Im Friseursalon von Juliette Beke entsteht kaum Abfall – kaum Verpackungs- oder Restmüll. Die Friseurmeisterin lebt Zero Waste – beruflich und privat. Und sie klärt andere in der Branche auf, wie sie umweltfreundlicher und gesundheitsschonender arbeiten und damit eine zunehmende Nachfrage bedienen. 2024 soll es den Zero Waste Friseursalon sogar als Franchise-Konzept geben.

"Plastik steckt nicht nur in den meisten Verpackungen, sondern auch in den professionellen Haarpflegeprodukten. Es ist Flüssigkunststoff in Form von Polymeren, die sich um die Haare legen und sie weicher machen", sagt Juliette Beke und fügt sogleich hinzu, dass die Haare dadurch auf lange Sicht aber leiden – und zusätzlich die Umwelt, da die Polymere beim Haarewaschen ins Abwasser gelangen. Im Salon von Juliette Beke gibt es diese Produkte nicht. Es gibt aber – bis auf Pflanzenhaarfarbe – auch kein anderes fertiges Produkt, das man im Handel bekommt. Auch Naturkosmetik nicht.
Stattdessen stellt die Friseurmeisterin ihre eigenen Produkte her – von der Haarpflege bis zum Styling. Das sei weniger aufwendig und weniger kostenintensiv, wie viele denken. Und vor allem: Es entsteht kaum Abfall. Juliette Beke lebt das Zero Waste Prinzip und versucht überall dort, wo es möglich ist, Abfall zu vermeiden. Die Rohstoffe für ihre Produkte kauft sie in Großgebinden und möglichst verpackungsfrei oder wie etwa das Klopapier in großen Pappschachteln.
Beim Müllvermeiden geht es ihr allerdings nicht nur um Plastik. "In der Friseurbranche nutzt man auch viel Watte oder Papiertücher und auch das kann man ersetzen durch Wiederverwendbares", sagt sie. Die Umstellung habe viel mit Gewohnheiten zu tun. Juliette Beke lebt Zero Waste selbst auch im Privaten bzw. hat die Umstellung bei ihr dort begonnen. "Ich weiß noch, wie ich einst schräg angeguckt wurde, als ich mir schon vor Jahren meine Einkäufe an der Wurst- und Käsetheke in eigene Gläser oder Boxen abfüllen ließ", erzählt sie. Das sei zum Glück heute schon verbreiteter. Dennoch sei noch immer viel zu tun, um die alltäglichen Müllberge zu verkleinern.
Zero Waste im Friseursalon: Interesse der Branche steigt
Alufolie, Einmalhandschuhe, Verpackungen von Shampoo, Spülung, Haarfarben und Hairstyling-Produkten – die Friseurbranche ist keine, die von sich behaupten kann, wenig Abfall zu erzeugen. In immer mehr Salons findet allerdings mittlerweile ein Umdenken statt. Das bestätigt auch der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. "Es ist grundsätzlich ein sehr viel bewussterer Umgang mit Ressourcen und der Umwelt zu erkennen", sagt Verbandssprecherin Bele Graniger. Sie berichtet auch, dass es einen Ausschuss im Verband gebe, der sich unter anderem auch damit beschäftigt, wie der negative Einfluss eines Friseursalons auf die Umwelt reduziert werden kann. "Erfreulicherweise ist das Interesse daran in den letzten Jahren in der Branche deutlich gestiegen."
Dennoch möchte sie nicht verschweigen, dass das Thema von den Salonbetreiberinnen und -betreibern auch immer betriebswirtschaftlich betrachtet werden muss. "Man sollte nicht verschweigen, dass es für die Umsetzung, neben dem personellen Arbeits- und Zeitaufwand, auch einer gewissen finanziellen Ausgangslage bedarf", sagt sie und gibt als Beispiel, dass für die Unternehmerin und den Unternehmer eine Solaranlage auf dem Dach des Salons in der Regel nur dann attraktiv sei, sofern es sich um eine Eigenimmobilie handelt.

