitige Kompetenz. - © Sascha Schneider

Sollte die Lehrzeit verkürzt und verschlankt werden, um rasch mehr Fachkräfte für die Bewältigung der Energiewende zu schulen? Ein Gutachten, das der Heizungsbauer Thermondo in Auftrag gegeben hat, schlägt genau das vor.

Vertreter des Handwerks und Gewerkschafter sehen eine abgespeckte Ausbildung für Wärmepumpen-Monteure aber skeptisch. "Es gibt interessierte Gruppen, die versuchen, die Debatte um die Schmalspurausbildung zu nutzen, um das duale Ausbildungssystem zu schleifen", warnt Helmut Dittke, Koordinator Handwerkspolitik beim Vorstand der Gewerkschaft IG Metall. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) lässt wissen: "Wir brauchen nicht schlechter bzw. weniger ausgebildete Mitarbeiter, sondern mehr und besser ausgebildete Fachkräfte." Helfertätigkeiten oder Arbeiten, für die eine geringere Qualifikation notwendig ist, würden nur nachrangig und oft zeitlich befristet benötigt und könnten mit den aktuell bestehenden Qualifikationsmöglichkeiten bedient werden, so der ZVSHK.

"Es gibt interessierte Gruppen, die versuchen, die Debatte um die Schmalspurausbildung zu nutzen, um das duale Ausbildungssystem zu schleifen"

Helmut Dittke, IG Metall

Der Mangel an Arbeitskräften befeuert die Diskussion um eine Schnellschulung von Monteuren für Wärmepumpen oder Photovoltaikanlagen. Auslöser ist die Klima-, Energie- und Wärmewende. Nach Angaben des ZVSHK fehlen in Deutschland hunderttausende spezialisierte Handwerker, allen voran 60.000 Installateure. Die Bundesregierung hat das ehrgeizige Ziel verkündet, bis 2030 sechs Millionen Wärmepumpen zu installieren. Das geht nur mit dem Handwerk – und falls mehr Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Thermondos Gutachten löst Gedankenspiele aus

Das Gutachten von Thermondo hat für Aufsehen gesorgt. Das Berliner Unternehmen rechnete vor, wie sich mit Hilfe schnell ausgebildeter Monteure die Installation von Wärmepumpen beschleunigen lasse. In der für die Energiewende zuständigen Abteilung des Bundeswirtschaftsministeriums wurden diese Überlegungen zunächst positiv aufgenommen. Inzwischen äußert sich das Ministerium zurückhaltender. "Ideen und Vorschläge, um bestehende Instrumente, Verfahren und Strategien zu verbessern und ergänzen, werden derzeit diskutiert, natürlich auch mit externen Experten und Expertinnen", sagt ein Sprecher des Ministeriums. Axel Kaufmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), kommentiert: "Es ist eine rein politische Frage, ob man zweijährige Berufe erlässt. Sowohl Teile der Arbeitgeber- wie auch der Arbeitnehmervertretungen haben hier Vorbehalte und auch Grundsatzbeschlüsse, zweijährige Berufe nicht zu erlauben."

Jedenfalls hat die Studie Thermondos offengelegt, dass es auch in Handwerk und Industrie Gedankenspiele gibt, inwieweit die Ausbildung von Fachkräften für die Klima- und Wärmewende angepasst werden könnte. Bildungsexperten und Industrievertreter bringen eine beschleunigte Ausbildung ins Spiel, andere liebäugeln mit Teilqualifikationen, Zertifikaten oder einer Qualifikation in mehreren Stufen.

ZDH zeigt sich gesprächsbereit

Nun schaltet sich auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in die Debatte ein. "Wir sind gut aufgestellt, wir wissen aber auch, dass noch weiterer Handlungsbedarf besteht“, sagt ZDH-Präsident Jörg Dittrich. Gleichzeitig lässt Dittrich Gesprächsbereitschaft erkennen: "Wenn wir als Handwerk die Lösungen nicht selbst schaffen, werden sie andere für uns finden. Da ist es mir lieber, wir behalten das Heft des Handelns in der Hand.“

"Wenn wir als Handwerk die Lösungen nicht selbst schaffen, werden sie andere für uns finden."

Jörg Dittrich, ZDH-Präsident

Dittrich spricht sich dafür aus, den "qualifikationsbasierten Ansatz im System der dualen Berufsausbildung" einerseits zu sichern und andererseits weiter auszubauen. Neue Tätigkeitsfelder erforderten neue Kompetenzen und Qualifizierungen, vor allem auch, um übergeordnete politische Ziele in die handwerkliche Praxis zu übersetzen. "Insofern müssen wir akzeptieren, dass bestimmte kürzere Qualifizierungsangebote erforderlich sind, um beispielsweise für den Wärmepumpeneinbau oder die Installation von Photovoltaikpaneelen eine ausreichende Zahl entsprechend qualifizierter Fachkräfte und beispielsweise Quereinstiege für Geringqualifizierte zu erreichen."

Vorbild Bauwirtschaft

Die Bauwirtschaft dient Befürwortern einer Arbeitsteilung zwischen voll ausgebildeten Handwerkern und Helfern als Vorbild. Auf vielen Baustellen arbeiten Helfer, Gesellen und Meister gut zusammen. Seit vielen Jahren gibt es hier sowohl eine zweijährige Ausbildung zum Baufacharbeiter als auch eine dreijährige Ausbildung zum Spezialbaufacharbeiter. "Diese Aufteilung hat sich sehr bewährt", sagt Andreas Lieberknecht, Geschäftsführer des Verbandes baugewerblicher Unternehmen in Hessen.