Kolumne Kennen Sie diese 11 Arten unhöflicher Azubis?

Kein "Danke", kein "Bitte" und für alles eine faule Ausrede: Ausbildungsberater Peter Braune hat schon einige Fälle von Auszubildenden erlebt, denen es an grundlegenden Umgangsformen mangelt. Kommen auch Ihnen diese Azubis bekannt vor?

Bunte Buchstaben formen das Wort "Danke" vor hölzernem Hintergrund.
"Danke" zu sagen, ist eine Grundregel der Höflichkeit. Doch nicht jeder Mensch befolgt diese auch. - © drubig-photo - stock.adobe.com

Angemessene Umgangsformen, auch als Manieren bezeichnet, erleichtern die Zusammenarbeit im Betrieb. Dabei handelt es sich um einige wesentliche Regeln des Zusammenlebens im weitesten Sinn. Sie bedeuten nichts anderes als eine gewisse Rücksichtnahme auf die Menschen in der betrieblichen Umgebung, aber auch im privaten Umfeld.

Diese Bedeutung hat ein guter Umgang im Betrieb

Jedes Nachdenken über gutes oder schlechtes Benehmen zeugt von einem Stillstand der geistigen Entwicklung, meinte dazu der Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor Oskar Wilde. Auszubildende mit guten Umgangsformen zeichnen sich durch sehr gutes Benehmen aus. Dieses kostet sie weder Geld noch Zeit. Sie sind zuvorkommend und gute Sitten gehören zu ihren Merkmalen. Dazu gehört auch das Einhalten der wichtigsten gesellschaftlichen Grundregeln. Ihr rücksichtsvolles Verhalten fördert die Anerkennung aller an der Ausbildung beteiligten Menschen, aber auch von solchen, die von außen in den Betrieb kommen oder denen sie im Außeneinsatz begegnen.

Zu den wichtigsten guten Umgangsformen gehört Höflichkeit. Dieser Klassiker hat am Ausbildungsplatz eine große Bedeutung. Meisterinnen, Meister und alle anderen an einer Lehre beteiligten Menschen sollten sich mit den folgenden Beispielen aus anderen Ausbildungsbetrieben vertraut machen und überlegen, was zu tun wäre, wenn sie so eine Kandidatin oder einen vergleichbaren Lehrling in ihrem Betrieb hätten.

11 Beispiele unhöflicher Azubis

  1. Ein junger Mann lernt in einem Autohaus Automobilkaufmann. Zu seinem Wortschatz gehört offenbar nicht das Wort "Bitte", denn von ihm ist zu hören: "Geben Sie mir den Ordner oder kann ich früher gehen?"
  2. Einer angehenden Mechatronikerin wurde weder im Elternhaus noch in der Schule vermittelt, dass man "Danke" sagt.
  3. Ein Gerüstbauerlehrling spricht alle, die er im Betrieb trifft, mit "Du" an – so wie seine Kumpels, mit denen er es in der Freizeit zu tun hat. Das förmliche "Sie" lässt er im Betrieb lieber weg.
  4. Ein Junge, der Fahrradmonteur werden möchte, nimmt es nicht so genau mit der Pünktlichkeit. Mit mehr oder weniger faulen Ausreden versucht er das zu rechtfertigen.
  5. In einem mittelständischen Bauunternehmen werden zwei Bauzeichnerinnen ausgebildet. Fürs Grüßen haben sie keine Zeit, wenn jemand den Raum betritt oder wenn sie einer Person im Betrieb begegnen.
  6. Der Meister bittet seinen Lehrling zu sich, den er zum Hörakustiker ausbildet. Er will mit ihm heute endlich darüber reden, dass der Junge sich dem älteren Gesellen gegenüber respektvoller verhalten soll.
  7. Ein Lehrling, der Fachlagerist lernt, ist nicht aufmerksam genug. Das führte schon zu mancher glimpflichen Situation im Lager.
  8. Zwischen den Lehrlingen in der Küche kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Danach eine "Entschuldigung" auszusprechen, kommt aber keinen von beiden in den Sinn.
  9. Eine Kauffrau für Büromanagement ist im zweiten Lehrjahr. Sie zeigt durchaus die Motivation, lernen zu wollen. Leider stürmt sie in jedes Zimmer, ohne vorher anzuklopfen.
  10. Ein Meister bildet einen Feinoptiker aus. Schon kurz nach der Probezeit bemerkt er, dass bei der Zuverlässigkeit mehr und mehr Lücken bei dem jungen Mann zu erkennen sind.
  11. In einem alteingesessenen Meisterbetrieb werden in diesem Jahr wieder drei Gebäudereiniger ausgebildet. Traditionell nehmen alle gemeinsam das Mittagessen ein. Dem Chef fällt schon nach kurzer Zeit auf, dass er bei den Tischmanieren ein wenig Nachhilfe leisten muss.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.