Die Schreinerei von Torsten Riedel konnte mithilfe einer stillen Beteiligung wieder richtig durchstarten. Dafür war gar nicht so viel Kapital nötig. Wie funktioniert die Finanzierungsform?
Schreiner Torsten Riedel hatte gerade eine Durststrecke nach einem Arbeitsunfall überwunden und wollte 2019 in neuen Räumen mit seiner Schreinerei wieder richtig durchstarten. Doch die Übernahme eines anderen Betriebs zerschlug sich und die angemieteten Produktionsräume musste er mit seiner Firma "Sauna nach Maß" verlassen. Einen alternativen Standort gab es nicht.
Vier Monate musste der Betrieb ohne Fertigung auskommen. Die fehlenden Umsätze sorgten für leere Kassen. Seine Frau Sandra, gelernte Bankkauffrau, wusste: Wollte sie den Verlust wieder aufholen, musste sie in neues Personal und entsprechend viel Material investieren. Denn eines war klar: Am Auftragsmangel lag es nicht.
Stille Beteiligung brachte die Lösung
Wenn Investitionsmittel fehlen, führt in der Regel der erste Weg zur Hausbank – für eine Kreditanfrage. Einen Ratenkredit wollte diese jedoch nicht bewilligen. Das Kreditinstitut vertröstete die Firmenchefin mit dem Kontokorrentkredit. Für Sandra Riedel keine brauchbare Lösung. Die Zinsen sind deutlich zu hoch. Die Lösung brachte schließlich eine stille Beteiligung.
Die Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen (BMH) investierte 75.000 Euro in "Sauna nach Maß". Was im ersten Moment recht wenig klingt, reichte Sandra Riedel jedoch, um zwei neue Mitarbeiter einzustellen und mit höherem Auftragsvolumen günstigeres Material einkaufen zu können. "Seitdem sind wir ein gesundes Unternehmen", sagt sie. Vermittelt hat den Kontakt ihre Fördermittelberaterin. Die BMH ist eine Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen und dient der Wirtschaftsförderung in Hessen.
Vom Start-up bis zur Nachfolge
Über sechs Fonds ist die BMH an kleinen und mittelständischen Unternehmen beteiligt. Die mit überwiegend öffentlichen Mitteln befüllten Fonds sind auf verschiedene Unternehmensziele wie Gründung oder Wachstum zugeschnitten. "Wir können vom Start-up bis zur Nachfolge eigentlich alles finanzieren", sagt Geschäftsführer Steffen Huth. Derzeit ist die BMH an 240 Unternehmen beteiligt und investiert bis zu fünf Millionen Euro. Im Regelfall ist die Höhe der Beteiligung deutlich niedriger, vor allem bei Klein- und Mittelständlern. Oft sind es Neugründungen, deren Aufbau die BMH mitfinanziert und auf der anderen Seite gestandene Unternehmen, auch Handwerksbetriebe, die mit Mezzaninekapital versorgt werden.
Mezzanine wiederum bedeutet eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital. Das ist ein großer Vorteil stiller Beteiligungen. Sie werden als Eigenkapital eingestuft. Und das ist nicht der einzige Bonus. Betriebe, und das haben viele Handwerker noch nicht im Blick, können bei stillen Beteiligungen auch anderweitig profitieren. Da das Eigenkapital aufgestockt wird, steigt das Unternehmensrating. Die Chance, einen Kredit bei der Bank zu bekommen, erhöht sich. In der Regel erhalten Betriebe so auch günstigere Zinsen. Selbst Konditionen für Leasing oder Factoring können sich verbessern. Weiterer Vorteil: Die Beteiligungsgesellschaften verlangen keine Sicherheiten.
Rückzahlbar wird das Geld bei der BMH erst nach sieben Jahren. Im 8., 9. und 10. Jahr ist dann jeweils ein Drittel zu zahlen. Die lange tilgungsfreie Zeit komme gerade kleinen und mittleren Betrieben zugute, erläutert Huth.
