Kolumne Wenn die Lehrlingsseele belastet ist: So unterstützen Ausbilder

Überforderung in der Ausbildung, Konflikte im Betrieb, Drogenkonsum: Vieles kann die Seele junger Menschen angreifen. Inwiefern sollten Ausbilder sich verantwortlich fühlen und welche Hilfe können sie dem Azubi anbieten? Ausbildungsberater Peter Braune gibt Tipps für ein behutsames Vorgehen.

Illustration einer grübelnden jungen Frau.
Ein behutsamer Ausbilder kann die erste Ansprechperson für einen Azubi sein, der seelisch belastet ist. - © Knut - stock.adobe.com

Die Seele ist, zumindest nach meiner unmaßgeblichen Meinung, nicht wissenschaftlich nachweisbar. Erklärungen von Fachleuten zu urteilen, handelt es sich um einen nicht-sichtbaren Teil des Menschen. Was wiederum meine Meinung bestätigen würde: Für die Meisterin oder den Meister könnte die Seele das sein, das den Lehrling als Person ausmacht. Eine Person, die es kein zweites Mal gibt.

Wer – wie so oft – Wikipedia bemüht, kann dort lesen:

"Der Ausdruck Seele hat vielfältige Bedeutungen, je nach den unterschiedlichen mythischen, religiösen, philosophischen oder psychologischen Traditionen und Lehren, in welchen er vorkommt. Im heutigen Sprachgebrauch ist hierbei oft die Gesamtheit aller Gefühlsregungen und geistigen Vorgänge beim Menschen gemeint."

Wenn Überforderung die Lehrlingsseele belastet

Nehmen wir als Beispiel das Lehrverhältnis. Das ist offensichtlich für manche Jugendliche eine seelische Herausforderung. Es gibt Lehrlinge, die sich wegen Belastungen im Betrieb überfordert fühlen und dann über Schlafstörungen klagen. Ursache können aber auch regelmäßige Partys bis in die frühen Morgenstunden sein. Es könnte aber auch einfach nur um das Schwänzen der Berufsschule gehen.

Überforderung in der Ausbildung, Konflikte im Betrieb oder im privaten Umfeld, Drogenkonsum oder psychische Erkrankungen: Es gibt verschiedene Gründe für das Gefühlsleben junger Leute. Seelische oder psychische Probleme können erblich bedingt sein oder sich während der Lehrzeit entwickeln.

Bei einem Lehrling kann das mit Kopf- und Magenschmerzen beginnen. Bei manchen ist eine gewisse Niedergeschlagenheit zu bemerken, die sich sogar zu ausgeprägten Erschöpfungszuständen entwickeln kann. Die Meisterin oder der Meister können das auch ohne spezielle Fachkenntnisse an einer abnehmenden Leistungsfähigkeit bemerken.

Wie kann der Ausbilder helfen?

Auch wenn es den Verantwortlichen im Betrieb manchmal schwerfällt: Es gilt, die Ausbildung so zu gestalten und zu ermöglichen, dass trotz persönlicher Schwierigkeiten das Ausbildungsziel erreicht wird.

Es gilt jedoch, behutsam an die Problemstellung heranzugehen. Es sollte auf jeden Fall vermieden werden, dass die jungen Leute dichtmachen. Je nach Betriebsgröße ist es hilfreich, wenn es eine Vertrauensperson gibt, an die sich Azubis wenden können. Auch regelmäßige Gespräche sind ein gutes Werkzeug.

Das Ziel eines vertraulichen Gespräches ist eine erste Einschätzung, um welches Problem es sich handelt. Dabei muss es sich nicht um eine Gewissheit handeln. Gemäß dieser Einschätzung können dann geeignete Schritte vereinbart werden.

Generell sind neben den Ausbildungsverantwortlichen alle Beschäftigten aufgefordert, die Lehrlinge in seelisch schwierigen Situationen durch Hinweise, Gespräche und individuelle Hilfestellung zu unterstützen. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, deren Entwicklung auch bei diesem Thema stetig zu verbessern.

Mark Twain meinte dazu: "Ich habe in meinem Leben schon unzählige Katastrophen durchlebt – die wenigsten davon sind eingetreten."

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.