Integration durch Eigeninitiative Ein Syrer mit unbändigem Integrations-Willen ist Bayerns bester Bodenleger

Yasser Assany flüchtet 2015 aus Syrien, um in Deutschland einen Neuanfang zu starten. Mittlerweile hat er seinen Traumberuf gefunden, seine Ausbildung erfolgreich absolviert und ist Bayerns bester Bodenlegergeselle des Jahrgangs 2023. Der Weg war allerdings mit vielen Hindernissen gespickt.

Yasser Assany
Yasser Assany hat sich vorbildlich integriert, seine Ausbildung mit Bravour bestanden und möchte sich im Handwerk weiterentwickeln. - © HWK für Oberfranken

"Geholfen hat mir, dass ich selbst immer wieder die Initiative ergriffen habe und trotz aller Hürden konsequent meinen Weg verfolgt habe", zieht Assany heute Bilanz. Der damals 18-Jährige geht zielstrebig vor. "Vom ersten Tag an wollte ich Deutsch lernen, so schnell es geht", sagt der junge Syrer. Dazu nimmt er jedes Angebot wahr, das er in die Hände bekommt. In der Erstaufnahmeeinrichtung, in der Integrationsklasse der Berufsschule, in zusätzlichen VHS-Kursen und im Rahmen seines Minijobs bei einer Burgerkette. Yasser Assany war klar: "Wenn du dich nicht oder nur schlecht verständigen kannst, kommst du auch nicht oder nur schwer weiter."

Bürokratie frustriert

Die Sprachkenntnisse helfen ihm bei den zahllosen Behördengängen, die er absolvieren musste – beispielsweise für den Erhalt und die mehrfache Verlängerung seines Aufenthaltstitels, für die Arbeitserlaubnis oder die Anerkennung seines Abiturs, das er in seiner Heimat erworben hat. "Die Bürokratie macht einem das Leben hier tatsächlich ziemlich schwer", sagt der Handwerker im Rückblick.

Umweg über Universität

Ihm hilft sein Eigenantrieb und sein Durchhaltevermögen weiter. "Ich kenne aber viele Geflüchtete, die hier in Deutschland arbeiten und unbedingt eine Ausbildung machen möchten. Es fehlt aber an gezielter Beratung und Förderung. So bleiben leider viele auf der Strecke." Er aber ist dankbar für all die Unterstützung, die er erfahren hat und die Chancen, die ihm eröffnet wurden. Zunächst beginnt er in Bamberg ein Informatik-Studium, das ihm aber sehr schwerfällt. Zudem erfüllt ihn die Perspektive auf einen späteren Bürojob nicht voll.

Auf dem Nachhauseweg von der Universität kommt er eines Tages an einer Baustelle der Brüder Yildirim vorbei, die einen Montageservice in Baunach betreiben. Er spricht sie spontan an, fragt nach einer handwerklichen Tätigkeit und nach einem Minijob im Betrieb. Die Brüder probieren es mit ihm und schon bald beschließen sie, gemeinsam mit Assany eine Ausbildung anzugehen. Heute ist er ein erfolgreicher Handwerksgeselle. Assany: "Mein Handwerk macht mir unheimlich Spaß. Auf jeder Baustelle warten andere Herausforderungen auf mich, jeden Tag schaffe ich etwas Neues mit meinen Händen, auf das ich am Abend stolz sein kann. Und für mich ganz wichtig: Auch im Handwerk braucht man Köpfchen."

Stolz auf die Leistungen ihres ehemaligen Auszubildenden – der erste, den sie hatten – sind auch Erkan und Serkan Yildirim: "Wenn es der erste eigene Azubi bis zur Deutschen Meisterschaft im Handwerk schafft, macht das natürlich stolz. Yasser hat sich aber auch enorm engagiert und viele unserer Tipps sofort umgesetzt. Von nichts kommt eben nichts."

Der Meister ist das Ziel

Nach der erfolgreichen Ausbildung hat Yasser Assany nun auch die deutsche Staatsbürgerschaft erworben und schon weitere Pläne für die Zukunft: "Ich liebe das Handwerk und möchte mich hier auf jeden Fall weiterentwickeln, so schnell wie möglich die Parkettleger-Meisterschule in Bamberg besuchen. Danach sehe ich weiter, wohin mich mein Weg führt." Diese Richtung gehen auch seine beiden Ausbilder konsequent mit. Sie unterstützen ihn bei jeglicher Weiterbildung und sind mittlerweile auch seine Vermieter. Erkan Yildirim freut sich: "Die Integration von Yasser hat bei uns gut geklappt. Er ist mittlerweile schon fast so etwas wie ein echtes Familienmitglied geworden."