Zufriedenere Mitarbeiter, mehr Kreativität und Innovationen: Wer als Chef die alltäglichen Herausforderungen mit Leichtigkeit und einer gelassenen Herangehensweise angeht, kann seinen Betrieb nachhaltig erfolgreicher führen. Drei Unternehmer berichten von ihren positiven Erfahrungen.

Bei der Barghorn GmbH, einem Metallbau-, Stahlbau- und Maschinenbaubetrieb aus Brake in der Nähe von Bremen, ticken die Uhren anders. Inhaber Gunnar Barghorn, der das Traditionsunternehmen in dritter Generation führt, zögert nicht, die Dinge ganz auf links zu drehen: Er bewirbt sich bei Jugendlichen als Ausbildungsbetrieb, die Mitarbeiter wählen ihre neuen Kollegen aus und Schüler können ihren Praktikumsplatz einfach über die Webseite buchen. Ins Chaos driftet das Unternehmen trotzdem nicht ab, auch das Arbeitsklima ist gut. Denn Gunnar Barghorn markiert nicht den großen Chef, sondern geht die Herausforderungen, vor denen das Unternehmen steht, mit Leichtigkeit und einer entspannten Herangehensweise an.
Er selbst habe in seiner Jugend Egoismus und Ellenbogen als toxische Elemente erlebt, erzählt Barghorn. "Das hat mich geprägt, anders mit Menschen umzugehen, Macht stets positiv und immer mit Leichtigkeit einzusetzen. Vor allem hat es mich geprägt, jeden Menschen den sein oder werden zu lassen, der dieser gerne sein möchte." Als "Humanunternehmer" bezeichnet sich Barghorn deshalb auch. Es sei ein durchaus langer Prozess gewesen, mit dieser Grundhaltung das traditionsbewusste, von seinem Vater geführte Handwerksunternehmen zu transformieren. "Die Wesermarsch ist wunderschön, aber nicht gerade der Hotspot für eine moderne Arbeitswelt", so Barghorn. Doch die Mitarbeiter ließen sich von ihm inspirieren – und gingen den Weg mit. Die Früchte dieses Weges seien Freiheit, Zugehörigkeit und nachhaltiger, dauerhafter Erfolg, sagt der Handwerksunternehmer – für jeden einzelnen Mitarbeiter genauso wie für das Unternehmen selbst.
Auch sich selbst hinterfragen und Neues ausprobieren
Für erfolgreiche Unternehmer gelte es, "die eigene Arbeitssituation und -weise regelmäßig überprüfen", rät Julia Hoch, Management-Professorin an der California State University Northridge (CSUN) in den USA. Da es schwer sei, sich selbst objektiv einzuschätzen, sei es sinnvoll, Situationen regelmäßig im Team kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren. "Dadurch können Abläufe und Strukturen verändert werden", so die Expertin. Wichtig ist es dann, Veränderungen auch zuzulassen und anzunehmen – und den Alltagstrott und eingeschliffene Routinen zu durchbrechen.
Dabei gelte es auch, traditionelle Führungsmuster hinter sich zu lassen und sich für die moderne Arbeitswelt zu öffnen. Eine Chance dafür würden immer Generationswechsel im Unternehmen bieten, so Management-Expertin Hoch. Denn die Nachfolgegeneration sei "mit neuen Technologien und Arbeitsweisen groß geworden − und vor allem weiß sie, wie die nächste Mitarbeitergeneration tickt, weil sie dazu gehört." Aber natürlich habe auch jeder Senior-Chef die Möglichkeit, sein eigenes Führungsverhalten zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. So seien moderne Chefs insbesondere als Mentoren für ihre Mitarbeiter gefragt – und hätten vor allem die Aufgabe, diesen eine inspirierende Vision zu vermitteln, so die Expertin. Dadurch lasse sich die intrinsische Motivation der Mitarbeitenden steigern – und diese würden dann angeregt, kreativ und innovativ zu denken. Auf diese Weise würden sie sich "im positiven Sinne herausgefordert fühlen, die Unternehmensprozesse zu hinterfragen und zu optimieren", sagt Hoch.
Auch Gunnar Barghorn sieht sich nicht als klassischer Chef. "Mein Verhalten ist Vorbild und Inspiration für andere – auch ohne jeden Drang zu missionieren", sagt er. Wobei das nicht bedeutet, dass klassische Werte für ihn nicht zählen: "Für mich zählt das Wort, ein Handschlag", betont Barghorn. "Drei Werte prägen mein Leben und inzwischen auch unser Unternehmen: Verlässlichkeit, Flexibilität und Loyalität."
