Das Handwerk der Reinigung vereint Präzision, Hingabe und das Streben nach makelloser Sauberkeit. Die Brüder Ben und Jesco Kreh sind Gründer einer Reinigungsfirma, die mittlerweile auf ungefähr 80 Mitarbeiter gewachsen ist. Ihr Erfolgsrezept: Leidenschaft, aber auch klare Regeln beim gemeinsamen Führen des Unternehmens.

Ein kühler Montagmorgen, die Uhr zeigt 09:00 Uhr an. Die aufgehende Sonne kämpft sich hinter einer zarten Wolkendecke hervor und schenkt der Haut ein bisschen Wärme. Der Wind trägt den Duft von frischem Putzmittel durch die Luft. Es riecht nach Zitrone und Desinfektionsmittel.
Inmitten der morgendlichen Atmosphäre stehen Ben und Jesco Kreh mit ihrem professionellen Team. Ausgestattet mit Leitern, Eimern, Fensterabziehern, Tüchern und weiteren sorgsam gewählten Utensilien, allesamt in einheitlicher Firmenkleidung. Vor ihnen ein renommiertes Fahrradgeschäft, dessen gläserne Schaufenster den Blick auf eine Ausstellung hochwertiger Fahrräder freigeben. Bevor der Laden um 10:00 Uhr seine Pforten für die Kunden öffnen, gilt es, die Fenster in makellosen Zustand zu bringen. Jesco Kreh wirft einen prüfenden Blick auf die sorgfältig gepackten Werkzeuge. Er nickt. Mit einem Lächeln auf den Lippen ermuntert er seine Kollegen mit einem "Auf geht's, Jungs! Packen wir’s an."
So beginnt für das Team die Herausforderung der ersten Glasreinigung dieser Woche. Ein Akt der Hingabe an Präzision und Perfektion, während es die Ästhetik des Fahrradladens in den Mittelpunkt rückt und ihm den Glanz verleiht, der die Erwartungen der anspruchsvollen Kundschaft erfüllt. "Wir selbst sind hauptsächlich in der Glasreinigung unterwegs. Die Unterhaltsreinigung ist aber unser eigentliches Zugpferd. Dafür haben wir Mitarbeiter. Leistungen wie Baureinigung und ganz selten auch mal spezielle Sachen wie Tatortreinigungen oder Entrümplungen machen wir selbst", erklärt Ben Kreh.
Nicht ohne meinen Bruder
Ben und Jesco Kreh verbindet nicht nur eine geschäftliche Partnerschaft, sondern auch eine familiäre Beziehung als Brüder. Im Jahr 2018 wagen sie gemeinsam den Schritt: Sie gründen die eigene Reinigungsfirma "kreh aktiv" im hessischen Schaafheim. Beide haben eigentlich Sportwissenschaften studiert. Um neben dem Studium etwas Geld zu verdienen, haben sie als Nebenjob mit der Glasreinigung angefangen. Dadurch knüpften sie erste Kontakte und konnten relativ schnell eigene Kunden für sich gewinnen. "Es war von Anfang an klar, dass wir das zusammen machen und dass wir bei allem 50/50 machen, egal was kommt". Angefangen mit einem Team von zehn Mitarbeitern, hat sich die Reinigungsfirma mittlerweile zu einem mittleren Unternehmen mit ungefähr 80 Fachkräften entwickelt. Ihre Ziele haben sie nicht nur erreicht, sondern auch übertroffen, erzählt Jesco Kreh: "Wir hatten damals gar nicht die Intention, dass wir so schnell wachsen und diese Größe schon so früh erreichen."