Zudem existiere zwischen der ökologischen Nachhaltigkeit und den im körpernahen Gewerbe des Friseurhandwerks anerkannten Hygiene- und Gesundheitsstandards ein Spannungsfeld. Dies stelle den Friseurunternehmer vor einige Herausforderungen, die es nicht so leicht machen den Abfall auf null zu senken. Bele Graniger veranschaulicht das am Beispiel von Einmalhandschuhen. Aus gesundheitlichen Gründen raten die Berufsgenossenschaften zum Tragen von Handschuhen. Dennoch sollte er aus ökologischen Gesichtspunkten vermieden werden.
Zero Waste im Friseursalon am besten mit eigenen Produkten
Juliette Beke setzt deshalb in ihrem Salon auf Produkte, die weder die Kundinnen und Kunden noch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter belasten. So können diese problemlos ohne Handschuhe arbeiten. Ihrem Salon in Dresden hat sie 2021 eröffnet und dort gleich zu Beginn nach dem Zero Waste Prinzip gearbeitet. Im Fokus steht dabei auch die Gesundheit aller Beteiligten – und die der Haare ihrer Kunden. Auch dabei denkt und handelt sie mit einem nachhaltigen, langfristigen Blick und fast ausschließlich den eigenen Produkten nach eigenen Rezepturen.
"Die Haare danken es einem, wenn sie keinen Flüssigkunststoff mehr abbekommen und auch keine filmbildenden anderen Stoffe, wie sie in fertiger Naturkosmetik oftmals enthalten sind", sagt die Friseurmeisterin. Sie hat vieles ausprobiert, bevor sie sich dafür entschieden hat, selbst Haarpflege herzustellen sowie Produkte für ein haargesundes Styling. Und dazu gehört unter anderem Leinsamengel, das sie zur Haarpflege und als alternatives Haargel nutzt.
"Das Leinsamengel kochen wir ungefähr einmal in der Woche. Die anderen Produkte sind länger haltbar. Wir planen zwischendurch komplette Produktionstage ein und dann ist der Vorrat wieder gefüllt", beschreibt Beke den Aufwand, der sich ihrer Meinung nach durchaus in Grenzen hält. Sie verwendet hochwertige Öle und andere natürliche Zutaten, die auch im Einkauf schon verhältnismäßig teuer seien. "Da ich aber jeweils nur wenig davon brauche und da auch die herkömmlichen Friseurprodukte nicht gerade günstig sind, habe ich kaum Mehrkosten", sagt sie.

Zero Waste im Friseursalon: Aufklärungsarbeit notwendig
Ihre Aufklärungsarbeit in Sachen Zero Waste und auch, dass sie über die Inhaltsstoffe der Friseurprodukte informiert, sieht Juliette Beke mehr als kleinen Fingerzeig auf die Hersteller statt als wirkliche Kritik. "Das interessiert die Hersteller kaum", sagt Beke, die auch an einer Friseurschule unterrichtet und dort ihre Themen mit einbringt. Zusätzlich gibt sie Workshops für Verbraucherinnen und Verbraucher, die an der selbstständigen Kosmetik- und Haarpflegeherstellung interessiert sind. Und auch beim Zukunftskongress des Zentralverbands am 15. Januar 2024 in Berlin wird sie als Referentin dabei sein.
Für das Jahr 2024 steht noch etwas an: Juliette Beke möchte ihr Konzept für den Zero Waste Friseursalon über die Grenzen Dresdens hinweg bekannt und zugänglich machen. Sie bietet es in der Form des Franchising an. "Wenn ich nur zehn weitere Salons in Deutschland schaffen kann, die helfen, Zero Waste im Alltag umzusetzen, bringt es Fortschritte und hilft, die Idee noch weiter zu verbreiten", so die Friseurmeisterin. Eine Nachfrage von Seiten der Kunden spürt sie schon jetzt. "Nachhaltigkeit und Zero Waste sind heute keine Nischenthemen mehr."