Vertrauen, Delegation, Feedback
Ähnlich ist es auch bei Josef Bolz, Gründer und Geschäftsführer der Bolz Autowelt in Pulheim bei Köln. Für ihn ist der persönliche Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein wichtiger Faktor, um sein Team effektiv zu führen. "In Zeiten des Fachkräftemangels sind Soft Skills der Führungspersönlichkeiten wichtiger denn je", betont er. Offene Positionen in der Branche gebe es schließlich viele – da seien Kultur, Stimmung und Teamgedanke oftmals das Zünglein an der Waage. "Ich denke, dass die Führungs- beziehungsweise Unternehmenskultur am Ende über eine nachhaltige Mitarbeiterbindung entscheidet", so Bolz.
Seitens der Führung brauche es dabei klare, verlässliche Strukturen. "Diese hat es immer gegeben, heute müssen die Mitarbeiter aber stärker abgeholt werden", sagt Bolz. Denn der Chef sei heute nicht mehr der alleinige Dirigent. Wichtig aus Bolz Sicht ist dabei vor allem gegenseitiges Vertrauen. "Ich möchte als Chef gar nicht das Gefühl haben, dass ohne mich nichts geht. Aufgaben abgeben, den Mitarbeitenden vertrauen, auch Konfliktsituationen einmal selbst zu klären – daran wächst das gesamte Unternehmen. Es gibt keinen besseren Ansporn, als seinem Team zu vertrauen, Dinge selbstständig zu regeln." Dabei dürften durchaus auch Fehler passieren. "Es ist nur wichtig, im Nachgang über Gutes und Schlechtes zu sprechen, ohne das Team zu bestrafen." Denn aus Strafen entstehe keine Lernkurve, sondern meist nur Frust und Resignation.
Für Thomas Rudolph, Geschäftsführer des gleichnamigen VW-Autohauses in Oelsnitz im Erzgebirge, ist gegenseitige Wertschätzung ein wichtiger Faktor. "Nur dadurch kann wertschöpfende Arbeit entstehen", sagt er. Wahrheit und Ehrlichkeit, Offenheit und Transparenz, Freundlichkeit und Wertschätzung, Hingabe und Leidenschaft sowie Ausgeglichenheit und Gelassenheit – das sind die Werte, die Rudolph seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorlebt. Hinzu kommen Veränderungs- und Lernbereitschaft, Qualität, Mut, Disziplin, Nachhaltigkeit – und eine gelassene Herangehensweise. "Ich möchte jeden Tag meine Fähigkeiten für andere einsetzen: Für meine Familie, meine Teams, meine Mitarbeiter", betont Rudolph. "Mal gelingt das besser und mal schlechter."
"Leichtigkeit ist eine Erfolgs- und Überlebensstrategie"
Leichtigkeit und eine entspannte Herangehensweise – das war auch für Jens Neumann das Erfolgsrezept in seiner Karriere. Der heute 56-Jährige landete in den 1990er-Jahren mit der Band "Mr. President" und dem Song "Coco Jamboo" einen Welterfolg, weil er sich einfach etwas zutraute. "Ich habe einfach begonnen, ohne viel darüber nachzudenken", berichtet er. Die Kombination aus Leichtigkeit, einer akribischen Arbeitsweise und einer sorgfältigen Vorbereitung sind für ihn die wichtigsten Erfolgsfaktoren für jeden modernen Unternehmer – sei es in der Musikbranche oder im Handwerk. "Eine entspannte Herangehensweise führt zu größerer Kreativität und Innovation", betont Neumann. "Leichtigkeit ist damit eine Erfolgs- und Überlebensstrategie."
Eine lockere Herangehensweise würden die meisten Menschen vor allem am Anfang ihrer Karriere an den Tag legen. "Trotz wachsender Verantwortung und Herausforderungen, können wir unsere Leichtigkeit bewahren", betont Neumann. Entscheidend dabei seien nicht nur die großen Ziele. "Es geht auch darum, die kleinen Erfolge zu schätzen", so der Musiker. Dann kommt der große Durchbruch fast von allein. Es müssen ja nicht gleich 22 Millionen verkaufte Platten wie bei Mr. President’s "Coco Jamboo" sein.