Gesundheitliche Wirkung der 4-Tage-Woche 4-Tage-Woche: 4 Tage Arbeit, 2 Jahre gesund

Können reduzierte Arbeitszeiten Beschäftigte gesund und motiviert halten? Heizungs- und Lüftungsbauer Rocco Funke ist davon überzeugt. Die Arbeitsmenge einfach von fünf auf vier Tage zu komprimieren, genügt allerdings nicht.

Rocco Funke mit Werkstatthund
Rocco Funke hat für die Vier-Tage-Woche aufgeräumt und alle Prozesse neu geordnet. Jetzt ist er weniger gestresst und hat mehr Zeit für die Familie und seinen Werkstatthund. - © Fabian Berg/privat

Burn-out, Depressionen, Blut­hochdruck und die Vorboten eines Schlaganfalls: Vor fünf, sechs Jahren ging es Rocco Funke schlecht. Seine Familie drängte ihn, besser auf sich zu achten. "Aber wie man das macht, wusste ich nicht", gibt der Heizungs- und Lüftungsbauer mit Ingenieurstudium zu.

Erst die Geburt seines Sohnes gab dem heute 52-Jährigen den nötigen Schubs. Seit 2021 setzt er auf eine Vier-Tage-Woche für sein Team, selbst arbeitet er an fünf Tagen. Die Wirkung ist frappierend: Seine fünf Mitarbeiter brachten seither keine einzige Krankschreibung mehr, der Chef ist fit.

Positive Effekte der 4-Tage-Woche umstritten

Die Vier-Tage-Woche – im Extremfall sogar Drei-Tage-Woche – treibt die Wirtschaft um. Gewerkschaften fordern die Umstellung auf vier Tage bei vollem Lohn; gleichzeitig warnen Wirtschaftsforscher, dass demografischer Wandel und Fachkräftemangel nur durch mehr – und nicht weniger – Arbeit abgefedert werden können.

Die Effekte der Vier-Tage-Woche sind umstritten. Eine britische Studie zeigte eine deutliche Senkung von Stress, Krankheiten, Ängsten und Müdigkeit bei den Beschäftigten. Die Arbeitskräfte fühlten sich ihrem Unternehmen mehr verbunden und konnten Arbeit, Familie und Sozialleben besser unter einen Hut bringen. Gleichzeitig profitierten die Unternehmen wirtschaftlich, ihre Einnahmen änderten sich kaum oder nahmen sogar zu.

Zweifel an Produktivitätssteigerung durch 4-Tage-Woche

Wissenschaftler sehen die Studienergebnisse allerdings skeptisch, so auch der Stressforscher und Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Andreas Hillert: "Es gibt keine fundierte Studie, die langfristig belegt, dass Menschen gesünder sind, wenn sie nur vier Tage arbeiten." Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln bezweifelt zudem die Aussagekraft der Studien zur Produktivitätssteigerung. Letztlich führe weniger Arbeit zu Wohlstandsverlust.

Auch Rocco Funke hält nichts davon, einfach das Arbeitspensum von fünf Tagen in vier hineinzupressen. Die "echte" Vier-Tage-Woche in seinem auf Leckortungen und Bau­trocknungen spezialisierten Betrieb beinhaltet viel mehr. "Wir verzetteln uns nicht mehr! Wir haben unsere Werte definiert, die Prozesse und das Lager optimiert, den Betrieb mithilfe eines EDV-Spezialisten digitalisiert."

Unternehmensführung komplett umgestellt

Zur neuen Unternehmenskultur gehören tägliche Besprechungen, in denen das Team die Aufgaben untereinander verteilt. Der Chef hält sich aus vielem heraus. "So haben wir wesentlich mehr Ruhe hereinbekommen und die Motivation ist eine ganz andere." Der Betrieb macht seither 50 Prozent mehr Umsatz, die Mitarbeiter verdienen mehr als früher, er hat keine Probleme mehr, Stellen zu besetzen. "Und alle haben mehr Spaß bei der Arbeit", so Funke.

"Ich hatte viele schlaflose Nächte und habe sehr an mir gearbeitet."

Rocco Funke

Der Weg dahin war allerdings mühsam. Funke absolvierte Seminare für Führungskräfte, ließ sich coachen, wie man Wunschkunden findet, nahm am Programm "Unternehmenswert Mensch" zur Fachkräftesicherung teil und sprach immer wieder mit den Beratern der Handwerkskammer Erfurt. "Ich hatte viele schlaflose Nächte und habe sehr an mir gearbeitet."

Sein Team war anfangs wenig begeistert. Auch das wurde in Supervisionen bearbeitet. 30 bis 40 Tage Schulungen waren nötig, um den Betrieb dahin zu bringen, wo er heute ist.

Funke ist stolz auf das Erreichte, aber er will da nicht stehen bleiben. "Wir beschäftigen uns jeden Tag damit, wie unsere Arbeit noch flüssiger, noch besser gehen kann." Seine Mitarbeiter suchen nach Optimierungsmöglichkeiten, freitags arbeitet Funke ihre Ideen durch und bespricht es am Montag mit ihnen, "So sehen sie, wie sehr ich ihr Mitdenken wertschätze. Früher habe ich Arbeitnehmer gehabt, jetzt sind sie echte Mitarbeiter, die sich einbringen."

Sein anfangs so skeptisches Team sagt ihm, dass es sich wohler, gesünder und widerstandsfähiger fühlt. Die Entwicklung der Fehltage bestätigt das. Auch Funkes eigenes Stress-Level ist viel niedriger. Statt wie früher 80 bis 90 Stunden pro Woche arbeitet er jetzt nur noch an fünf Tagen. "Und ab 16, spätestens 17 Uhr bin ich für die Familie da."