Der Rahmenplan zum Erwerb der Ausbildereignung wurde modernisiert. Franziska Kupfer vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erklärt, was das für künftige Ausbilder bedeutet.
Frau Kupfer, der Rahmenplan zur Ausbilder-Eignungsverordnung legt fest, was angehende Ausbilder können sollen, um Auszubildende anzuleiten. Jetzt wurde er modernisiert. Warum?
Kupfer: Im Ausbildungsalltag hat sich viel geändert. Immer mehr Ausbilder fragen, wie sie mit diesen veränderten Bedingungen klarkommen können, beispielsweise mit der Heterogenität, der Azubis. Vom Hauptschulabsolventen bis zum dual Studierenden müssen sie allen gerecht werden. Das fällt Ausbildern zunehmend schwer.
Was sind die zentralen Punkte der Reform der Ausbildereignung? Was hat sich geändert?
Es geht vor allem um vier große Themenfelder: Die Digitalisierung, Aspekte der Nachhaltigkeit, die schon genannte immer größer werdende Heterogenität der Auszubildenden und um den demografischen Wandel, der ja auch Folgen auf das Ausbildungsmarketing hat.
Das sind wichtige Aspekte. Aber macht das die Ausbildung zum Ausbilder nicht noch komplizierter als sie ohnehin schon ist?
Nein. Um die Ausbilder nicht zu überfordern, haben wir bewusst an anderen Stellen im Rahmenplan gekürzt und die einzelnen Handlungsfelder neu gewichtet. Handlungsfeld eins, in dem es darum geht, Ausbildungsvoraussetzungen zu prüfen und die Ausbildung zu planen, wurde von 20 auf 15 Prozent gekürzt. Dafür nimmt das Handlungsfeld drei "Ausbildung durchführen" 50 Prozent statt bisher 45 Prozent der Lehrgangszeit ein.
Welche Inhalte sind hier hinzugekommen?
Das Handlungsfeld drei ist der Methodenteil: Wie gehe ich mit den Azubis um, mit der aktuellen Generation? Wie spreche ich mit ihnen? Es geht um die soziale und persönliche Entwicklung der Azubis, um Führungsverhalten, Fehlerkultur, aber auch grundsätzlich darum, wie man die Ausbildung durchführt und wo sich der Ausbilder Hilfe holen kann. All diese Fragen wurden verstärkt. Der Ausbilder oder die Ausbilderin wird als Lernprozessbegleiter verstanden.
Die Lehrgänge zum Erwerb der Ausbildereignung sollten 115 Unterrichtsstunden umfassen. Für Kleinunternehmen ist das viel Zeit. Können kompaktere Crash-Kurse ausreichend auf die Ausbildung vorbereiten?
Die 115 Unterrichtsstunden sind eine Empfehlung und sie sind wünschenswert. Aber es geht auch darum, was für die Betriebe machbar ist. Deswegen sagt die Empfehlung, dass 90 Stunden in Präsenz oder in Distanz durchgeführt werden können und bis zu 25 Stunden in angeleiteten Selbstlernphasen. Der Unterricht ist mit der Reform also in größeren Teilen als vorher per Videokonferenz möglich.
Das erleichtert es den Betrieben sicherlich. Aber kann man gute Führung wirklich per Videokonferenz üben?
Am Ende zählt die Kompetenz des zukünftigen Ausbilders. Auf welchem Weg er sie erworben hat, ist zweitranging. Sich allerdings nur auf das Bestehen der Ausbildereignungs-Prüfung vorzubereiten, wäre nicht sinnvoll. Später habe ich ja einen echten Azubi vor mir und muss wissen, wie ich ihm etwas beibringe. Inhalte wie Ausbildungsmethoden oder beispielsweise den Umgang mit Konflikten übt man am besten in Präsenz, beispielsweise in Rollenspielen.Häufig wird die Ausbildungsqualität in Betrieben bemängelt.
Welchen Einfluss wird diese Reform darauf haben?
Wir denken, dass wir mit der Anpassung des Rahmenplans etwas bewirken, in kleinen Schritten. Natürlich sollen die Ausbilder gut ausgebildet sein. Gleichzeitig wollte in dem Sachverständigengremium niemand zusätzliche Hemmnisse für die Ausbildung aufbauen. Es muss für die Betriebe vertretbar sein. Deswegen haben wir sorgfältig abgewogen, wie viel wir fordern.
Die Empfehlungen des Rahmenplans richten sich allerdings nur an künftige Ausbilder. Wie lassen sich ältere Ausbilder erreichen, die ja ebenfalls auf veränderte Anforderungen reagieren müssen?
Eine Kurzstudie aus unserem Haus zeigt, dass die Mehrheit der Bildungsbeteiligten erkennt, wie wichtig Auffrischungskurse sind. Aber sie sollten auf freiwilliger, nicht auf verpflichtender Basis sein. Dazu gibt es bereits viele gelungene Refresh-Kurse, beispielsweise zur Digitalisierung oder zu rechtlichen Fragen. Außerdem informiert das BIBB Ausbilder über das Ausbilderforum "Foraus".
Und dann wären da noch diejenigen in den Betrieben, die zwar nicht formell Ausbilder sind, de facto aber mit den Azubis arbeiten. Gibt es auch für sie Hilfen?
Die ausbildenden Fachkräfte spielen eine wichtige Rolle. Für sie haben wir einen Leitfaden entwickelt, mit Tipps zur erfolgreichen Arbeit mit Auszubildenden.