Während Ben Kreh mit klarem Fokus an der Fensterscheibe steht, schwingt er den Fensterabzieher über die glänzende Oberfläche. Mit geschmeidigen, gleichmäßigen Bewegungen führt er den Abzieher über das Glas und kleine Ströme von Wasser folgen seinen Spuren. In einem Moment der Reflexion bemerkt er: "Wir haben von Anfang an das Glück in den Vordergrund gestellt und nicht den Gewinn oder das Wirtschaftliche." Es geht vor allem um die familiäre Bindung und die positive Atmosphäre, die während des Arbeitens entsteht.
Dank der klaren Regelung – alles wird gerecht aufgeteilt – herrscht zwischen den Brüdern kein Konkurrenzkampf. Sie richten ihren Blick nicht auf Kleinigkeiten, sondern darauf, sich aufrichtig über die Erfolge des anderen zu freuen und die individuellen Stärken zu schätzen. Diese Einstellung fördert eine harmonische Zusammenarbeit, die auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamem Erfolg basiert. "Das war von Beginn an die Devise und das haben wir bis jetzt so durchgezogen", erklärt Ben Kreh weiter.
Reinigung ist mitnichten ein leidiges Thema
Die Reinigungsarbeit wird oftmals als leidiges Thema abgestempelt. Hier bildet die Geschichte von Ben und Jesco Kreh eine erfreuliche Ausnahme. "Die Leute freuen sich, wenn wir zu zweit irgendwo eintreffen, weil man uns anhand unserer Glatzen ansieht, dass wir Geschwister sind", erzählt Jesco Kreh freudig. Die beiden Brüder unterscheiden sich in ihrer Art zwar grundlegend, ergänzen sich aber auch perfekt. Während Ben eine organisierte und analytische Denkweise an den Tag legt, begegnet Jesco den Herausforderungen mit Eifer und Ehrgeiz. Das ruft auch bei den Kunden eine positive Resonanz hervor. "Die Leute freuen sich. Je nachdem, wie die eigene Beziehung zu den Geschwistern ist, sind sie entweder glücklich darüber, weil sie sehen, dass es funktioniert, oder sie sind komplett fassungslos, weil sie nicht begreifen, wie so etwas unter Geschwistern möglich ist", fügt Ben Kreh mit einem ansteckenden Lächeln hinzu.

Freundschaft und Arbeit: Hand in Hand
Die Sonne hat mittlerweile ihre Kraft verstärkt. Ihre Strahlen bahnen sich den Weg durch die schwindende Wolkendecke und erwärmen das Umfeld auf angenehme Weise. Metallisches Klappern und Quietschen ertönt, als eine Leiter aufstellt wird. Die Schaufenster des Gebäudes, in dem sich der Fahrradladen befindet, sind so groß, dass selbst bei eigener Körpergröße der oberste Bereich außer Reichweite ist. Ein weiterer Mitarbeiter des Reinigungsteams steigt auf die Leiter. Er trägt einen schwarzen Latzanzug und eine dazu passende Fließjacke. Auf seiner Brust prangt ein kleiner, blauer Wassertropfen, das Markenzeichen der Firma. Daneben zieht ein weißer Schriftzug die Aufmerksamkeit auf sich: "kreh aktiv Gebäudereinigung".
Philipp Becker ist nicht nur Mitarbeiter der Reinigungsfirma, sondern auch ein langjähriger Freund der Geschwister. Ein Jahr nach der Firmengründung eröffnete sich ihm die Möglichkeit, in das Unternehmen einzusteigen. Der Übergang von Freundschaft zu professioneller Zusammenarbeit stärkt auch hier das Vertrauensverhältnis. Jesco Kreh unterstreicht, wie schön er es findet, auch Freunde im familiären Arbeitsverhältnis zu haben: "Man wächst zusammen, gerade bei schwierigen Aufgaben. Man meistert das zusammen und das bringt einen gegenseitig immer weiter."
Nachdem die letzten Handgriffe an den Schaufenstern durch geschickte Arbeit vollendet sind, erstrahlen die Glasflächen in makelloser Klarheit. Rechtzeitig vor der Öffnung des Fahrradladens präsentieren sie sich in voller Pracht. Ein erfolgreicher Start in den Tag, der nicht nur Professionalität, sondern auch die Hingabe zu herausragender Sauberkeit unterstreicht.
Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist Kooperationspartner für dieses Seminar.