Immer mehr Unternehmen müssen Auskunft über ihr Nachhaltigkeits-Engagement geben. Eine neue Studie untersucht, welche Auswirkungen das auf Betriebe hat.

Um Investitionen in klimaneutrale Unternehmen zu fördern, hat die EU neue Vorgaben und Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt. Die detaillierten Berichtspflichten kosten jedoch nicht nur Zeit und Personal, sondern werden künftig auch deutlich mehr Unternehmen betreffen. Das schreiben Adriana Neligan, Thilo Schaefer und Edgar Schmitz im IW-Kurzbericht 38/2024 unter dem Titel "Nachhaltigkeitsberichterstattung: Ja, aber wie?".
Die Anforderungen sind durchaus umstritten. Zuletzt hatte sich Widerstand dagegen geregt, den Unternehmen in der derzeit angespannten wirtschaftlichen Lage weitere Pflichten aufzubürden.
Das Bundesjustizministerium geht davon aus, dass die Einführung der CSR-Berichtspflicht die Unternehmen in Deutschland einmalig knapp 750 Millionen Euro kosten wird, den jährlichen Aufwand beziffert es auf rund 1,4 Milliarden Euro.
Verbindliche EU-Standards
Ziel der EU-Richtlinie ist es laut IW Köln, verlässliche und vergleichbare Nachhaltigkeitsinformationen nach verbindlichen EU-Standards zur Bewertung der nichtfinanziellen Unternehmensleistung zu erhalten. Finanzmarktakteure wie Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften müssen ab 2021 detailliertere unternehmens- und produktbezogene Informationen zu Nachhaltigkeitskriterien offenlegen, um Investoren eine nachhaltige Anlageentscheidung zu ermöglichen.
Berichtspflicht stufenweise ausgeweitet
Bisher sind rund 500 große Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Mitarbeitern in der Bundesrepublik berichtspflichtig. Bis 2028 wird die Berichtspflicht stufenweise ausgeweitet, sodass künftig rund 15.000 Unternehmen in Deutschland direkt betroffen sein werden – nicht nur Großunternehmen, sondern alle kapitalmarktorientierten Unternehmen (mit Ausnahme von Kleinstunternehmen) werden berichtspflichtig.
Berichtspflichtige Unternehmen müssen ihre Lieferketten in den Blick nehmen. "Das dürfte dazu führen, dass sie von ihren Zulieferern Informationen über die Nachhaltigkeit ihrer Geschäftstätigkeit einfordern", schreibt das IW. So entstehe eine "Kaskade", die den Kreis der Unternehmen erweitere, die sich mit den neuen Standards der Nachhaltigkeitsberichterstattung auseinandersetzen müssten.
Keine Neueinstellung für Berichte
Die Forscher haben für ihre Studie einige interessante Zahlen zusammengetragen. Rund 70 Prozent der Unternehmen in Deutschland, die Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen, tun dies, weil ihre Kunden oder Auftraggeber es wünschen oder fordern. Etwa die Hälfte veröffentlicht Nachhaltigkeitsberichte für Mitarbeiter und Öffentlichkeit, nur 23 Prozent, um bessere Finanzierungskonditionen bei Banken oder am Kapitalmarkt zu erhalten.
In den seltensten Fällen sind für die Berichte Neueinstellungen erfolgt oder geplant. Vor allem kleinere Unternehmen verfügen in der Regel nur über begrenzte Ressourcen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, wie eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt. Nur vier Prozent der kleinen Unternehmen, die bereits einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen oder dies planen, wollen dafür neues qualifiziertes Personal einstellen. dhz