Stille Beteiligung: So wird geprüft
Vor einer Bewilligung nimmt die Beteiligungsgesellschaft das Unternehmen natürlich unter die Lupe. Sandra Riedel musste für die vorhergehenden drei Jahre ihre Geschäftszahlen vorlegen, erklären, wie es zu dem geschäftlichen Einbruch kam und letztlich ein Konzept vorlegen, wie es mit dem Unternehmen weitergehen soll. Nicht jedem gefällt so eine eingehende Prüfung. Als gelernte Bankkauffrau weiß Riedel, welche Routinen für eine Beteiligung nötig sind. Jede Kreditprüfung bei einer Bank laufe ähnlich ab. Die BMH unterzieht den Betrieb dann einer Due-Diligence-Prüfung. Das ist eine Unternehmensprüfung, die die Analyse von Stärken und Schwächen einschließt.
Bleibt immer noch die Hürde mit der Beteiligung selbst. Viele Betriebsinhaber fürchten, dass die Beteiligungsgesellschaft ihnen ins Geschäft reinredet. Doch der Name verweist keineswegs auf die geschäftliche Einbindung. Weder kommt es zu einem Eintrag ins Handelsregister, noch nimmt die Gesellschaft Einfluss auf das operative Geschäft. Die Geschäftsführung liegt weiterhin allein beim Inhaber. Die BMH stellt wie viele andere Gesellschaften nur ihr betriebswirtschaftliches Know-how zur Verfügung und begleitet das Unternehmen beim Wachsen oder bei der Übergabe.
Der Schreinereibetrieb hat laut Sandra Riedel seit Beginn der Geschäftstätigkeit 400 Saunaprojekte mit seinen Kunden realisiert.
Beteiligungsgesellschaften
Private-Equity- oder Beteiligungsgesellschaften investieren in Unternehmen und profitieren vom Gewinn, während sich dem Unternehmen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung eröffnen. Private-Equity-Fonds investieren auch Zeit und Know-how. Sie entwickeln Unternehmensstrategien, planen Expansionen und optimieren Arbeitsprozesse. Für die verschiedenen Lebensphasen eines Unternehmens gibt es differenzierte Formen von Beteiligungen.
- Wagniskapital: Mit Venture-Capital erhalten Start-ups das nötige Kapital von der Gründungsphase an.
- Growth/Turnaround/Replacement-Capital: Möchte sich ein Unternehmen vergrößern, kann Wachstumskapital dabei helfen. Auch hier werden nicht nur finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, sondern auch das Wissen der Beteiligungsgesellschaft.
- Buy-out-Finanzierungen: Dabei beteiligt sich die Gesellschaft mehrheitlich an einem nicht börsennotierten Unternehmen, um dieses nach einiger Zeit gewinnbringend zu verkaufen.
Man unterscheidet außerdem zwischen stillen und offenen/direkten Beteiligungen. Beteiligungsgesellschaften übernehmen im Falle einer offenen Beteiligung Anteile (GmbH-Anteile oder Aktien) an einem Unternehmen und unterstützen dieses mit ihrer direkten Beteiligung durch finanzielle Mittel und Know-how. Stille Beteiligungen sind eine Ausprägungsform von Mezzaninekapital. Obwohl sie rechtlich kein Eigenkapital darstellen, werden sie als wirtschaftliches Eigenkapital betrachtet und haben deshalb einen positiven Einfluss auf das Rating eines Unternehmens. Der stille Gesellschafter leistet eine Einlage in das Vermögen eines Unternehmens, aber ohne Anteile daran zu erwerben. Das Mezzaninekapital ähnelt in der Konstruktion eher einem Kredit. Die Zinskosten liegen allerdings über denen von klassischen Krediten, da Mezzanine eigenkapitalähnliche Finanzierungsmittel darstellen.
Mittelständische Beteiligungsgesellschaften
Die mittelständischen Beteiligungsgesellschaften, die es in allen Bundesländern gibt, investieren meistens in Form von eigenkapitalähnlichen, typisch stillen Beteiligungen. Wichtigste Aufgabe der MBGs ist die Verbesserung der Bilanzrelationen von Existenzgründern sowie kleinen und mittleren Unternehmen. Die MBGs arbeiten nicht renditeorientiert, bieten mittelstandsfreundliche Konditionen und nehmen keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft. https://finanzierungsportal.ermoeglicher.de
