Junghandwerker auf internationaler Bühne WM der jungen Bäcker: Die Zeit ist der größte Gegner

Monique Trappiel und Max Baier haben in Island gezeigt, was der deutsche Bäcker-Nachwuchs drauf hat. Als Schaustück wählten sie ein Schwarzwaldmädel.

Monique Trappiel und Max Baier haben an der WM der jungen Bäcker in Island teilgenommen. - © Susann Eberlein

In den letzten Minuten wird es hektisch. Das Schwarzwaldmädel ist noch nicht ganz fertig. Der Nacken muss ausgebessert werden und die dekorierende Kuckucksuhr sucht noch ihren Platz. Kurz bevor die Jury bei der WM der jungen Bäcker den Countdown anstimmt, greift Max Baier zum Glanzspray und gibt dem Schaustück – eine Hommage an seine Heimat Baden-­Württemberg – den finalen Touch.

"Das Schwarzwaldmädel ist wieder sexy. Es erlebt gerade ein Revival", sagt der 21-Jährige wenig später über das Kunstwerk, das Kreativität und aufwendige Technik vereint. Monique Trappiel verräumt derweil die Geräte und Zutaten, macht die Tische frei von Krümeln und Mehl. Am Ende muss nicht nur das Schaustück glänzen, sondern auch der Arbeitsplatz.

Island als Gastgeber der WM der jungen Bäcker

Zwei Stunden Vorbereitung, sechs Stunden Wettbewerb, 140 Produkte in den Kategorien Brot, Brötchen, Hefegebäck und Plunder und ein Schaustück als Aushängeschild, theoretisch essbar und in jedem Fall ohne Drähte oder Metall aufgebaut: In der Berufsschule Kópavogur, einem Vorort der isländischen Hauptstadt Reykjavik, hat die WM der jungen Bäcker stattgefunden.

Unter dem Motto "Art of your country" sind die besten Nachwuchstalente im Bäcker- und Konditorenhandwerk aus China, Deutschland, Frankreich, Island, Schweden, Spanien und Ungarn gegeneinander angetreten. Die Junior-WM wird seit 1971 von der Internationalen Union of Bakers and Confectioners veranstaltet. Sie gilt, neben den Euro und World Skills, als Talentschmiede und Sprungbrett für die Nationalmannschaften und dient der Nachwuchsgewinnung im Handwerk.

WM der jungen Bäcker in Island 2024
Als Schaustück wählte das deutsche Team ein Schwarzwaldmotiv. - © Susann Eberlein

Beim Wettbewerb immer die Uhr im Blick

Als Gewinner und Drittplatzierte des Praktischen Leistungswettbewerbs hatten sich Max Baier aus Herrenberg und Monique Trappiel aus Halle (Saale) für die große internationale Bühne qualifiziert. In Island mussten sie zeigen, was sie draufhaben – immer mit Blick auf die Uhr. "Die Zeit ist der größte Gegner. Wir haben ein exaktes Minutenprotokoll ausgearbeitet. Es gibt nichts Komplexeres und nichts, was mehr über den Tag entscheidet", sagt Jochen Baier. Der Weltbäcker des Jahres 2018 ist nicht nur der Vater von Max Baier, sondern auch der Coach des deutschen Teams. Als eben dieser darf er Tipps geben, aber nicht selbst anpacken.

Unter den strengen Augen der Jurymitglieder kneten und rollen, flechten und dekorieren die jungen Handwerker, springen zwischen den heißen Öfen und Kühlschränken hin und her, motivieren sich gegenseitig. "Wir haben es fast geschafft. Jetzt nicht nachlassen", ruft Max Monique zu.

Den Sieg sichern sich die Schwedinnen Mathilda Jacob und Julia Holmqvist vor Spanien und Frankreich. Team Deutschland verpasst – trotz guter Leistungen – den Sprung auf das Treppchen, sammelt aber Erfahrungen für das Handwerkerleben. "Wir haben unser Bestes gegeben. Ich bin zufrieden und nehme unglaublich viele Eindrücke, Erfahrungen und neue Kontakte mit nach Hause", sagt Monique Trappiel.

Die nächste Prüfung steht ihr schon bevor: In diesen Tagen schließt sie ihre Meisterausbildung an der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Dresden ab. Und Max Baier wird die Republik im September bei den World Skills in Lyon vertreten.