Das Buch "Deutschland, deine Chefs" erzählt wahre Geschichten über Führungskräfte, die es geschafft haben, ihre Mitarbeiter in den Wahnsinn zu treiben. Ob Selbstüberschätzer, Diktator, Gernegroß oder Peter Pan: Erkennen Sie sich in einer dieser Führungspersönlichkeiten wieder?

Ein Finanzleiter, der den Unternehmensgewinn mit dem Würfel ermittelt oder ein Vorstand, der sich selbst als Mafia-Pate bezeichnet: In ihrem Buch "Deutschland, deine Chefs" erzählen die HR-Leiterin Gerda Grebmov und der Finanzmanager Paul Bögeholz wahre Geschichten von Chefinnen und Chefs, die ihre Belegschaft in den Wahnsinn getrieben haben. Dabei haben sich zwanzig Typen unsäglicher Chefs herauskristallisiert. Hier vier Beispiele aus dem Buch – erkennen Sie sich in einer dieser Führungspersönlichkeiten wieder? Und was können Sie an ihrer Stelle besser machen?
1. Der Selbstüberschätzer
Die Situation: Ein Mitarbeiter hat ein Problem und fragt beim Chef nach Rat. Statt darauf einzugehen, erzählt der Chef erst einmal ausführlich von seinem Wochenende. Als der Mitarbeiter es endlich schafft, zurück auf sein Problem zu lenken, fragt der Chef, was denn die Kollegen dazu sagen würden. Als der Mitarbeiter davon berichtet, akzeptiert der Chef die erstbeste Lösung. Final über das Ergebnis schauen muss er auch nicht – das wird schon passen.
Der Typ: Der Selbstüberschätzer ist zwar eine grundlegend freundliche Person, überschätzt aber seine persönlichen und fachlichen Führungskompetenzen. Mit Geschichten aus seinem Privatleben möchte er Nähe bei seinen Mitarbeitern schaffen – meist sind diese aber nur peinlich berührt. Im Buch wurde der Selbstüberschätzer zur Führungskraft befördert und ist deshalb der Meinung, bereits alle notwendigen Fähigkeiten für seine Stellung innezuhaben. Die Folge: Lieber delegiert er Aufgaben und akzeptiert Lösungsvorschläge vorschnell. Dadurch passieren aber immer häufiger Fehler – und auch die Mitarbeiter fühlen sich nicht ernstgenommen.
Führungstipp: Die Selbstüberschätzer muss sowohl seine beruflichen, als auch sozialen Kompetenzen reflektieren. Auch wenn er eine hohe berufliche Position hat, muss er sich mit fachlicher Expertise behaupten und sich die Zeit nehmen, in Fachthemen einzuarbeiten. Sozial zu sein, bedeutet nicht nur, von privaten Erlebnissen zu sprechen: Der Selbstüberschätzer sollte versuchen, sich ehrlich in seine Mitarbeiter hineinzuversetzen, um ihre Probleme zu verstehen und ihnen Hilfestellungen zu geben.
2. Der Diktator
Die Situation: Der Mitarbeiter bringt seinem Chef eine Auswertung. Der Chef findet direkt etwas, über das er sich beschweren kann: die Kopien fehlen. Als der Mitarbeiter erwidert, dass das doch gar nicht Teil der Aufgabe war, akzeptiert der Chef das nicht. Stattdessen antwortet er: "Muss denn der Papa hier alles alleine machen!?"
Der Typ: Der Diktator ist zwar ein höchstintelligenter und fleißiger Typ. Er ist sich aber auch nicht zu schade, dies immer wieder herauszustellen. Niemand aus dem Team kann ihm das Wasser reichen. So kommt es oft vor, dass er seinen Mitarbeitern für (vermeintliche) Fehler ausgiebige Standpauken hält – und das gerne auch im Beisein der anderen Beschäftigten.
Führungstipp: Dem Diktator fehlt ganz klar die menschliche Komponente. Seine unternehmerischen Ziele will er mit Druck erreichen. Dabei vergisst er, dass durch sein Verhalten die Motivation seiner Mitarbeiter stark sinkt. Stattdessen sollte er ihre Fähigkeiten ernst nehmen, ihnen ein nützliches Feedback geben und sie so auf seine Seite ziehen.
3. Der Gernegroß
Die Situation: Der Chef kommt mit einer scheinbar großartigen Idee auf seinen Mitarbeiter zu, die das Unternehmen innovativer machen soll. Der Mitarbeiter zeigt sich offen – er weiß, es ist besser, seinem Chef zu huldigen – und erarbeitet ein Konzept. Als er zwei Tage später wieder darauf zu sprechen kommt, rudert der Chef plötzlich zurück: Die Idee sei doch längst überholt.
Der Typ: Der Gernegroß liebt es, seine Umgebung zu überstrahlen. Er sieht sich als moderner Unternehmenslenker, der es sowohl menschlich als auch führungstechnisch draufhat. Diese Rolle kann er aber nicht wirklich ausfüllen: Was seine Vorhaben angeht, ist er leider sehr sprunghaft. Dadurch entsteht für die Mitarbeiter andauernd Mehrarbeit statt Entlastung.
Führungstipp: Statt auf ständige Zustimmung aus zu sein, sollte der Gernegroß Mitarbeitern mit wichtiger Expertise ermutigen, ihre Meinung zu sagen. Auch sollte er seine Sprunghaftigkeit reflektieren und lernen, Entscheidungen zu treffen, auch wenn diese negative Konsequenzen nach sich ziehen.
4. Peter Pan
Die Situation: Der Chef übergibt dem Mitarbeiter eine Aufgabe. Obwohl die Aufgabe nicht dringend ist und der Mitarbeiter erst einmal dabei ist, diese zu strukturieren, hakt der Chef immer wieder nach. Schließlich reißt er die Aufgabe doch an sich. Er hätte das schon bis zum Mittag fertig gehabt! "Wäre echt schön, wenn es auch mal ohne mich ginge".
Der Typ: Peter Pan heißt dieser Typ von Chef, weil er arbeitet wie eine frei fliegende Intelligenz. Organisation ist für ihn ein Fremdwort, stattdessen will er unbedingt "anders" sein. Seiner Meinung nach ist er viel schlauer, begabter, talentierter und besser als alle anderen. Gerne gibt er seinen Mitarbeitern auch das Gefühl, er sei derjenige, der es am Ende richten muss.
Führungstipp: Unter anderem sollte Peter Pan lernen, seine intellektuellen Eitelkeiten loszulassen und das vertrauen finden, nicht überall mitspielen zu müssen. Aufgaben, die er angeht, sollte er nicht mit dem Anspruch erledigen, es anders zu machen, sondern es gut zu machen.
Buchtipp
Selbstüberschätzer, Diktator, Gernegroß und Peter Pan: Alles über die hier vorgestellten Führungspersönlichkeiten und mehr wahre Geschichten über "wahnsinnige" Chefs, lesen Sie in dem Buch "Deutschland, deine Chefs: Wo der Wahnsinn tobt" von den Autoren Gerda Grebmov und Paul Bögeholz.
Deutschland, deine Chefs: Wo der Wahnsinn tobt. Books on Demand; 10,90 Euro; ISBN: 978-3-7562-5537-5
