Hafer erlebt eine Renaissance – ob als Haferflocke oder Haferdrink. Die Nachfrage bringt Landwirte dazu, mehr Hafer anzubauen. Mühlen stellen sich auf das Trendgetreide ein. Damit Hafer aber als regionales Superfood von mehr Handwerksmühlen verkauft werden kann, sind Herausforderungen zu meistern.

Hafer enthält viele Ballaststoffe, er ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen und gilt als Cholesterinsenker. In Zeiten, in denen pflanzliche Milchalternativen immer stärker nachgefragt sind, ist Haferdrink willkommener denn je. Doch Hafer ist auch sensibel. Er mag keinen Frost und deshalb säen Landwirte ihn vorrangig als Sommergetreide erst im Frühjahr aus. Ist es dann zu lange zu trocken, kann er nur schlecht keimen und wachsen. Ist der Sommer zu heiß und der Spätsommer wiederum nass, wie oftmals in den letzten Jahren, leidet die Ernte. Hafer in guter Qualität zu produzieren, erfordert Erfahrung – und Gespür für den richtigen Moment.
Doch die Erfahrung fehlt oftmals, denn Hafer war jahrzehntelang kein Thema auf deutschen Äckern. Erst seit einiger Zeit erlebt er eine regelrechte Renaissance und bekommt auch wieder öfter einen Platz in der Fruchtfolge – ob bei Biobauern oder in der konventionellen Landwirtschaft. Das freut Thomas Staffen, der sich stark dafür einsetzt, dass der Hafer wieder bekannter und beliebter wird – vor allem bei den Bauern, die ihn für die Rubinmühle anbauen, bei der Thomas Staffen arbeitet. Er leitet den Getreideeinkauf in der zwar großen, aber immer noch handwerklich arbeiteten Schälmühle.
Mühlen klären über Superfood Hafer auf
Diese hat mehrere Standorte – in Lahr im Schwarzwald und in Plauen im sächsischen Vogtland. In Plauen steht seit kurzem neben der bisherigen Schälmühle eine der größten Bio-Hafermühlen Deutschlands. Thomas Staffen ist sich sicher, dass die Nachfrage nach Haferprodukten in den nächsten Jahren weiter steigt. "Hafer hat Zukunft", sagt er und hofft, dass das auch noch mehr Landwirte erkennen. So engagiert sich die Rubinmühle gemeinsam mit anderen der Branche und dem Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) in der Initiative Haferanbau. Diese hat unter anderem eine ausführliche Info-Website zum Hafer erstellt. Aufklärung über das viel gepriesene Superfood sei nämlich nicht nur bei den Verbrauchern nötig, sondern in der gesamten Wirtschaftskette rund um das Getreide.
Und dabei geht es nicht nur um die Tatsache, dass Hafer angebaut wird. Es geht auch um die richtige Qualität. "Das Hektolitergewicht sollte möglichst schwer und die Kernausbeute hoch sein", erklärt Staffen. So ließe sich der Hafer gut schälen und weiterverarbeiten. Dies zu ermitteln und immer wieder zu prüfen, gehört zum Alltag der Müller in den Hafermühlen. Zu kämpfen haben diese in den vergangenen Jahren mit einer schwankenden Qualität und mit stark schwankenden Erntemengen. Und dies in einem insgesamt wachsenden Markt zu meistern, ist oftmals eine große Herausforderung.
So zeigen auch aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts, dass die Ernte nach einem guten Wachstumskurs 2021 und 2022 im vergangenen Jahr witterungsbedingt eingebrochen ist. 2024 ordnet der Verband VGMS, der die Zahlen kommentiert, aber wieder positiv ein. So konnte jedes Bundesland in diesem Jahr höhere Erntemengen verzeichnen. Insgesamt stehen nun 705.000 Tonnen Hafer zur Weiterverarbeitung bereit. 2023 waren es lediglich rund 452.000 Tonnen. Ulrich Schumacher, Sprecher der Hafermühlen im VGMS, erklärt dazu ganz klar, dass der Bedarf der Mühlen für die größeren Mengen auch vorhanden sei. Auch er rechnet damit, dass die Absatzchancen beim Hafer weiter stärker steigen. Die Statistik zeigt, dass seit dem Jahr 2008 die Verarbeitungsmenge in deutschen Schälmühlen stetig steigt – konkret um 130 Prozent.
Hafer aus Deutschland: Gute Ernte im Jahr 2024
Derzeit liegt der Selbstversorgungsgrad bei Hafer aus Deutschland bei rund einem Drittel. Bei Weizen liegt er im Vergleich dazu bei nahezu 100 Prozent. Neben Bio-Lebensmitteln sind aber auch gerade die regionalen Waren bei Verbrauchern stark gefragt. Thomas Staffen erklärt, dass man das allerdings nicht zu streng sehen dürfe. So arbeitet er auch viel mit Landwirten aus Tschechien zusammen, denn Plauen liegt nahe der tschechischen Grenze. In Lahr wiederum ist es nicht weit bis nach Frankreich. "Hafer wird sehr viel im Norden angebaut, aber wenn ich ihn von dort ordere, sind die Lkw-Strecken sehr lang, die der Transport erfordert", erklärt er. Regionaler und nachhaltiger sei es also, das Getreide auch aus den nahen Nachbarländern zu bekommen.
Der Getreidemarkt ist ein internationaler, vom Handel gar nicht erst zu reden. Die Statistik alleine für Deutschland zeigt dennoch, dass die Erntefläche auch innerhalb Deutschlands wächst. Von 2023 bis 2024 hat sie um 12,4 Prozent zugelegt. Noch liegt sie aber immer noch unter dem Niveau von 2021 und 2022 – den bisherigen Boom-Jahren des Hafers in der letzten 15 Jahren.
Doch mit den diesjährigen Mengen – immerhin eine Steigerung um 56 Prozent – und den Preisen, die die Mühlen dafür bezahlen, werden die Landwirte motiviert, stärker auf Hafer zu setzen. Laut dem VGMS liegen die Preise derzeit über dem Niveau vom Brotweizen. Vorteile bietet der Hafer aber auch deshalb, weil er deutlich weniger chemische Pflanzenschutz- und Düngemitteln braucht, um gut zu gedeihen. Außerdem bindet er Stickstoff und kann gut als sogenannte Gesundungsfrucht in die Fruchtfolge integriert werden.
Nachfrage nach Hafer steigt weiter
Das Wachstum des Hafermarkts zeigt sich auch im Ausland. So rechnet Schweden nach Angaben des europäischen Handelsverbands COCERAL in diesem Jahr mit einer um 72 Prozent höheren Erntemenge als im Vorjahr und mit elf Prozent mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Für Finnland liegt die Schätzung für 2024 mit einer Steigerung von 25 Prozent. Beide Länder gelten schon seit Jahren als Hauptlieferanten für Hafer in Deutschland.
Die Rubinmühle verarbeitet in Plauen aktuell mehrere hundert Tonnen Hafer am Tag – drei Viertel davon zu Haferflocken und der Rest zu Hafermehl, die Grundlage von Haferdrink. Thomas Staffen geht davon aus, dass diese Werte künftig weiter deutlich steigen. "Es sind vor allem die jüngeren Leute, die stark auf die Milchalternativen setzen und das wird noch mehr werden", lauten seine Prognosen. Bei Trends in Sachen gesunder Ernährung ist Hafer außerdem an vorderster Stelle dabei. Man denke nur an Porridge, Overnight Oats oder Hafer in deftiger Form als Bratling oder in Suppen.