Weniger Automaten, hohe Gebühren Aktive Bemühungen erforderlich, um Bargeld zu erhalten

Für die Bundesbank ist der Erhalt des Bargelds kein Selbstläufer. Was Betriebe und Verbraucher tun können, um Bargeld zu erhalten.

Bargeld
Bargeld ist für viele Bäckerkunden unverzichtbar. Doch mit dem Schwinden der Geldautomaten und der zunehmenden Attraktivität anderer Bezahloptionen beginnt eine neue Debatte um den Erhalt des Bargelds. - © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Die Brötchen oder den Kaffee mit der EC-Karte oder dem Smartphone bezahlen, ist in immer mehr Bäckereien möglich. Die Pandemie hat den Schritt vieler Betriebe beschleunigt, hierbei technisch aufzurüsten. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks geht davon aus, dass mittlerweile der Großteil der Betriebe sowohl eine EC-Kartenzahlung anbietet als auch noch den Klassiker der Barzahlung. Letzteres schrittweise abzulösen, ist dabei allerdings keineswegs das Ziel – im Gegenteil.

Trotz bargeldloser Zahlungsmöglichkeiten ist die Bezahlung mit Münzen und Scheinen für Bäckereikunden meist Standard. Und die Betriebe wollen diesen Kundenwünschen gerecht werden. Doch es wird aufwendiger. Laut Bundesbank nimmt die Zahl der bundesweit verfügbaren Geldautomaten seit 2018 kontinuierlich ab. Eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass inzwischen fast jeder Sechste den Weg zum nächsten Geldautomaten oder Bankschalter als ziemlich oder sehr schwierig empfindet. Wenn aber Bargeld schlecht verfügbar ist, kann es auch nicht mehr im gleichen Umfang genutzt werden.

Bargeld einzahlen kostet: Bäckerverband für Gebührendeckelung

Die Bundesbank spricht aktuell davon, dass der Erhalt des Bargelds "kein Selbstläufer" sei. Einer der Gründe dafür sind die Gebühren, die für die Einzahlung von Bargeld anfallen. Wer Bargeld von Kunden annimmt, muss es regelmäßig zur Bank bringen. Doch das Einzahlen kostet und belastet die Betriebe. "Wir fordern daher eine Deckelung von maximal 0,05 Prozent der jeweiligen Geldsumme", erklärt Meike Bennewitz, Pressesprecherin des Bäckerverbandes.

In einem öffentlichen Dialog mit der Bundesbank und anderen Verbänden und Organisationen setzen sich die Bäcker dafür ein, über den Zahlungsverkehr zu diskutieren und auch darüber aufzuklären, dass man für die Zukunft des Bargelds etwas tun muss. "Für viele Betriebe des Bäckerhandwerks ist der Zahlungsverkehr mit Bargeld nach wie vor unabdingbar – und vor allem ein sicheres Zahlungsmittel in Krisenzeiten", sagt Bennewitz.

Online-Handel macht Bargeld überflüssig

Dieses Engagement ist vor allem durch die wachsende Bedeutung des Online-Handels notwendig geworden. Zudem stehen heute mehr alternative Zahlungsmittel zur Verfügung und die Fixkosten für die Bereitstellung der Bargeldinfrastruktur sind relativ hoch. Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, erklärt: "Wenn immer weniger mit Bargeld bezahlt wird, könnten die Geschäftsbanken ihre Bargelddienstleistungen weiter reduzieren und die Händler nicht mehr uneingeschränkt Bargeld akzeptieren. Dadurch könnte eine Abwärtsspirale entstehen."

Genau diese Aussage könnte so verstanden werden, als sei der Weg zur Bargeldabschaffung bereits vorgezeichnet. Doch noch ist die Bargeldinfrastruktur in Deutschland gut ausgebaut. Und Balz betont auch, dass es keine Bestrebungen gibt, das Bargeld abzuschaffen. Im Gegenteil: Die Bundesbank selbst macht öffentlich, was jeder tun kann, um Bargeld als Zahlungsmittel zu erhalten. Sie selbst sieht ihre Aufgabe darin, die Vorteile des Bargelds stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Denn neben der Bereitstellung von Bargeld und auch dem bezahlbaren Umgang der Betriebe damit – Stichwort Einzahlgebühren – geht es darum, dass die Verbraucher einfach weiter bar bezahlen.

Hälfte aller Transaktionen bar bezahlt

"Die Menschen haben die Zukunft des Bargelds selbst in der Hand. Indem sie Bargeld nachfragen und benutzen, tragen sie zu dessen Erhalt bei", sagt Balz. Betriebe könnten seiner Aussage zufolge einen Beitrag leisten, indem sie Bargeld als Zahlungsmittel akzeptieren. "Manche Händler nehmen zwar Bargeld an, bitten aber auf Schildern darum, bargeldlos zu zahlen. Diese Aufforderungen tragen dazu bei, dass Bargeld von den Verbraucherinnen und Verbrauchern im Alltag als negativ oder nicht akzeptiert wahrgenommen wird", erklärt der Experte. Schon der Verzicht auf solche Schilder könne einen positiven Beitrag leisten.

Denn viele Verbraucher wollen grundsätzlich immer noch viel und oft bar bezahlen. Laut einer aktuellen Bundesbank-Studie zum Zahlungsverhalten wurden im Jahr 2023 die Hälfte aller Transaktionen bar bezahlt. Zudem gaben mehr als zwei Drittel der Befragten an, dass ihnen die Möglichkeit, Bargeld zu nutzen, wichtig oder sogar sehr wichtig ist.